Der angeschlagene Industriekonzern ThyssenKrupp ist auch zu Beginn seines neuen Geschäftsjahres nicht aus den roten Zahlen gekommen. Im Ende Dezember abgelaufenen ersten Quartal fiel trotz deutlicher operativer Verbesserungen unter dem Strich ein Konzernverlust von 69 Millionen Euro (84 Millionen Franken) an, wie das Unternehmen in Essen mitteilte. Dabei belastete vor allem ein bereits angekündigter Verlust bei der Rückübertragung von Teilen der früheren Edelstahltochter. Vor einem Jahr lag der Fehlbetrag bei 16 Millionen Euro. Analysten hatten mit dem neuerlichen Verlust gerechnet.

Im operativen Geschäft gab es dagegen deutliche Fortschritte. Das um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) konnte ThyssenKrupp auf 247 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Dabei profitierte der Konzern vor allem von Einsparungen, während der starke Euro belastete. Der Umsatz ging leicht auf 9,1 Milliarden Euro zurück. «Wir sind gut in das neue Geschäftsjahr gestartet, ohne dass wir Rückenwind von der Konjunktur hatten», sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger.

Ziel ist Gewinn von einer Milliarde Euro

Der Vorstand hat sich nach 599 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr für die neue Periode einen operativen Gewinn von rund einer Milliarde Euro vorgenommen. Die Kosten sollen um weitere 850 Millionen Euro sinken. Nach drei Milliardenverlusten in Folge will sich ThyssenKrupp unter dem Strich zumindest wieder in Richtung eines ausgeglichenen Ergebnisses bewegen.

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Die im Dezember durchgezogene Kapitalerhöhung verschaffte dem hochverschuldeten Unternehmen etwas Luft. Das Eigenkapital stieg dadurch Ende Dezember auf 3,3 Milliarden Euro, drei Monate zuvor hatte es bei 2,5 Milliarden Euro gelegen. Die Nettoschulden gingen auch dank Anzahlungen für einige Grossaufträge von 5 auf 4,5 Milliarden Euro zurück. Dadurch sank das Gearing – das Verhältnis der Schulden zum Eigenkapital von 200 auf 136 Prozent und damit unter die kritische Marke von 150 Prozent, bei der Banken einige Kreditverträge kündigen könnten.

Autozulieferbereich beflügelt

Als Stütze erwies sich im abgelaufenen Quartal wieder das Industriegütergeschäft mit dem Autozulieferbereich, der Aufzugssparte sowie dem Grossanlagenbau. Es steigerte den operativen Gewinn um 17 Prozent auf 412 Millionen Euro. Dagegen kämpft der Werkstoffbereich weiter mit niedrigen Preisen und starkem Wettbewerb. Die europäische Stahlsparte verdiente nur noch 19 Millionen Euro, mehr als ein Drittel weniger als vor einem Jahr.

Dagegen konnte die amerikanische Stahlsparte ihre Verluste von 122 auf 17 Millionen Euro reduzieren. Das lag unter anderem daran, dass die Anlagen technisch besser liefen und die Auslastung höher war. Zudem profitierte ThyssenKrupp mit seinem Werk in Brasilien vom Verfall der dortigen Währung. Das macht die Produkte von dort wettbewerbsfähiger auf dem Weltmarkt.

Amerikanische Stahlsparte lastet auf Thyssen

Die verlustreiche amerikanische Stahlsparte, die hauptsächlich für die Misere bei ThyssenKrupp verantwortlich ist, muss der Konzern in diesem Jahr wieder als fortgeführte Aktivität zu seinem Kerngeschäft rechnen, nachdem der Komplettverkauf Ende November nach langen Verhandlungen scheiterte. Die Essener fanden lediglich für das Weiterverarbeitungswerk im US-Bundesstaat Alabama mit einem Konsortium um Weltmarktführer ArcelorMittal einen Käufer. Das Geschäft soll voraussichtlich im laufenden Quartal abgeschlossen werden. Von da an wird die amerikanische Stahlsparte nur noch aus dem Werk in Brasilien bestehen, dessen Verkauf ThyssenKrupp zumindest vorerst auf Eis gelegt hat.

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Noch nicht wieder zum Konzern gehören die Edelstahlaktivitäten, die ThyssenKrupp vom finnischen Outokumpu-Konzern wegen dessen finanzieller Probleme zurücknimmt. Die komplizierte Rückwicklung und die damit verbundene Entflechtung von dem finnischen Unternehmen drückte aber schon jetzt auf die Bilanz. Denn die Essener mussten einen Verlust auf ihre bisherige Beteiligung an Outokumpu verbuchen. In wenigen Wochen soll die Rücknahme der Werks im italienischen Terni und des Spezialherstellers VDM vollzogen sein. Am Mittwoch hatte die EU-Kommission grünes Licht für das Geschäft gegeben.

(awp/me/sim)