Nach der zukunftsweisenden Megafusion Roche-Genentech stehen im Biotech- und Pharmabereich kleinere Übernahmen an. Verschiedene Unternehmen haben dabei ein Auge auf Basilea geworfen, die sich auf Infektionskrankheiten spezialisiert hat. Die Verzögerungen bei der Zulassung ihres Hauptprodukts, des Antibiotikums Zevtera, liessen den Aktienkurs so weit absacken, dass die Spezialistin für Infektionskrankheiten mittlerweile «zum attraktiven Übernahmeziel geworden ist», wie ZKB-Analyst Michael Nawrath sagt. Basilea aber will unabhängig bleiben. Möglichkeiten dazu gibt es. Sie kann Lizenzen für andere Wirkstoffe und für Regionen vergeben, in denen sie keinen eigenen Verkauf geplant hat. Aber: Im Aktionariat sind Finanzinvestoren vertreten - sie könnten einen Verkauf anstreben wollen.

Biotech-Branche hart getroffen

Die Biotech-Branche wird von der Finanzkrise hart getroffen. Einer Studie des Verbands Europäischer Biopharma-Unternehmen zufolge droht jeder fünften Firma deshalb 2009 das Aus. Umgekehrt sind finanziell gesunde Firmen mit einmaligen Kaufgelegenheiten konfrontiert. Die oft als Target genannte Actelion sieht Pictet-Biotech-Fondsmanager Michael Sjöström in diesem Sinne «eher als Käufer denn als Übernahmekandidat». Das Unternehmen aus Allschwil hat sich denn auch geschickt davor geschützt, geschluckt zu werden. Es hat bei der Vergabe von Produktelizenzen drei verschiedene, grosse Kooperationspartner gewählt. Solche Mehrfachverflechtungen schrecken potenzielle Käufer ab.

Zugleich sucht Actelion nach Möglichkeiten, die Abhängigkeit vom Erfolgsprodukt Tracleer zu vermindern, dem Mittel gegen eine seltene Art von Bluthochdruck in der Lungenarterie - und da kommt wieder Basilea ins Spiel. «Ein Kauf von Basilea würde durchaus Sinn machen», sagt Helvea-Analyst Olav Zilian. Das Interesse an Antibiotika verbindet die beiden Firmen, Basileas Onkologiebereich wäre eine gute Ergänzung. Auch die Grösse passt, habe Actelion doch die Mittel für einen Kauf in der Grössenordnung von 1,1 Mrd Fr.

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In der Medizinaltechnik sind Unternehmen wie der Hörgerätehersteller Sonova oder der Orthopädiekonzern Synthes durch starke Hauptaktionäre geschützt, doch kleine Spezialisten wie der Laborausrüster Tecan oder der Nischenanbieter Oridion gelten als attraktive Schnäppchen.

Am meisten von sich reden macht freilich der Dentalimplantatehersteller Nobel Biocare. Form- und kursmässig im Tief, ist der Marktleader längerfirstig gut positioniert und wäre für eine Johnson & Johnson, 3M oder Medtronic eine interessante Ergänzung - oder auch für einen Distributor wie Henry Schein, den grössten Distributor im Dentalbereich. Doch CEO Domenico Scala will von der Seite der Gejagten auf die Seite der Jäger wechseln und hat eine Kriegskasse mit 790 Mio Euro aufgebaut. In die Karten lässt er sich nicht blicken; meint aber, Kieferorthopädie oder -chirurgie seien «durchaus interessante Optionen».