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Unzufrieden
Tidjane Thiam kürzt sich selbst den Bonus

Tidjane Thiam: Selbstkritisch aber auch mit der Berichterstattung unzufrieden. Keystone

Nach dem schlechten Ergebnis kürzt der Konzernchef der Credit Suisse seinen eigenen Bonus. Auch andere Topmanager der Bank kriegen weniger Geld.

Veröffentlicht am 08.02.2016

Tidjane Thiam, der Konzernchef der Credit Suisse, kürzt sich nach dem schlechten Jahresergebnis selbst den Bonus. Er habe dem Verwaltungsrat eine markante Kürzung seines Bonus beantragt, sagte er in einem Interview mit der «Sonntagszeitung» (SoZ).

Wie gross die Kürzung sein wird, gab Thiam jedoch nicht bekannt. Innerhalb des Führungsteams sei der Einschnitt bei seinem Bonus jedoch am grössten, sagt er. «Ich kann nicht von anderen Opfer verlangen und selber keine bringen.» Insgesamt hat die Credit Suisse den Bonustopf um 11 Prozent reduziert. Im Handelsgeschäft, das 2015 einen Verlust geschrieben hat, sind die Boni laut Thiam um 36 Prozent gekürzt worden. «Das hat es bei der CS noch nie gegeben.»

Immer noch hochriskante Geschäfte

Die Credit Suisse hat das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Verlust von 2,9 Milliarden Franken abgeschlossen. Grund dafür ist vor allem eine Wertberichtigung auf einer Akquisition aus dem Jahr 2000. Warum die Credit Suisse diesen Abschreiber erst jetzt vornahm, begründet Thiam mit der Änderung der Unternehmensstrategie. «Vorher gab es andere Businesspläne, die zeigten, dass der Goodwill werthaltig war.»

Eine andere Altlast aus der Zeit seines Vorgängers Brady Dougan ist offenbar, dass die Investmentbank der CS immer noch hochriskante Geschäfte tätigt. So hat diese gemäss Thiam für insgesamt 1,8 Milliarden Franken Anleihen und Kredite von zusammengebrochenen Unternehmen gekauft. «Wir sind jetzt dabei, diese Positionen zu beseitigen, und wir sind auch vor Entlassungen nicht zurückgeschreckt», sagte er.

CS braucht Vermögensverwaltungskunden

Den Forderungen nach einem Verkauf der Investmentbank bringt Thiam derweil allerdings kein Verständnis entgegen. Die CS brauche diese für ihre Vermögensverwaltungskunden. Personen, welche der CS Millionen an Kommissionseinnahmen brächten, seien vergleichbar mit einem «Unternehmen mittlerer Grössenordnung», sagte er im Interview mit «Le Temps» (Ausgabe 6. Februar) - ohne Investmentbank werde man diese Kunden früher oder später verlieren. «Goldman Sachs und die anderen Investmentbanker besuchen sie jeden Tag.»

Zudem sieht Thiam auch die positiven Nachrichten innerhalb des Jahresabschlusses zu wenig gewürdigt. So habe die CS in Asien mehr Zuflüsse gehabt als jede andere Bank auf dem Kontinent, betonte er in dem Interview mit der Zeitung «Le Temps». Auch dass die Schweizer Bank den Gewinn um 25 Prozent gesteigert habe, sei kaum zur Kenntnis genommen worden - dabei sei das ein schöner Erfolg der CS-Strategie.

«Der Turnaround wird viel Zeit beanspruchen»

Nachdem der Aktienkurs in der zu Ende gehenden Woche mit enttäuschenden Geschäftszahlen um 17 Prozent eingebrochen ist, appellierte Thiam auch an die Geduld der Anleger. «Der Turnaround wird viel Zeit beanspruchen. Ich habe das von Anfang an betont und gewarnt, dass die Jahre 2015 und 2016 schwierig werden», sagte Thiam am Samstag gegenüber der «Finanz und Wirtschaft».

Der Markt habe sich nicht gegen die CS im Besonderen gedreht, vielmehr sei das Umfeld enorm herausfordernd geworden, so Thiam weiter. «Die Welt sieht komplett anders aus als zu der Zeit, in der wir unsere Strategie entwickelt haben.» Er sieht die gesetzten langfristigen Ziele aber nach wie vor als erreichbar an. «Wir stehen erst im zweiten Monat des Weges, und wir haben weitere 35 Monate vor uns.» Es sei zu früh, die Zielerreichung für unmöglich zu erklären. Schliesslich könne das Sentiment im Markt innerhalb eines Quartals von der einen Seite auf die andere kippen.

Börsengang der Schweizer Einheit

Thiam bestritt allerdings, das Ziel eines Vorsteuergewinns von 9 bis 10 Milliarden Franken im Jahr 2018 ausgegeben zu haben. Die Analysten hätten offenbar «ein schlechtes Gedächtnis» - das lasse sich auch in den Unterlagen nachprüfen, betonte er gegenüber der «SoZ». Weiterhin hält der CS-CEO an den Plänen zum Börsengang der Schweizer Einheit fest. Allerdings könne er nicht vorhersehen, wo die Märkte im Jahr 2017 stehen würden, räumte er in der «SoZ» ein: «Darum haben wir auch immer gesagt, dass der Börsengang nur kommt, wenn es die Marktbedingungen erlauben.»

Der CS-Chef kann dem schlechten Jahresabschluss und dem schlechten Start ins neue Jahr auch Gutes abgewinnen. Es erleichtere auch die Durchsetzung der Restrukturierung, sagte er in der «SoZ». Denn: «Lange Diskussionen um die Notwendigkeit fallen weg.» Die Credit Suisse hat angekündigt, bis in drei Jahren insgesamt 5000 Stellen abzubauen und die jährlichen Kosten um 3,5 Milliarden Franken zu reduzieren. In der Schweiz sollen 1600 Stellen wegfallen.

(awp/gku/ama)

 

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