Am Dienstag hat das Militär die Ausgangssperre in den Touristenorten wieder aufgehoben. In Pattaya, Phuket und auf Koh Samui soll nach dem Willen des Militärrates so schnell wie möglich wieder Normalität einkehren. Man wolle ein «förderliches Klima für den Tourismus» schaffen, teilte ein Militärsprecher am Dienstag mit. Im Rest des Landes bleibt das Ausgehverbot hingegen weiterhin in Kraft.

Schon vorher war die Ausgangssperre verkürzt worden. Statt von 22 Uhr bis 5 Uhr galt sie zuletzt von Mitternacht bis 4 Uhr. Mit den Erleichterungen tragen die neuen Machthaber der grossen wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus Rechnung. Fast 27 Millionen ausländische Gäste besuchten 2013 das südostasiatische Ferienparadies. Inklusive indirekter Effekte werden mehr als 15 Prozent des Bruttosozialprodukts im Tourismus erwirtschaftet. Laut Medienberichten gab es nach dem Machtwechsel etwa 5000 Fluganullierungen. Der «Spiegel» schrieb, dass nach dem Putsch 20 Prozent weniger Urlauber eingereist waren.

Kaum Effekte auf Schweizer Reiseanbieter

Weniger dramatisch wird die Lage dagegen von Schweizer Reiseanbietern beurteilt. Roland Schmid, Mediensprecher von TUI Suisse, sieht «keinen negativen Einfluss auf die Tourismuszahlen». Für viele Touristen sei das Ende der Demonstrationen und Blockaden sogar positiv. Trotz Ausgangssperre habe das touristische Leben in den letzten Wochen gut funktioniert, so Schmid. «Auch die Gäste in Bangkok konnten ihr geplantes Reiseprogramm machen.» Die meisten Schweizer würden aber ohnehin wegen der Badeorte in den Süden oder für Touren in den Norden reisen.

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Auch bei Hotelplan Suisse hat der Putsch keine Annulationen nach sich gezogen. Es habe zwar vereinzelte Infoanfragen von Kunden gegeben, sagt Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. «Doch einen Effekt des Militärputsches auf die Zahlen haben wir nicht bemerkt.»

Rückläufig seit Januar

Nach starkem Wachstum im 2013 sind die Zahlen für Thailand bei Hotelplan Suisse seit Mitte Januar leicht rückläufig. Anfang 2014 waren die seit vergangenen Oktober andauernden Proteste in blutige Unruhen umgeschlagen. Regierungsgegner versuchten dabei auch den Verkehr und das öffentliche Leben in der Hauptstadt lahmzulegen.

Während die Reiseveranstalter beschwichtigen zeigen sich einige Schweizer Unternehmen in Bangkok beunruhigt und hoffen auf baldige Wahlen. «Putsch, Kriegsrecht, Ausgangssperre: Dieses Vokabular beunruhigt Touristen», sagt Luzi Mazig, Präsident der Handelskammer Schweiz-Thailand, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. «Das schlimmste ist die Ausgangssperre: Die Armee muss diese dringend aufheben, damit die Touristen wiederkommen.»

Direkt an die Badestrände

Die Touristen annullieren ihre Flüge nach Thailand zwar nicht, sie ändern aber die Reiserouten und wählen Destinationen wie Phuket oder Pattaya, wo die Ausgangssperre am Dienstag aufgehoben wurde und wo die Autoritäten viel entgegenkommender sind. Gemäss Mazig würden zahlreiche Touristen in der Hauptstadt Bangkok nicht einmal mehr Halt machen.

Der 64-jährige St. Galler weiss wovon er spricht. Er ist auch Präsident von Asian Trails, einem Unternehmen, das im Bereich Luxus- und Geschäftstourismus tätig ist. Die Firma, die er 1999 gegründet hatte, ist heute zu 49 Prozent im Besitz des Reiseunternehmens Kuoni.

Seit der Gründung ist der Umsatz von Asian Trails Thailand Jahr für Jahr um durchschnittlich 20 bis 25 Prozent gestiegen. Doch seit letztem Herbst ist das Geschäft eingebrochen. Im März sank der Absatz um 22 Prozent verglichen mit dem gleichen Monat im Vorjahr. «Die Kunden meiden Bangkok», sagt Mazig oben auf einem das Geschäftsviertel beherrschenden Turm. «Dass 55 Regierungen Reiseempfehlungen veröffentlicht haben, von denen viele alarmierend sind, hilft auch nicht.»

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Probleme für Hoteliers

«Wir haben zweimal weniger Übernachtungen verzeichnet, der Absatz ist seit Beginn der massiven Demonstrationen in Bangkok um die Hälfte zurückgegangen», sagt Raphaël Benz, der das Hotel Grottino im Zentrum der thailändischen Hauptstadt besitzt.

Das Hotel, das seit zwölf Jahren Waadtländer Saucisson, Raclette und Rösti anbietet, konnte nur noch das fortschreitende Ausbleiben seiner internationalen, vornehmlich jedoch Schweizer Kundschaft, feststellen. «Wir hoffen auf eine möglichst schnelle Rückkehr zur Normalität. Diese Situation hält nun schon zu lange an», sagt der sechzigjährige Freiburger.

Der 75-jährige Peter Müller besitzt das Restaurant Domino in Sukhumvit, einer der belebtesten Strassen Bangkoks. Auch ihm kommt die Ausgangssperre ungelegen. «Ich muss das Geschäft jetzt schon um 23 Uhr schliessen, um nach Hause zu kommen, bevor mich die Militärs anhalten», sagte er.

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Wahlen frühestens 2015

Dass das Militär die Macht bald wieder abgibt ist im Moment nicht zu erwarten. Wahlen werde es frühestens in 14 Monaten geben, hatte Juntachef Prayuth Chan-ocha letzte Woche bekanntgegeben. Zu den Zwangsmassnahmen der Militärregierung gehören neben der Unterbindung jeglicher Proteste eine strenge Zensur der Presse. Menschenrechtler und Regierungen in aller Welt verurteilten den Putsch scharf.

(mit Material von sda)