Die UBS werde «für einige Jahre» keine Dividenden ausschütten, sagte UBS-Finanzchef John Cryan, als die Schweizer Expertenkommission ihre «Too big to fail»-Kapitalvorschriften (TBTF) bekannt gab. Nichts sagte der Engländer zu den Boni. Die Rechnung sollen demnach allein die Eigentümer bezahlen. Diese beläuft sich bei der UBS auf 15 Mrd Fr. für frisches Kernkapital und 36 Mrd Fr. für neuartige Zwangs-Wandelobligationen, sogenannte Cocos. Die Credit Suisse (CS) muss ähnlich viel Neukapital aufbauen. Von Boni-Kürzungen war auch bei ihr nicht die Rede. Hingegen war sie zuversichtlich, dass «weder bei den Wachstumsplänen noch bei der Dividendenpolitik substanziell Änderungen» nötig sind.

Dass allein der Aktionär bluten soll, stösst Investoren und Experten sauer auf. Es sei «höchste Zeit, dass nicht nur der Aktionär zur Kasse gebeten werde, sondern auch das Management», meint Antoinette Hunziker-Ebneter, CEO und Gründungspartnerin der Forma Futura Invest, die auf nachhaltige Finanzanlagen spezialisiert ist. «Es geht nicht an, dass immer weiter Boni fliessen für Risiken, für die letztlich faktisch der Steuerzahler haftet», begründet die Ex-Julius-Bär-Managerin. Der Zürcher Bankenprofessor Urs Birchler bezifferte im Sommer für die Sozialdemokratische Partei (SP) die Staatsgarantie für die UBS und die CS auf jährlich 4 bis 5 Mrd Fr., etwa gleich viel, wie die Landwirtschaft an Subventionen erhält.

Hoher Lohn - mässige Leistung

Die Grossbanken haben es verpasst aufzuzeigen, was das Land dafür bekommt. Zwar verweisen UBS- und CS-Manager gerne auf hohe geleistete Steuern. Eine Auflistung aller Leistungen als Quasi-Entschädigung für die erhaltene Staatsgarantie fehlt jedoch.

Nach der Krise sind die Fixlöhne und Boni bei der UBS in den ersten sechs Monaten 2010 von 6,3 auf 7,5 Mrd Fr. gestiegen, ein Plus von 19%. Vor allem die Entschädigungen im Investment Banking sind hochgeschnellt. Bei der CS reduzierte sich die Kompensation um 17% auf 6,5 Mrd Fr., weil der Handel weniger Gewinne erzielte.

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Den Initianten der «Abzocker»-Initiative, Thomas Minder, stört das Missverhältnis zwischen Leistung und Lohn. «Die Grossbanken hielten die Manager-Entschädigungen selbst dann hoch, als sie tief in die Verlustzone gerieten», sagt der Schaffhauser Unternehmer. Umso wichtiger wäre ein Beitrag des Managements an die neuen Kapitalpuffer durch Boni-Kürzungen. «Die Balance zwischen den Aktionären als Eigentümern und den Managern als oberste Angestellte muss ins Lot kommen», so Minder.

Kleinaktionäre doppelt bestraft

«Die Opfersymmetrie fehlt», sagt auch der Zürcher Aktionärsvertreter Hans-Jacob Heitz, der eine Klage gegen die Verantwortlichen des UBS-Crashes prüft. «Der Dumme ist der Kleinaktionär, und zwar gleich doppelt: Die Kapitalrückzahlungen der ‹fetten› Jahre brachten ihm nichts, und weil er meistens auch Kunde ist, finanziert er den Wiederaufbau mit.»

Kein Problem mit der einseitigen Lastenverteilung hat Roby Tschopp, Geschäftsführer der Aktionärsvertreterin Actares. Too big to fail sei ein Systemproblem, das zu Recht durch die Eigentümer gelöst werde, und zwar unabhängig von den überrissenen Boni.

Die EU prüft, die Spitzenbanker durch Boni in Form von Cocos in die Pflicht zu nehmen. Sprecher der beiden Grossbanken wollten sich nicht dazu äussern, da das Coco-Instrument noch zu unbekannt sei. Ebenfalls vorwärts macht Brüssel mit Boni-Regeln. Ab 2011 soll nur noch ein Viertel sofort und in bar erfolgen, der Rest würde teilweise über fünf Jahre lang gesperrt. Die heutigen CS- und UBS-Regeln gehen weniger weit.