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Strategie
Tidjane Thiam – der Anti-Dougan räumt auf

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hat die neue Strategie vorgestellt. Ihr Gelingen hängt stark davon ab, wie sich das neue Management schlägt.

Von Laura Frommberg
am 21.10.2015

Es wirkt ein bisschen so, als hätte Tidjane Thiam gerade die Grundreinigung einer Wohnung hinter sich gebracht, die er neu übernommen hat. Nach wochenlangem Geraune in der Branche, zahllosen Gerüchten, Spekulationen und geleakten Informationen hat der Konzernchef der Credit Suisse nun die neue Strategie präsentiert, mit der er die zweitgrösste Schweizer Bank in die Zukunft führen will. Thiam ist bereit zum Einrichten seiner vier Wände.

Zwischen den Zeilen liess sich bei Thiams Rede immer wieder heraushören, wie dreckig die Wohnung vorher war. Wie wenig er von der alten Organisation unter seinem Vorgänger Brady Dougan hält. «Wenn ihr Geschäftsmodell ist, Leute zum Mittagessen einzuladen, muss ich sagen: das ist kein Geschäftsmodell», war einer der Sätze, die der neue Chef fallen liess, als er erklärte, wie man sich als Banker verhalten sollte – und wie eben nicht.

Radikaler als erwartet

Der Umbau der Credit Suisse fällt dementsprechend radikal aus – radikaler als erwartet. Thiam nutzte ganz offensichtlich das Momentum als neuer Chef und hielt sein Versprechen, bei der Neuorganisation «schonungslos» zu sein.  Auch in der Geschäftsleitung. Im Top-Management rollen Köpfe, gleich vier Geschäftsleitungsmitglieder scheiden aus: Gaël de Boissard, Hans-Ulrich Meister, Robert Shafir und Pamela Thomas-Graham. Sie haben keinen Platz mehr ganz oben in der neuen Credit Suisse.  

Thiam will ganz allgemein mehr Kontrolle und weniger Risiko. Daher ist es auch nur konsequent, dass Lara Warner in die Geschäftsleitung aufsteigt, die bisherige Finanzchefin der Investmentbank. Sie bestreitet neu die Funktion des «Chief Compliance and Regulatory Affairs Officer.»

CS schafft sich Mini-Bad-Bank

Ein weiterer Schritt, mit dem wohl die wenigsten gerechnet haben: Thiam spaltet die Investmentbank auf. In Zukunft gibt es die beiden Bereiche «Global Markets» und «Investment Banking and Capital Markets». Übersetzt heisst das wahrscheinlich soviel wie: Die Credit Suisse baut sich ihre eigene kleine Bad Bank auf. Zumindest gäbe ihr die neue Struktur die Chance dazu.Während sie wohl in einer der beiden Teile die profitablen Bereiche angliedern dürfte, würden sich im anderen die riskanten sammeln. Zunächst einmal klingt das sinnvoll.

Doch komplett risikofrei ist es nicht. Die Bad Bank ist wie ein Dampfkochtopf, in dem volatile Bereiche vor sich hin blubbern. Das funktioniert, wenn die Credit Suisse die richtigen Köche einsetzt, die die Temperatur niedrig halten. Auch mit dem Hintergrund macht die Neuorganisation der Geschäftsleitung Sinn. Die neuen Topmanager der Credit Suisse müssen nun aber ranklotzen – sonst explodiert der Topf und die Wohnung ist wieder schmutzig wie zuvor. 


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