1. Home
  2. Unternehmen
  3. Thomas Limberger: Der Indien-Fan entscheidet schnell

Thomas Limberger: Der Indien-Fan entscheidet schnell

An die Spitze von Unaxis kommt ein junger, aber schon erprobter Manager. Er führt bei General Electric (GE) in Deutschland 11000 Mitarbeiter.

Von Nicolas Kellner, München
am 08.06.2005

Ausgedehnte Reisen durch Asien gehören für den designierten neuen Unaxis-Chef Thomas Limberger genauso zum Job wie die Arbeit im Büro selbst. Nur der einwöchige Hütten-Urlaub irgendwo in den Alpen mit seiner Frau ist echter Urlaub: Ohne Handy, ohne Manuskripte und Diktiergerät. Ob das allerdings in naher Zukunft drin liegen wird, ist fraglich. Auf den Noch-GE-Manager wartet eine schwierige Aufgabe: Limberger soll sich als Kostenkiller beweisen.

Als sich Thomas Limberger vor genau einem Jahr als Verwaltungsrat der Unaxis zur Wahl stellte, wird der Deutsche noch nicht gewusst haben, dass er 12 Monate später den Chef-Sessel in der Schweiz übernehmen wird. Das genau passiert nun am 1. August 2005. Den durchgerüttelten Konzern wieder auf Kurs zu bringen, das könnte dem 38-jährigen Jungmanager gelingen. Sein Stärke ist eine enorme Detailkenntnis von Märkten und Branchen. Allerdings wird Limberger der Wechsel aus der GE-Zentrale im schönen Münchner Stadtteil Bogenhausen schwer fallen.

Als Vorsitzender des Vorstands von General Electric Deutschland, Österreich und der Schweiz war Limberger verantwortlich für einen Umsatz von über 6 Mrd Euro, leitete über 45 Einzelgesellschaften im deutschsprachigen Raum und führte fast 11000 Mitarbeiter. Der Weg von Limberger ist geradlinig, und das schätzen seine Gesprächs- und Verhandlungspartner. Nach dem Abitur in Deutschland studierte Limberger Betriebswirtschaft in Frankreich und in den USA. Der Diplomkaufmann mit MBA-Abschluss besitzt die deutsche und amerikanische Staatsbürgerschaft.

Den Job des Kostenkillers, der bei Unaxis angekündigt ist, nimmt man Limberger zunächst nicht ab. Das kann eine Fehleinschätzung des eher untersetzten, aber doch sportlichen Managertyps sein. Lieber verkündete Limberger jüngst auch der «HandelsZeitung» gegenüber nicht ohne Stolz, dass in seinem bei GE verwantworteten Bereich im letzten und diesem Jahr über 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Trotzdem: Limbergers Präferenz für schlanke Strukturen und schnelle Entscheidungen dürften ihm bei seinem neuen Arbeitgeber nützlich sein. Die «flache Hierarchie» bei amerikanischen Unternehmen begeistert und beflügelt den Indien-Fan.

Limberger, der 2004 drei Monate lang durch Indien reiste, um dort Entwicklungen, Trends und vorhandenes Know-how kennen zu lernen, weiss, wovon er spricht. Und auch das, was nicht kleingeredet werden sollte: Nichts ginge über Ausbildung, Fachkenntnis und Qualitätsansprüche hier zu Lande, meint der neue Unaxis-Chef. «Das wird auch in Zukunft so bleiben», ist sich der bekennende Europäer sicher. Es werde höchste Zeit, mit den Klagen aufzuhören und auf die Zukunft zu schauen.

Anzeige