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Todespilot war offenbar schwer psychisch krank

Trauer in Le Vernet: Angehörige und Helfer gedenken den Opfern.   Keystone

Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hatte laut Medienberichten schwerwiegende psychische Probleme. Ermittler sollen entsprechende Medikamente in seiner Wohnung gefunden haben.

Veröffentlicht am 28.03.2015

Der Todespilot der Germanwings-Maschine ist Medienberichten zufolge psychisch schwer krank gewesen und fürchtete um seine berufliche Zukunft. Der 27-Jährige sei von mehreren Neurologen und Psychiatern behandelt worden, berichtete die Zeitung «Welt am Sonntag» vorab unter Berufung auf einen hochrangigen Fahnder.

Andreas L. sei schwer depressiv gewesen und habe an einem «starken subjektiven Überlastungssyndrom» gelitten. Polizei und Staatsanwaltschaft in Düsseldorf lehnten jede Stellungnahme dazu ab. Die Untersuchungen konzentrieren sich nach Angaben des französischen Ermittlungsleiters weiter auf den Piloten. Allerdings werde auch ein technischer Defekt nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sagte Jean-Piere Michel im französischen Fernsehen.

Lufthansa schaltet Traueranzeigen in Zeitungen

Für die 150 Opfer des Absturzes vom vergangenen Dienstag soll es am 17. April eine Trauerfeier im Kölner Dom geben. Neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel werden auch Repräsentanten aus Spanien, Frankreich und weiteren betroffenen Ländern erwartet, sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Landesregierung.

Auch den Bürgern soll eine Teilnahme ermöglicht werden. Die Lufthansa brachte ihre Anteilnahme in ganzseitigen Traueranzeigen in grossen überregionalen Zeitungen in Deutschland und Frankreich zum Ausdruck. «Der unfassbare Verlust von 150 Menschenleben erfüllt uns mit tiefster Trauer», heisst es in der von Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Germanwings-Chef Thomas Winkelmann unterzeichneten Anzeige.

Medikamente sichergestellt

Nach Erkenntnissen der französischen Staatsanwaltschaft hatte der 27-jährige Copilot die Unglücksmaschine absichtlich zum Absturz gebracht, als der Flugkapitän das Cockpit verlassen hatte. In den französischen Alpen gingen am Samstag die Bergungsarbeiten weiter. Der Flugschreiber, dessen Daten Aufschluss über den technischen Zustand der Maschine geben können, wurde noch nicht gefunden.

Bei der Durchsuchung der Düsseldorfer Wohnung von Andreas L. wurden nach dem Bericht der «Welt am Sonntag» Medikamente zur Behandlung einer psychischen Erkrankung sichergestellt. Aus persönlichen Aufzeichnungen des jungen Mannes gehe seine depressive Erkrankung hervor, zitierte die Zeitung Ermittler. Der Co-Pilot der verunglückten Maschinen sei vom 19. bis zum 26. März krankgeschrieben gewesen, habe die ärztliche Bescheinigung aber nicht bei seinem Arbeitgeber eingereicht.

Weder die Düsseldorfer Polizei noch die Staatsanwaltschaft wollte sich am Samstag zu den Presseberichten äussern. Vor Montag sei nicht mit Erklärungen der Ermittlungsbehörden zu rechnen, sagten deren Sprecher.

Co-Pilot hat offenbar Absturzgebiet gekannt

Der Co-Pilot soll ausserdem die Unglücksregion in den Alpen seit seiner Jugendzeit gekannt haben. Er und seine Eltern seien dort mit ihrem Segelflugverein aus Montabaur hingereist, sagte Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron der Deutschen Presse-Agentur in Paris.

Er bekräftigte damit am Samstag Angaben, die er vorher dem französischen Sender iTele gemacht hatte. Sisteron liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle in den südostfranzösischen Alpen. «Zwischen 1996 und 2003 ist der Club aus Montabaur regelmässig hierhergekommen», sagt Kefer in dem Fernsehbericht. Auch der spätere Co-Pilot sei damals mit seinen Eltern dabei gewesen.

Flugverein in Seyne-les-Alpes hat keine Kenntnisse

Kefer schränkte auf Nachfrage der dpa aber ein, nicht aus erster Hand über die Aufenthalte informiert zu sein, da er erst seit einigen Jahren in Sisteron arbeite. Die Aufenthalte der Familie seien im Club aber allgemein bekannt.

Der Flugverein von Seyne-les-Alpes nahe des Katastrophenortes wiederum hat keine Hinweise auf einen früheren Aufenthalt der Familie des Copiloten. «Wir haben dazu nichts gefunden», sagte ein Verantwortlicher, der namentlich ungenannt bleiben wollte, der dpa.

(sda/reuters/dbe)

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