Kinderspielzeug, Biobaumwolle und Bremspedale haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Doch wie die Ereignisse der vergangenen Monate zeigen, bergen diese scheinbar unbedeutenden Dinge erhebliches Risikopotenzial, wenn ihre Herkunft aus Zuliefererquellen mangelhaft oder gar nicht geprüft wird. Auch können andere «tickende Zeitbomben» in den Wertschöpfungsketten wie vernachlässigte Umweltgesetze, Giftstoffe in Produktkomponenten oder Kinderarbeit bei Zulieferern das Unternehmensimage langfristig beschädigen und schwere finanzielle und rechtliche Folgen haben.

Wichtiges Kriterium

Um dies zu verhindern, behandeln viele der grössten Unternehmen der Welt das Thema «grüne und nachhaltige Beschaffung» oder kurz Green Procurement bereits mit der gebotenen Top-Priorität. Dass es sich dabei eben nicht nur um Lippenbekenntnisse handelt, zeigt die internationale BrainNet-Studie «Best Value Country Sourcing - A Paradigm Shift for Global Sourcing Approaches»: Demnach gehören ökologische Aspekte inzwischen zu den 20 wichtigsten Kriterien bei Einkaufsentscheidungen - und ihre Entscheidungsrelevanz steigt schneller als die jedes anderen Kriteriums.

Weitere Belege für die hohe Bedeutung von Green Procurement liefert die vom Supply Chain Management Institute (SMI) veröffentlichte Trendstudie «Green and Sustainable Procurement Today - A Perspective on Leading European Companies». Die Studie verdeutlicht, dass sich immer mehr europäische Unternehmen auf nachhaltige Beschaffungsstrategien konzentrieren.

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Eine wichtige Erkenntnis der Untersuchung bezieht sich auf das Zuliefermanagement: So achten die Pioniere der nachhaltigen Beschaffung sehr darauf, ihre Zulieferer zu einem integralen Bestandteil der Strategie zu machen. Aus ihrer Sicht ist ein an ökologischen und ethischen Standards orientiertes Zulieferermanagement der Schlüssel zum Erfolg - ein ideales Leitbild für den modernen Einkauf.

Zentrale Rolle

In den letzten Jahren hat sich die Unternehmensfunktion Einkauf tief greifend verändert. Aus der «Kostensenkungsmaschine» vergangener Jahrzehnte ist ein strategischer Hebel geworden, der signifikante Beiträge zum Unternehmenserfolg leistet und langfristige Werte schafft. Heute befasst sich der Einkauf stärker denn je mit Themen wie Risiko- und Innovationsmanagement, Finanzierung oder Markterschliessung. Es gibt de facto keinen Bereich des unternehmerischen Wirkens, der von den Entscheidungen der Einkaufsabteilung nicht beeinflusst wird. Es ist deshalb nur folgerichtig, dass dem Einkauf nun auch eine zentrale Rolle bei der Planung und Umsetzung unternehmerischer Corporate-Social-Responsibility-Strategien (CSR) zukommt und Green Procurement zu einem integralen Element der Beschaffungsstrategien wird.

Doch welche Handlungsempfehlungen kann man Einkaufsverantwortlichen mit auf den Weg geben, damit sie ein Green and Sustainable Procurement im Alltag erfolgreich umsetzen können? Neben technologischen Fragestellungen gilt es vor allem die Managementsysteme für Risikomanagement, Auswahl, Auditierung und Entwicklung der Lieferanten an die Erfordernisse einer nachhaltigen Beschaffung anzupassen. Diese sind heute immer noch sehr stark auf traditionelle Fragestellungen ausgerichtet.

Generell gilt: Der Unternehmenseinkauf braucht dringend Transparenz über Stärken und Schwächen beim Thema Nachhaltigkeit. Das betrifft sowohl interne Prozesse als auch die Situation bei den wichtigsten Lieferanten. Denn ein unterschätztes Lieferantenrisiko kann sich nur zu schnell als folgenreicher Fehler herausstellen; noch fataler ist es, den Lieferanten als Risikopuffer zu betrachten.

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Wie die SMI-Studie bestätigt, schafft tatsächlich erst eine grösstmögliche Transparenz im Zuliefererkontakt den idealen «Nährboden» für ein proaktives, grünes und nachhaltiges Beschaffungsmanagement: Beim Blick auf die ökologischen Massstäbe der befragten Unternehmen fällt auf, dass sich vier der fünf wichtigsten Messwerte auf die Qualität oder die Aktivitäten von Zulieferern konzentrieren.

Abteilungsübergreifend

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Unterstützung durch das Top-Management. Sie entscheidet massgeblich darüber, ob ein Unternehmen sich die Position als Best Performer in nachhaltiger Beschaffung erarbeiten kann - dies ist sogar ein stärkerer Treiber als gesetzliche Vorgaben. Erfolgreiche Pioniere des Green and Sustainable Procurement orientieren sich ausserdem an langfristigen, abteilungsübergreifenden Strategien.

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Für Nachzügler ist es mit der Nachhaltigkeit häufig nach einem abgeschlossenen Projekt vorbei. Wer seine Einkaufsorganisation jedoch mit einer derart kurz gedachten «Strategie» ausstattet, läuft Gefahr, das Unternehmen in eine ernsthafte Krise hineinzumanövrieren.