Ob Kaninchen am Kragen, Biber am Bund oder Fuchs als Futter eingenäht: Pelz ist wieder hoch im Kurs. Bereits im letzten Jahr stieg der weltweite Verkauf um 10,8% auf 11 Mrd Dollar. Dieses Jahr soll es noch steiler aufwärts gehen. Der internationale Pelzverband (IFTF) spricht denn auch von einer «zunehmenden Nachfrage» - und tut das Seinige, um die Absätze des exklusiven Tierhaars anzukurbeln. So startete er diesen Monat eine weltweite Werbekampagne. Zielgruppe: modebewusste Frauen im Alter von 25 bis 40 Jahren. Die Absicht: Nicht mehr nur Models und begüterte Damen sollen Pelz tragen, sondern auch das Massenpublikum. Da dieses nach günstiger Mode verlangt, werden mehr denn je Accessoires und Kleider zu Billigpreisen angeboten.
Entsprechend haben die Schweizer Warenhäuser ihre Sortimente ausgeweitet. So bietet etwa Branchenleader Vögele diese Wintersaison mehr Pelzprodukte an als noch ein Jahr zuvor. Gleiches gilt für das Modehaus Spengler, dass seit einigen Tagen für Pelzschweife aus Kaninchenfell ab 49 Fr. wirbt. «Die schönste Heizung für den Hals», wie es in den Inseraten heisst, «war schon letztes Jahr ein Kassenschlager», sagt CEO Christian Spengler. Grund genug, den Verkauf nun mit einer grossen Kampagne zu begleiten. Die Nachfrage sei wie bei anderen Bekleidungsstücken mit Pelzanteil «sehr hoch». Auch C&A-Sprecher Peter Gadient bestätigt «eine markante Steigerung» der Pelzprodukte. Diese seien jedoch ausschliesslich künstlich und würden es auch in Zukunft bleiben.
*Pelzmarkt wächst stetig*
Die Pelzindustrie freut sich ob den Nerzverzierungen an Mützen und den Fuchsbüscheln an Kinderjacken. Susanne Kolb, Leiterin des Deutschen Pelzinstituts in Frankfurt: «So etwas wie dieses Jahr gab es noch nie. So viele witzige, neue Kombinationen mit Pelz und anderen Textilien - es ist eine Freude.» Dazu hat Susanne Kolb auch allen Grund, wird doch nicht nur mehr offeriert, sondern auch mehr gekauft. Vor allem eben die Günstig-Angebote. Aber auch die Fachhändler profitieren - wenn auch noch in bescheidenem Umfang - vom neu entflammten Pelztrend: Gefragt sind bei ihnen hauptsächlich Modezubehör und Serviceleistungen. Mit Letzterem verdienen die Händler rund 40% ihres Umsatzes und damit nur 5% weniger als mit dem Verkauf. «Die Accessoires laufen sehr gut», bestätigt Emmanuel Vournelis, Geschäftsinhaber von Pelz Helas.
Auch beim Fachverband swissfur verzeichnet man gute Umsätze mit Tüchern und Schals. Vizepräsident Thomas Aus der Au: «Das Interesse der Kunden ist rege.» Trotzdem zögern viele noch damit, für einen Pelzmantel einige 1000 oder gar 10000 Fr. hinzublättern. Ein Grund ist die Wirtschaftsflaute. «Man spart an Luxusprodukten», sagt Vournelis. «Erst wenn es mit der Konjunktur wieder aufwärts geht und sich der Mann ein Auto kauft, kauft er für seine Frau auch einen Pelz oder Nerz.» Doch auch ohne Wirtschaftswunder gibt es für die Pelzindustrie wohl eine goldene Winterzeit. In Deutschland beispielsweise wird mit mindestens einem stagnierenden Ergebnis gerechnet. Das Umsatz-Niveau ist dabei mit rund 1 Mrd Euro sehr hoch - und in den letzten 12 Jahren um satte 19% gewachsen. Für die Schweiz existieren zwar keine vergleichbaren Zahlen, doch der Anstieg dürfte ähnlich hoch gewesen sein, ebenso die Aussichten für dieses Jahr. Einem Umsatz von mindestens 100 bis 150 Mio Fr. dürfte also nichts mehr im Wege stehen. Vorausgesetzt, der Winter lässt sich nach dem Jahrhundert-Sommer blicken. Pelz-Fachhändler Vournelis: «Wenn Sie frieren, kaufen Sie einen Wintermantel, sonst nicht.»
Dieses Jahr wird jedoch nicht die fehlende Kälte der schlimmste Feind der Pelzverkäufer sein, sondern die Tierschützer. Sie planen nach jahrelanger Protestpause wieder eine gross angelegte Anti-Pelz-Kampagne (siehe Kasten). Doch davon lässt sich die Pelzindustrie nicht beeindrucken. «Man darf die Tierschützer nicht überschätzen», oder «Wegen Anti-Pelz-Protesten brechen uns die Umsätze nicht weg», heisst es in der Branche. Abgesehen davon könnten die Proteste zum Beispiel im Fall von Spengler zu spät anlaufen. Denn bereits acht Tage nach dem Verkaufsstart von Textilien mit Pelzanteil war in diversen Filialen schon mehr als ein Viertel des Angebots verkauft.

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