Tidjane Thiam hat mit seinen neuen Job begonnnen. Investoren und Analysten setzen grosse Hoffnungen in den neuen Konzernchef der Credit Suisse. Der Markt erwartet sich von Thiam deutliche Fortschritte bei der strategischen Verschiebung hin zur Vermögensverwaltung weg vom Investmentbanking und der Stärkung der Kapitalposition der Gruppe. Es wird auch über eine womöglich grössere Übernahme unter Thiam spekuliert.

Den Spekulationen nimmt der Franko-Ivorer etwas den Wind aus den Segeln. In einer internen E-Mail, die er am ersten Tag an die gesamte Belegschaft geschickt hat, schreibt Thiam: «Sicher sind Sie gespannt, wie es mit der Bank weitergehen soll und was dies für jeden Einzelnen von Ihnen bedeutet.» Und weiter: «Sie werden bestimmt verstehen, dass ich – bevor ich solche Pläne Ende des Jahres festlege – unsere Organisation und unsere Aktivitäten erst besser kennenlernen und verstehen möchte.»

Ressourcen gezielt einsetzen

In den kommenden Wochen und Monaten werde er sich vor allem darauf konzentrieren zu entscheiden, «was wir künftig tun, und festzulegen, wie wir unser Kapital einsetzen werden», so der frühere Chef des Versicherers Prudential. Denn: «Wir müssen all unsere Ressourcen gezielt für das einsetzen, was wir am besten können.» Die Credit Suisse benötige eine Strategie, die ein profitables und nachhaltiges Wachstum ermögliche.

Anzeige

Er habe sich zwar auf den heutigen Tag vorbereitet, und einiges sei ihm auch bereits bekannt. «Aber ich bin mir auch bewusst, dass es noch vieles gibt, was ich noch nicht weiss», so Thiam. Daher habe er sich für die nächsten Tagen und Wochen vorgenommen, vor allem gut zuzuhören. Er werde ein «offenes Ohr» für die Mitarbeiter haben. Dabei will der neue Konzernlenker erfahren, wie die Kunden noch besser betreut werden könnten und die Arbeit der Bank «noch schneller, agiler und weniger komplex» gestaltet werden könnte.

Gemeinsam den richtigen Weg finden

Man erziele nur dann nachhaltigen Erfolg, wenn man auf die Bedürfnisse der Kunden eingehe und dies gewinnbringend tue. «Ich sehe meine Rolle als CEO nicht darin, persönlich auf alles eine Antwort zu haben, sondern sicherzustellen, dass wir gemeinsam die richtigen Lösungen finden», so Thiam.

«Das Vertrauen, das der Präsident und der Verwaltungsrat mir entgegenbringen, ehrt mich sehr», fährt er fort. Er sei sich der ihm entgegengebrachten «Erwartungen und Hoffnungen» und der damit «verbundenen Verantwortung sehr bewusst».

(awp/ise/ama)