Nach jahrelanger Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema Datenschutz macht Whatsapp einen ersten Schritt in Richtung Verschlüsselung. Beim neuesten Update für Android orientiert sich das Facebook-Unternehmen an einem Open-Source-Vorbild namens Textsecure, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Damit will Whatsapp seinen Gegnern beim wohl wichtigsten Kritikpunkt Luft aus den Segeln nehmen: Nämlich, dass der US-Konzern sich nicht um die Privatsphäre seiner Nutzen schere.

Von dieser öffentlichen Kritik profitierte in den vergangenen Monaten der Schweizer Nachrichtendienst Threema, bei dem alle Gesprächsverläufe verschlüsselt werden. Das Unternehmen wirbt seit jeher damit, ein sicherer Chatanbieter zu sein. Läutet die Neuerung bei Whatsapp also das Ende von Threema ein?

Verschlüsselung ist nur ein Teil von Privatsphäre

Martin Blatter ist einer der Mitgründer von Threema und Entwickler beim Pfäffikoner Unternehmen. Er glaubt nicht an einen Kurswechsel: «Die Verschlüsselung von Whatsapp soll nur für Text-Nachrichten und ausschliesslich zwischen Android-Geräten funktionieren.» Bei der Umsetzung fehle bislang noch die Verschlüsselung von Gruppennachrichten, Bilder und Videos.

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Das heisst: Apple-Nutzer, die Whatsapp über ein iPhone verwenden, gehen für absehbare Zeit aus technischen Gründen leer aus. Das Betriebssystem von Apple namens iOS erlaubt es Apps wie Whatsapp bislang nicht, Inhalte im Hintergrund zu entschlüsseln.

Fundament auf einer windschiefen Hütte

Die Einführung verschlüsselter Kommunikation bedroht die Geschäftsmodelle von alternativen Anbietern nur vordergründig, ist Blatter deshalb überzeugt. «Durch die zwangsweise Bindung des Kontos an eine Handynummer sind bei Whatsapp nach wie vor eindeutige Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers möglich», sagt er. «Die Datensammelei geht somit weiter.»

Daneben sei der sichere Umgang mit den Daten auf den Endgeräten entscheidend: Lokal gespeicherte Informationen müssen ebenfalls vor unbefugten Zugriffen sicher sein. «Man kann keinen Palast auf das Fundament einer windschiefen Hütte bauen.» Die beste Verschlüsselung nütze nichts, wenn nebenbei noch Metadaten gesammelt oder Beziehungsnetze ausgewertet würden und Chats und Medien allenfalls minimal geschützt auf dem Handy vorliegen. «Wir hoffen natürlich, dass sich die Nutzer nicht so einfach durch Schlagworte täuschen lassen», so Blatter.