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Fussball
Tidjane Thiam legt sich mit Arsène Wenger an

Tidjane Thiam.
Tidjane Thiam: «Ich bin der Anti-Wenger» Quelle: Keystone

CS-Boss Tidjane Thiam ist ein grosser Fan des britischen Fussballclubs Arsenal. Doch jetzt hat er sich mit dem Kult-Trainer des Clubs angelegt.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
am 15.04.2018

Wenn er sich gerade nicht um Superreiche in Asien kümmert, denkt der 55-jährige Konzernchef der Credit Suisse, Tidjane Thiam, an Fussball. Genauer: an seinen Lieblingsverein, den FC Arsenal aus dem Norden Londons. Thiam ist seit Jahren stolzer Besitzer einer Jahreskarte für die Heimspiele im Emirates-Stadion. Aber an einem Match war er seit 2011 nicht mehr.

Warum? Weil er in seiner Rolle als Top-Manager der CS und zuvor bei der britischen Versicherung Prudential keine Zeit für seine Leidenschaft hat? Weit gefehlt! Weil er mit Arsenals Kult-Trainer Arsène Wenger hadert. Seine Dauer-Absenz im Stadion nennt Thiam «stillen Protest».

«Ich bin ein paranoider Optimist»

An einer Veranstaltung der US-Zeitung «Wall Street Journal» in London wurde Thiam gefragt, wie das Online-Portal «Business Insider» berichtet, wie er aktuell die Lage der Weltwirtschaft einschätze. Seine Antwort: «Ich bin ein paranoider Optimist. Oder für Fussballbegeisterte formuliert: Ich bin der Anti-Wenger.»

Die Aussage schlug bei Arsenal ein wie eine Bombe. Dass ein prominenter Fan des Clubs den langjährigen Trainer so explizit angreift, hat Seltenheitswert. Der Franzose Wenger leitet Arsenal seit 1996 und gewann 1998, 2002 und 2004 die Meisterschaft in der Premier League. Seitdem jedoch hat Wenger keine nennenswerte Erfolge mehr vorzuweisen. Ob er nächste Saison Arsenal noch trainiert, steht in den Sternen.

Ginge es nach Thiam, würde Arsenal Wenger ersetzen. Denn: «Wenger glaubt daran, dass man Spiele mit unerfahrenen 19-Jährigen im Mittelfeld gewinnen kann. Ganz ohne Verteidigung und Sturm. Er ist ein reiner Optimist, ich ein paranoider Optimist.» Thiam erzählte an dem Londoner Event weiter, dass er Wenger bereits 2009 gesagt habe, dass er nie mehr die Premier League gewinnen werde. Wenger sei deswegen sehr wütend geworden. Aber: «Es ist 2018, also neun Jahre später. Aber meine Vorhersage ist noch immer richtig.»

Als Banker sichert sich Thiam gegen alles ab

«Die Prämisse des Fussballs ist es, mehr Tore zu schiessen als einzustecken», so Thiam weiter. Dafür brauche es eine gute Verteidigung und einen guten Sturm. Doch das sehe Wenger offenbar nicht ein. Für Thiam unverständlich: Selbst als Optimist müsse man sich gegen Eventualitäten absichern. Das sein im Fussball genau gleich wie im Banking, sagte Thiam.

Will heissen: «Ich habe ein sehr positives Bild der Weltwirtschaft», sagte Thiam. Sicher gebe es viele Probleme, in Syrien, Nordkorea, den Populismus in Europa. Doch das sei für ihn als Optimisten mit langfristiger Perspektive weniger entscheidend. Wichtig sei einzig:  «Man braucht auch als Optimist eine gute Verteidigung.»

Spannend zu sehen wäre nach dieser Kontroverse, wie sich Thiam als Fussball-Trainer und Wenger als CS-Boss schlagen würde.

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