Ob Madonna, Klassik-Galas oder die Fussball-Europameisterschaft – der Markt für Konzertkarten und Eventtickets in der Schweiz ist nahezu gesättigt. Deshalb wollen die drei grössten Ticketverkäufer Ticketcorner, Starticket und Eventim in neue Geschäftsfelder vorstossen und die Märkte erobern (siehe Kasten).

Denn der hiesige Ticketingmarkt ist heiss umkämpft: Die Kartenverkäufer reissen sich auch in diesem Sommer um die besten Events, derweil die Fans versuchen, über alle Kanäle an Karten heranzukommen. Das schafft Begehrlichkeiten und ein neues Problem, das bislang in der Schweiz weniger bekannt war: Wiederverkäufer wittern das grosse Geschäft und verhökern teure Karten auf dem Schwarzmarkt. Das geschieht meist über das Internet. «Die stellen sich zehnmal an den Vorverkaufskassen an, bestellen unter verschiedenen Namen im Internet und horten anschliessend die Karten», ärgert sich Eventim-Schweiz-Chef Frank Schwegler. «Das hat inzwischen System, auch wenn es noch nicht so schlimm ist wie in Deutschland oder in Grossbritannien.»

Tickets daheim ausdrucken

Deshalb geben die führenden Schweizer Anbieter jetzt Gegensteuer. «Print at home» lautet einer der jüngsten Branchentrends. «Das ist Convenience, es gibt keinen Versandaufwand mehr und der Kunde hält die Leistung unmittelbar in der Hand», erläutert George Egloff, Geschäftsführer des Schweizer Marktführers Ticketcorner. In einigen Angebotssegmenten mache das bereits 40% der Karten aus. Mittlerweile investieren auch die Veranstalter in entsprechende Einlass-Kontrollsysteme, sodass die Zeiten des Kartenabreissers am Eingang bald der Vergangenheit angehören dürften. Solche Investitionen in die Technologie und Infrastruktur seien übrigens mitverantwortlich für die steigenden Kartenpreise, die nicht nur bei Top-Acts zu verzeichnen sind, betont Egloff.

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Aber es gibt noch andere Gründe, zumindest im Rock- und Pop-Geschäft: Branchengrössen wie R.E.M. Genesis oder Tina Turner, neuerdings wieder auf Tournee, fordern von den Veranstaltern fast immer Garantien für volle Hallen. Und sie verlangen Höchstgagen. «Die Künstler wollen jetzt über Liveauftritte ihr Geld verdienen und treiben die Preise in die Höhe, weil die CD-Verkäufe nicht mehr so viel bringen», erläutert Peter Hürlimann, Gründer und Chef des zweitgrössten Schweizer Anbieters Starticket. Das Business sei knallhart kalkuliert. Die Folge: Für die Veranstalter wird das Risiko immer grösser, die Margen der Ticketanbieter immer kleiner. Die Kartenverkäufer hätten keinen Einfluss auf die Preise, versichert Hürlimann, man müsse nehmen, was einem die Veranstalter böten.

Eventim will Marktführerschaft

Der Schweizer Markt für Gross-events und Konzerte wird auf mindestens 10 Mio Tickets pro Jahr geschätzt. Es gibt jedoch ein Missverhältnis zwischen verfügbaren und effektiv verkauften Karten, berichten Insider. Wer Kontingente hortet, bleibt unklar. Zumindest wächst der Kartenmarkt nicht, bestenfalls verteilen sich Anteile.

Mit dem Schweizer Markteintritt von Europas grösstem Karten- und Veranstaltungshaus, der CTS Eventim, vor zwei Jahren wurden die Karten neu gemischt. Der Anbieter hat seinen Sitz im deutschen Bremen und bietet pro Jahr 45 Mio Tickets für 85000 Veranstaltungen an.

In der Schweiz tritt Eventim als einziger der grossen Player gleichzeitig als Veranstalter und Kartenverkäufer auf. Der Schweizer Eventim-Chef Schwegler setzt daher nicht nur auf klasssischen Kartenvertrieb, sondern auch auf den grenzüberschreitenden Verkauf. Für Zürich etwa sieht Schwegler «ein Riesenpotenzial».

Unter den Vertriebskanälen gehöre klar das Internet zu den Gewinnern. Bei der Dinner-Show Palazzo Colombino, die in Basel und Zürich läuft, gewinne allerdings auch der Verkauf über Callcenter wieder an Bedeutung, erklärt Schwegler. Denn solche Veranstaltungen seien sehr beratungsintensiv.

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