Luca Benatti ist erfreut über die Tatsache, dass die Aktie von Newron ab dem 6. Mai in den SPI-Index der Schweizer Börse (SWX) aufgenommen wird. «Dies wird uns zusätzliche Investoren bringen», sagt er gegenüber der «Handelszeitung». «Gewisse institutionelle Investoren können ja aufgrund ihrer Statuten nur in Firmen investieren, die auch in bestimmten Indizes integriert sind.» Er bestätigt, dass er seit dem entsprechenden Beschluss der SWX am 23. April konkrete Signale von Investoren erhalten hat, die jetzt in Newron einsteigen möchten.

Bisherige könnten aussteigen

Dies wird auch die bisherigen Grossaktionäre HBM Bioventures (10,3%), 3i, NPI Services, NWB Investissements (je über 5%) freuen. «Da solche Venture-Capital-Gesellschaften ihre Investments in börsenkotierte Unternehmen mit der Zeit reduzieren möchten, ist die Aufnahme in den SPI sicher hilfreich», so Benatti. «Angesichts der niedrigen Aktienkurse, die alle Biotechunternehmen momentan verzeichnen, wird zurzeit allerdings wohl nicht der ideale Zeitpunkt für solche Verkäufe sein», fügt er schmunzelnd hinzu.

Tatsächlich: Beim Börsengang im Sommer 2007 gingen die Newron-Aktien zum Preis von rund 60 Fr. in den Handel. Der bisherige Höchststand wurde im August 2007 beim Stand von über 80 Fr. erreicht; seither sackte der Kurs auf zuletzt 30 Fr. ab. Zum Vergleich: Die Bank Vontobel etwa hat ein Preisziel von 82 Fr.

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Luca Benatti sieht angesichts dieser tiefen Bewertung aber keine Gefahr, dass Newron billig von einem grossen Pharmakonzern übernommen wird: «Dieses Risiko schätze ich für Newron nicht so hoch ein. Die Gefahr ist viel grösser für diejenigen Biotechunternehmen, die bald zusätzliches Geld benötigen. Und das ist bei uns ja nicht der Fall», sagt der CEO. Laut dem aktuellen Budget sei Newron bis 2010 finanziert. Im Vordergrund steht laut Benatti momentan eher das Füllen der Pipeline ? auch mit Zukäufen. In den USA und anderen wichtigen Pharmamärkten laufen ausserdem Abklärungen, ob Newron dort ein eigenes Marketing- und Verkaufsteam aufbauen soll. Zu den aktuell 50 Newron-Mitarbeitenden kämen dann mindestens weitere 50 hinzu. Auch das Verbindungsbüro in Basel mit aktuell fünf Mitarbeitern soll ausgebaut werden. Wie viele Stellen am Rheinknie geschaffen werden sollen, wollte Benatti aber trotz mehrmaliger Nachfrage nicht sagen.

Wer erhält den Zuschlag?

Im 2. Halbjahr will er zudem die entscheidenden Studien zum Schmerzmittel Ralfinamide starten (siehe «Nachgefragt» rechts). Gleichzeitig ist die Suche nach möglichen Partnern angelaufen. Als «heisse» Kandidaten dafür gel-ten zum Beispiel die Pharmafirmen Pfizer, Eli Lilly, Merck, Glaxo-SmithKline, Johnson & Johnson oder Abbott.

 
NACHGEFRAGT

luca benatti, «Sind wohl auf Partner angewiesen»

Der CEO des italienischen Biotechunternehmens Newron über die Suche nach einem Partner für sein potenzielles Schmerzmittel Ralfinamide.

Können Sie beim Newron-Produktkandidaten Ralfinamide gegen Schmerzen die letzten Studien immer noch 2008 starten?

Luca Benatti: Das ist immer noch der Fall, wir wollen im 2. Halbjahr damit starten. Es ist aber noch nicht klar, ob dies alleine oder gemeinsam mit einem Partner geschehen wird.

Bis wann wollen Sie entscheiden? Ursprünglich sollte diese Entscheidung im laufenden Jahr gefällt werden ...

Benatti: ... Wir sind nicht in Eile. Wir hätten auch genügend Geld, um diese Studien alleine zu finanzieren. Wir sind aber aller Voraussicht nach auf eine Marketing- und Vertriebspartnerschaft angewiesen.

Nach was für einem Partner suchen Sie?

Benatti: Entscheidend ist nicht das Geld, sondern die Kenntnisse im Bereich der neuropathischen Schmerzen. Und die Priorität, die Ralfinamide innerhalb der gesamten Pipeline des betreffenden Partners hätte. Zudem würden wir wohl auf eine Ko-Promotions-Vereinbarung für grössere Märkte Wert legen.

Laufen bereits Gespräche?

Benatti: Es gab erste Gespräche.

Wurde Ihnen dabei bereits ein konkreter Vertrag offeriert?

Benatti: Das kann ich nicht kommentieren.

War auch Ihr bisheriger Kooperationspartner Merck Serono darunter?

Benatti: Merck Serono hat, wie jede andere grössere Pharmafirma, die Chance, Ralfinamide genauer anzuschauen. Im Vertrag mit Merck Serono zu unserem Produktkandidaten Safinamide sind aber keine Vorverkaufsrechte oder Ähnliches bezüglich Ralfinamide enthalten.

Laut Analysten könnte das Produkt ab 2012 auf dem Markt sein und einen Jahresumsatz von 800 Mio Euro erzielen. Wo soll es zuerst auf den Markt kommen?

Benatti: In Europa und den USA.