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Wachstum
Tianjin-Explosion für Swiss Re keine Hürde

Swiss Re: Der Rückversicherer überrascht Analysten positiv. Keystone

Swiss Re hat trotz der Explosion im chinesischen Tianjin den Quartalgewinn gesteigert. Der Gewinn des Rückversicherers stieg um über einen Achtel. An der Börse sind die Aktien gesucht.

Veröffentlicht am 29.10.2015

Trotz hoher Schadenzahlungen für die Explosionskatastrophe in der chinesischen Hafenstadt Tianjin hat der Rückversicherer Swiss Re in den ersten neun...

Trotz hoher Schadenzahlungen für die Explosionskatastrophe in der chinesischen Hafenstadt Tianjin hat der Rückversicherer Swiss Re in den ersten neun Monaten kräftig verdient. Der Gewinn kletterte deutlich und übertraf die Erwartungen der Finanzgemeinde klar. Die Aktie zog an.

Tiefe Kosten für Naturkatastrophen

Unter dem Strich konnte die Swiss Re den Reingewinn um 12 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar steigern, wie der zweitgrösste Rückversicherer der Welt am Donnerstag in einem Communiqué bekannt gab. Das Ergebnis war einmal mehr von tiefen Kosten für Naturkatastrophen geprägt.

Kommt hinzu, dass für Geschäft aus früheren Jahren im grossen Stil Reserven aufgelöst wurden. Überdies war das Ergebnis im Leben- und Krankenrückversicherungsgeschäft stark. Die Prämieneinnahmen sanken indes um 3,7 Prozent auf 22,6 Milliarden Dollar.

Zum Reingewinn steuerte alleine das dritte Quartal 1,4 Mrd. Dollar bei. Alle Geschäftseinheiten hätten zur Steigerung des Gewinns beigetragen, sagte Finanzchef David Cole in einer Telefonkonferenz.

Erwartungen weit übertroffen

Damit hat die Swiss Re auch die optimistischsten Erwartungen der Finanzgemeinde übertroffen. Analysten hatten gemäss der Nachrichtenagentur AWP im Durchschnitt für das dritte Quartal mit einem Reingewinn von lediglich 899 Mio. Dollar gerechnet.

Die Resultate gefielen auch den Anlegern. An der etwas schwächeren Schweizer Börse legte die Aktie bis gegen 10.50 Uhr um 1,2 Prozent zu.

Das gute Ergebnis kam zustande trotz der Belastungen durch die Explosion, die im August einen Teil der chinesischen Hafenstadt Tianjin zerstörte und mindestens 165 Tote sowie hunderte Verletzte zur Folge hatte. Die Serie von Explosionen in einem Lager für Container dürfte Schäden von rund 250 Millionen Dollar für die Swiss Re verursacht haben, schätzte der Rückversicherer.

Da die Lage immer noch unklar und eine eindeutige Beurteilung der Schäden bisher schwierig sei, könnte sich die Schadenbelastung der Swiss Re noch ändern. Nach Schätzungen des weltgrössten Rückversicherers Münchener Rück wird die verheerende Explosion die Versicherungsbranche bis zu 3 Mrd. Dollar kosten.

Grosser Schaden durch Explosion

Der Schaden durch die Explosion lastete auf dem Ergebnis der grössten Sparte, der Rückversicherung von Sach- und Haftpflichtgeschäften. Hier ging der Gewinn nach neun Monaten um 4,7 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar zurück.

Das Verhältnis von Schadenleistungen und administrativem Aufwand zum Prämienvolumen (Combined Ratio) verschlechterte sich von 82,7 auf den immer noch tiefen Wert von 84,8 Prozent. Unter 100 Prozent ist das Geschäft versicherungstechnisch profitabel.

Denn die Belastung durch von Menschen verursachte Grossschäden stieg wegen der Explosion in Tianjin von 230 Mio. auf 372 Millionen Dollar, wie Cole erklärte. Auf der anderen Seite machten die Belastungen durch Naturkatastrophen nicht mal mehr ein Viertel des Vorjahreswertes aus.

Gleichzeitig profitierte die Swiss Re von Reserveauflösungen von knapp 600 Millionen Dollar, da die Schadenentwicklung im Geschäft früherer Jahre besser ausfiel als erwartet. Im Vorjahr hatte der Rückversicherer erst 400 Millionen Dollar Reserven aufgelöst.

Grosse Fortschritte

Die grössten Fortschritte gelangen der Swiss Re indes im Leben- und Krankenrückversicherungsgeschäft, das den Gewinn auf 763 Millionen Dollar knapp verdreifachen konnte. Auch die Firmenversicherungssparte verdiente mit 324 Mio. Dollar knapp ein Drittel mehr als in der gleichen Vorjahresperiode.

Bei der Admin Re, der Sparte für die Abwicklung geschlossener Lebens- und Krankenversicherungsportefeuilles, stieg der Gewinn von 219 Millionen auf 270 Millionen Dollar. Hier hat die Swiss Re vor einem Monat kräftig zugekauft durch die Übernahme des britischen Unternehmens Guardian Financial Services für 2,4 Milliarden Franken. Dadurch kommen 900'000 Policen aus Grossbritannien und Irland neu zur Swiss Re.

Auf den 1. Januar 2016 hin fasst der Konzern sämtliche Bereiche, die Lebensversicherungsbestände verwalten, in einer neuen Geschäftseinheit Swiss Re Life Capital AG zusammen; darunter fallen auch die Bestände von Admin Re. Zum Chef der neuen Einheit wurde Thierry Léger ernannt.

(sda/dbe)

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