Die schweizerische Textil- und Bekleidungsindustrie hat für 2005 mit einem leichten Rückgang von 2,3% auf 3,6 Mrd Fr. knapp an den Aufschwung des Vorjahres angeschlossen. Der Wegfall der Textileinfuhrquoten hat den Druck auf die Produzenten in der EU und den USA verstärkt, wovon auch die Schweizer Textiler indirekt als Zulieferer betroffen waren. Die Liberalisierung des Welttextilmarktes führte zu einer weiteren Erhöhung des Preisdruckes, eine Entwicklung, die sich in den unteren und mittleren Preissegmenten auch 2006 fortsetzen dürfte. Dennoch können zahlreiche Schweizer Textil- und Bekleidungsunternehmen auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Die von diesen Firmen eingeschlagene Nischen- und Innovationspolitik hat sich als richtig erwiesen.

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Starke Abhängigkeit von ausländischen Absatzmärkten

Die exportorientierte Schweizer Textil- und Bekleidungsindustrie ist stark von den Entwicklungen auf den wichtigsten ausländischen Absatzmärkten abhängig. Für das laufende Jahr 2006 wird für die EU eine leicht höhere Dynamik erwartet, und auch in den USA wird erneut mit einem Wachstum, wenn auch etwas gedämpft im Vergleich zum Vorjahr, gerechnet. Dies dürfte sich auf den Geschäftsverlauf der Schweizer Textilbranche positiv auswirken. Trotzdem wird die Auslagerung von Produktionsschritten und -prozessen in Tieflohnländer weitergehen. Ungünstig beeinflusst wird die Branchenentwicklung hingegen durch die Schweizer Energiepolitik sowie durch die nur zögerlich vorangehende Ausweitung der europäischen Freihandelszone auf die Mittelmeer-Anrainerstaaten.

Die Unternehmen der textilen Kette reagieren auf diese Rahmenbedingungen mit noch mehr Flexibilität, Qualität, Innovation in der Produktentwicklung und Spezialisierung und besetzen so erfolgreich Marktnischen.

Innovative und spezialisierte Schweizer KMU

Ein Beispiel für ein innovatives Unternehmen ist die Hermann Bühler AG in Sennhof bei Winterthur. Sie hat als Innovation das Swiss-Cotton-Rainbow-Garn entwickelt, das sich im Einsatz und der Farbgebung so anpassungsfähig verhält wie ein Chamäleon. Im Rohartikel eingewobene oder eingestrickte Muster werden in der Stückfärbung erst sichtbar. Die Farbe muss damit nicht bereits beim Weben festgelegt werden. Ein anderes Beispiel ist die Seidenweberei Weisbrod-Zürrer AG in Hausen a.A., welche die weltweit einzigartige Cocoontec¨-Technologie entwickelt hat. Edle Krawattenstoffe werden auf spezielle Weise schmutz- und ölabweisend ausgerüstet. Oder die Création Baumann AG, Langenthal BE, exklusive Herstellerin von schallabsorbierenden Stoffen und Betreiberin der grössten Digitaldruckerei für Vorhangstoffe in Europa.

Max R. Hungerbühler, Präsident TVS Textilverband Schweiz, Zürich.