Aufgrund der angespannten Wirtschaftslage und der dadurch eher zurückhaltenden Kauflust der Kunden standen in den vergangenen Jahren zahlreiche Motorradhersteller auf der Bremse - zumindest was die Lancierung neuer Modelle betrifft. Wie die Swiss-Moto in Zürich Mitte Februar deutlich zeigte, drehen jedoch jetzt insbesondere die europäischen Marken wieder kräftig am Gasgriff. Interessante Neuheiten gibts ausnahmslos in allen Segmenten. Die attraktivsten der verschiedenen Gattungen stellen wir nachfolgend vor.

Zukunftsweisende Tourer von BMW

Als einer der wenigen Hersteller hat BMW selbst in den jüngsten Krisenjahren die Entwicklungsarbeiten in verschiedenen Bereichen ohne Unterbruch mit Hochdruck weitergeführt. Nach über sechsjährigem Engagement lancieren die Weiss-Blauen mit den Modellen K 1600 GT und K 1600 GTL ihre ersten Tourer mit Sechszylinder-Motor. Herzstück ist ein äusserst kompakter, quer zur Fahrrichtung eingebauter Reihensechser mit 160 PS Spitzenleistung und beachtlichen 175 Newtonmeter Drehmoment. Drei wählbare Fahrmodi (Regen, Strasse, Dynamik) optimieren die Leistungscharakteristik des Motors den Einsatzbedingungen und Präferenzen des Fahrers entsprechend. Dazu gibt es Antihopping-Kupplung, Traktionskontrolle und Paraleverschwinge mit integriertem Kardan. Eine Schaltautomatik ist indes bisher nicht vorgesehen.

Dafür gibts Integral-ABS, Xenon-Scheinwerfer und als Weltneuheit ein adaptives Kurvenlicht, das Nickbewegungen und Schräglagen des Motorrades ausgleicht. Die Hell-Dunkel-Grenze verläuft somit permanent waagerecht zur Fahrbahn. Einzigartig ist auch das neue Bedienkonzept des Bordcomputers mit einfach steuerbarem Multicontroler. Nebst den erwähnten Features gehören eine per Knopfdruck höhenverstellbare Windschutzscheibe, Seitenkoffer, Griff- und Sitzheizung sowie Bordcomputer und Tempomat zur Serienausstattung. Die neue K 1600 GT kommt als dynamischer Tourer - die K 1600 GTL mit entsprechend geänderter Sitzposition erfüllt dagegen höchste Komfortansprüche. Grosses Topcase mit Rückenlehne, ein hochwertiges Audiosystem sowie edle Designelemente runden die exklusive Serienausstattung dieses Luxuryliners ab.

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Hondas bequemer Allrounder

Die zunehmend älter werdende Töff-Klientel bevorzugt mehrheitlich drehmomentstarke Bikes mit bequemer, aufrechter Sitzposition. Exakt diese Eigenschaften beinhaltet das Konzept der neuen Honda VFR 800 X Crossrunner. Die komplett neu gestaltete Verschalung mit kurzem Schnabel und flachem Heck wirkt sportlich und erfrischend anders. Aufgrund der ausgefeilten Aerodynamik soll sie zudem guten Wind- und Wetterschutz gewährleisten. Unter dem attraktiven Kleid steckt die bewährte Technik des Sporttourers VFR 800. Der 102 PS starke V4-Motor gibt sich kraftvoll, laufruhig, lässig und charakterstark. 165 Millimeter Federweg vorne und 145 Millimeter hinten verheissen eine eher komfortorientierte Fahrwerkabstimmung. Im Zusammenspiel mit der gut gepolsterten und tief positionierten Sitzbank sowie dem hochgezogenen Lenker dürfte daraus eine bequeme und dennoch dynamische Fahrcharakteristik resultieren.

Dreizylinder-Enduros von Triumph

Ebenfalls Vielfahrer und reisefreudige Motorradfahrer hat Triumph im Visier, dies mit der neuen Tiger 800 respektive 800 XC. Letztere fällt durch den vorderen Kotschutz im Entenschnabel-Design auf und ist mit einem 21 Zoll grossen Drahtspeichen-Vorderrad ausgerüstet. Mit entsprechenden Stollenreifen ist sie selbst für Fahrten abseits asphaltierter Strassen bestens geeignet. Die XC bietet zudem satte 220 Millimeter Federweg, 40 Millimeter mehr als ihre Schwester. Als Antrieb kommt ein drehmomentstarker Reihendreizylinder mit 799 Kubikzentimeter Hubraum und 95 PS zum Einsatz.

Wie der Motor ist auch der Rahmen bei beiden Modellen identisch. Unterschiedliche Radgrössen und Aufhängungen beeinflussen jedoch nebst Sitzhöhe und Radstand auch die Fahrcharakteristik. Die Sitzposition auf der Tiger 800 ist bequem. Auf der XC ist sie jedoch noch entspannter - zumindest für Grossgewachsene. Der auf 885 um 35 Millimeter höhere Fahrersitz bewirkt geringere Kniewinkel, der Enduro-typisch breitere Lenker eine aufrechtere Haltung mit breiterer Armstellung. Schnell gefahrene Kurven mit Spurrinnen meistert die XC nahezu so souverän wie ihre straffer abgestimmte Schwester. Noch stärker überzeugt sie auf drittklassigen Strassen mit schlechtem Belag und Unebenheiten. Gross dimensionierte und gut dosierbare Bremsen mit ABS gewährleisten bei beiden Modellvarianten ein hohes Mass an Sicherheit.

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Kleiner H-D Cruiser ganz gross

Die wievielte Interpretation des Themas Sportster die neue Harley-Davidson Super Low tatsächlich ist, kann nicht schlüssig nachvollzogen werden. Tatsache ist: Das kleinste und derzeit preiswerteste Motorrad der legendären US-Marke macht nahezu gleichermassen viel Spass wie die teilweise um ein Mehrfaches teureren Schwestermodelle. Im Gegensatz zu früheren Modell-Updates beschränkt sich Harley-Davidson nicht auf geringfügige Modellüberarbeitungen, sondern spendiert der Super Low eine komplett neue Rahmengeometrie mit entsprechenden Radaufhängungen und Federwegen sowie schicke Leichtmetallräder. Dazu kommen eine neue, straff gepolsterte Solo-Sitzkuhle, ein angenehm gekröpfter und höher positionierter Lenker und nicht zuletzt ein grosser 17,5-Liter-Tank. Unverändert bleibt das Herzstück, der 53 PS starke 45-Grad-V2-Motor, doch das ist gut so. Das kraftvoll-sonore Ballern im Standgas, das die Rückspiegel effektvoll vibrieren lässt, hat das luftgekühlte 883-Kubikzentimeter-Aggregat nahezu genau so gut drauf wie die grossen Twin-Cam-Motoren.

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F3-Supersportler von MV Agusta

Die wahrscheinlich aufsehenerregendste Neuheit im Segment der reinrassigen Sportbikes kommt heuer aus Italien - allerdings voraussichtlich erst im Herbst. Auf den ersten Blick sieht die neue MV Agusta F3 ihrer grossen Schwester F4 zum Verwechseln ähnlich. An der filigranen, dreistöckigen Auspuffanlage, deren kurze Endrohre sich wie Orgelpfeifen an die rechte Fahrzeugseite schmiegen, ist sie jedoch leicht zu identifizieren. Wie zuvor Triumph mit der Daytona 675 ist nun also auch MV Agusta überzeugt, dass ein Dreizylinder-Motor der ideale Antrieb für ein Mittelklasse-Sportmotorrad ist. Das rundum neue Aggregat soll das kompakteste Triebwerk dieser Kategorie sein. Die Kurbelwelle dreht entgegen der Fahrtrichtung. Über die Leistung macht MV derzeit offiziell noch keine Angaben. Sie dürfte jedoch bei rund 135 PS liegen. Interessant und eine Novität für MV sind die elektronische Gassteuerung mit Ride-by-Wire sowie die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Mappings zu wählen. Ein echtes Highlight in dieser Klasse ist zudem die Traktionskontrolle, die beim Angasen Vertrauen schafft und dadurch mehr Sicherheit bietet. Laut MV Agusta soll die neue F3 so leicht und handlich zu fahren sein wie eine 125er.

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