Frau Schmiel, klingt die Tonhalle Maag so gut wie die echte? 

Die Akustik in der echten ist einzigartig. Unser Ziel für die 
Interimsspielstätte war es, akustisch das Beste herauszuholen. 
Das ist uns gelungen. Der Saal klingt sogar besser als erwartet.

Die Skepsis scheint dennoch gross. Sie haben 20 Prozent weniger Abos verkauft.
Wir haben mit 25 Prozent weniger gerechnet, also weniger verloren als kalkuliert.

Wie bitte? Das werten Sie als Erfolg?
Ich bin eine Optimistin, 
für mich ist das Glas immer mindestens halb voll. Ich sage denn auch nicht, wir hätten 20 Prozent verloren, sondern 80 Prozent ­gewonnen.

Aber die 20 Prozent wollen Sie wieder gutmachen, oder?
Das werden wir. 
Es sind viele Leute hierhergezogen, und wir sind nah bei Firmen wie EY und Google – einer Klientel, die bisher nicht zu unserem Stammpublikum am See gehörte.

Wie holen Sie diese in die Tonhalle?
Inspiriert von der neuen Umgebung, haben wir unter anderem neue ­Programme aufgelegt. Zum Beispiel das Abo Visual & Staged, bei dem wir klassische Musik mit visuellen Ansätzen verbinden. Oder unser Einsteiger-Abo mit fünf unterschiedlichen ­Konzerten und Formaten, um unser Spektrum kennen zu lernen.

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Wie sind die Musiker drauf im ­Orchester?
Die finden es super. Kürzlich führte ich jemanden auf dem Areal ­herum. Er sagte: «It’s like a start-up.» Das trifft es gut.

Was ist, wie es immer war?
Unsere hohen Ansprüche. Die grossen Namen, die wir für die nächste ­Saison angefragt haben, haben denn auch ausnahmslos zugesagt.

Der Umbau hat zehn Millionen Franken gekostet. Ganz schön viel.
Aus meiner Perspektive sind zehn Millionen Franken wenig für das, was hier entstanden ist, im internationalen Vergleich sogar sehr wenig.

Wer bezahlt?
1,6 Millionen erhalten wir von der öffentlichen Hand. Für den Rest sind wir auf Unterstützer angewiesen.

Sie weibeln bei Google?
Jein. Wir weibeln für Unterstützung, aber nicht bei Google, da haben wir andere Projekte vor. Aber noch ist nichts spruchreif.

* Ilona Schmiel ist seit 2014 ­Intendantin des Tonhalle-­Orchesters. Dieses spielt ­während der Sanierungszeit 
der Tonhalle drei Jahre 
lang im Provisorium im 
Zürcher Maag-Areal.