Die Ausfuhren der Textil- und Bekleidungsindustrie sind 2011 um 5,2 Prozent zurückgegangen. Dies teilte der Textilverband Schweiz (TVS) an der Jahresmedienkonferenz in Zürich mit. Die Schweizer Textilindustrie exportierte damit noch Waren im Wert von 2,99 Milliarden Franken.

Davon entfielen laut Eidg. Zollverwaltung 1,43 Milliarden Franken auf die Kleiderhersteller und 1,56 Milliarden Franken auf die Textilindustrie, also auf Spinnereien, Webereien und Textilveredler.

Die Branche sei von der Kombination aus schwächerer Weltkonjunktur und dem überbewerteten Franken stark betroffen, sagte der seit Mitte 2011 amtierende Verbandspräsident Andreas Sallmann, Chef des Amriswiler Wäscheunternehmens ISA Sallmann.

Sallmann bekräftigte seine Forderung, die Schweizerische Nationalbank (SNB) solle im Kampf gegen eine Deindustrialisierung der Schweiz den Euro-Mindestkurs schrittweise auf 1,35 Franken erhöhen. Ansonsten sehe er schwarz für Unternehmen, die sehr stark exportorientiert seien.

Angespannte Geschäftslage

Zahlen zur Ertragslage der rund 200 Mitgliedsfirmen nennt der Verband nicht. Er verweist aber auf die Umfrage der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich: Vergangenen Herbst hatten die Firmen die Geschäftslage mehrheitlich als negativ bezeichnet. Der Saldo aus positiven und negativen Antworten lag bei -20.

Die Zahl der Beschäftigten der schwergewichtig in der Ostschweiz angesiedelten Branche stieg zwar im vergangenen Jahr um rund 1000 auf 14'800. Die Zunahme ist aber statistisch bedingt, wurden doch Unternehmen neu dieser Branche zugewiesen. Ansonsten wäre der Stellenbestand weiter gesunken, wie es hiess.

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Dieses Jahr sei angesichts rückläufiger Bestellungen ein Abbau zu erwarten. Trotzdem wollten die Textilindustriellen nicht nur ein negatives Bild zeichnen: Die Wertschöpfung habe um 1,4 Prozent auf 1,19 Milliarden Franken zugenommen, hiess es gestützt auf Zahlen von BAK Basel.

Erfolg in der Luxus-Nische

Die Schweizer Unternehmen hätten wegen ihres grossen Fachwissens und der langjährigen Erfahrung weiterhin Chancen, sagte Martin Leuthold, Art Director des St. Galler Stickereiproduzenten Jakob Schlaepfer.

Diese Ansicht teilt von Emanuel Forster. Die von ihm geleitete Forster Rohner AG beliefere mit ihren Stickereien die ganz grossen Createure der Haute Couture und des Prêt-à-Porter, darunter Prada und Louis Vuitton. Im Spitzensegment zähle das «Made in Switzerland» nach wie vor. Der Textilverband hofft in diesem Zusammenhang, dass nach dem Nationalrat auch der Ständerat die Swissness-Vorlage zügig verabschiedet.

Bekämpfen will der TVS hingegen die Mindestlohn-Initiative. Auch die Energiestrategie des Bundesrates sei alles andere als positiv. Bei der Herstellung von Gütern des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel Textilien, seien energieintensive Prozesse unausweichlich, sagte Sallmann. Diese Prozesse würden auch nicht effizienter, wenn sie nach Asien verlagert werden.

(chb/tno/sda)