Wir haben gegenüber dem Vorjahr einiges verändert», erklärt Erik Nagel, Leiter des berufsbegleitenden zweijährigen Executive-MBA-Programms der Hochschule Luzern Wirtschaft. Dank einer stärkeren Partnerschaft mit Firmen aus der Region müssten die Studierenden des neusten Kurses weniger Trockenübungen durchspielen, sondern könnten vor allem konkrete Beratungsfälle bearbeiten. Dieser Praxisbezug wird von den Absolvierenden offenbar geschätzt. «Sie sind bei realen Beispielen viel motivierter, während bei erfundenen das Interesse in der Regel ziemlich schnell erlahmt», beobachtet Nagel.

Stets grösseren Wert legten die Studierenden auf einen globalen Blickwinkel, lässt er weiter durchblicken. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat die Hochschule Luzern Wirtschaft interkulturelles Management und Studienreisen in die USA ins Pogramm eingebaut. Auf besonderes Interesse stösst bei den angehenden Managern die Auseinandersetzung mit der eigenen Führungsrolle.

Nachdiplom in MBA gewandelt

Er spricht von einer «verschärften Konkurrenzsituation» auf dem Markt mit einigen neuen Anbietern, womit er natürlich auch die eigene Schule meint. Denn im Sog der Bologna-Reform haben die Schweizer Fachhochschulen ihre traditionellen Nachdiplomstudien in Betriebswirtschaft umgewandelt und sind damit auf den angloamerikanischen MBA-Zug aufgesprungen.Ein Beweis, dass der Wandel in Kürze gelungen ist, sind in Luzern die vielen hochqualifizierten Studierenden mit einem Universitäts- oder ETH-Abschluss in der Tasche. Dass im gegenwärtigen MBA-Kurs ein Drittel der Leute aus der IT-Branche stammt, ist laut Nagel allenfalls blosser Zufall. Ein klarer Trend scheint hingegen die wachsende Zahl von weiblichen Studierenden zu sein. Deren Anteil liegt in Luzern bereits bei über 30%. Noch wenig international zusammengesetzt ist hingegen die Kursklasse: Bis auf ein paar Deutsche sind es ausschliesslich Schweizer, die in Luzern einen Executive MBA absolvieren.Das ist an der privaten IMD in Lausanne (siehe Seite 74), die weltweit zu den renommiertesten und teuersten Adressen gehört, völlig anders: Die 90 Absolvierenden des MBA stammen aus 40 Ländern, die 64 des Executive MBA aus 28 Ländern. Letztere repräsentieren 20 Muttersprachen und 26 Branchen. Sie haben bereits internationale Berufserfahrung und beherrschen im Schnitt drei oder vier verschiedene Sprachen. Ein Kennzeichen des berufsbegleitenden MBA in Lausanne ist es, dass viele Programmpunkte in rollender Planung auf die Bedürfnisse der jeweiligen Klassen abgestimmt werden. IMD-Sprecher Alessandro Sofia will deshalb nicht von grundsätzlichen Neuerungen oder Trends reden.

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Expedition ins globale Business

Trotzdem sehen die thematischen Schwerpunkte, die in den letzten Jahren an Profil gewonnen haben, in Lausanne nicht viel anders aus als in Luzern. Auch am IMD sind Leadership und Praxisorientierung wichtige Stichworte. Bezüglich Internationalisierung beschränkt sich das IMD nicht auf eine Auslandreise, sondern führt gleich mehrere als «Entdeckungsexpeditionen» bezeichnete Ausflüge in die verschiedensten Weltregionen durch. «Wir schätzen, dass ein Studierender allein auf diesen Reisen mit über 900 Führungskräften in Kontakt kommt», so Sofia. Beiläufig ergibt sich automatisch ein erwünschter Nebeneffekt: Die Studierenden können ihr Netzwerk weltweit erweitern.Beim Executive-MBA-Programm in Financial Services and Insurance (MBA-FSI) am Institut für Versicherungswirtschaft der Uni St. Gallen ist die branchenmässige Herkunft der Absolvierenden mehr oder weniger vorgegeben: Die meisten haben bereits eine erfolgreiche Karriere bei einer Bank oder einer Versicherung gemacht, und fast alle verfügen über akademischen Background. «Wegen der strengen Fokussierung auf Finanzdienstleistungen haben wir kaum direkte Konkurrenten», betont der fürs MBA-FSI-Angebot verantwortliche Martin Hepenstrick. Trotzdem muss sich auch St. Gallen streng nach den Bedürfnissen des Marktes ausrichten, denn indirekte Mitbewerber sind alle generalistisch ausgerichteten MBA-Schulen.

Die amerikanische Perspektive

Also hat man in St. Gallen ebenfalls die internationale Fokussierung ausgeweitet. Statt mit der holländischen Universität Nyenrode kooperiert das Institut neuerdings mit einem kanadischen Partner, der HEC Montréal (siehe Seiten 74 und 75). «Mit diesem neuen Standbein können wir die amerikanische Perspektive samt entsprechendem Lehrstil ins Zentrum rücken», hebt Hepenstrick hervor.Mit Blick auf die Rekrutierung der Studierenden, die in diesem Fall vor allem aus europäischen und südamerikanischen Ländern kommen, ist dies ein wichtiges Argument. Gerade die jüngeren Absolvierenden versuchen nach dem MBA den nächsten Karriereschritt oft im angloamerikanischen Business zu landen, während die älteren Absolvierenden tendenziell ihren bisherigen Arbeitgebern treu bleiben. Über das eigentliche MBA-Programm hinaus erwarten aber alle Studierenden ? weiterer Trend ? Aktivitäten und Networ-king-Angebote der Alumni-Organisation.Eine organisatorische Neuerung gibt es an der Universität Zürich: Das Executive MBA ist von zwei Jahren auf 18 Monate verkürzt worden, wobei das Programm jetzt konsequent auf Dreitagesmodule verteilt wird. Mit diesem Schritt reagiert Zürich auf das Bedürfnis vieler MBA-Interessenten nach einem möglichst kompakt und schnell zu absolvierenden berufsbegleitenden Angebot. Wie alle anderen reiht sich Zürich inhaltlich in den Trend zur Internationalisierung ein, indem neben Aufenthalten in den USA (Yale) und China (Fudan) neuerdings auch eine Visite in Indien ins Programm aufgenommen worden ist.

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nachgefragt

«Manager sollten einen weiten Horizont haben»

Michel Fischer, Geschäftsführer des Executive MBA der Universität Zürich, ist überzeugt, dass sich der MBA-Bildungsmarkt in den nächsten Jahren konsolidieren wird. Durchsetzen würden sich Anbieter mit hoher Reputation und mit Akzeptanz in der Wirtschaft.

Mit dem Schwerpunkt «Intercultural Management» setzt auch das EMBA der Universität Zürich auf die Internationalisierung. Ist das mehr als ein blosser Modetrend?

Michel Fischer: Bedeutend mehr. Die Internationalisierung oder Globalisierung der Wirtschaft ist eine Tatsache. Sie führt zu neuen Herausforderungen, die zusätzliches Wissen verlangen. Es geht dabei auch um das Verständnis verschiedener Kulturen sowie unterschiedlicher politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen. Das alles ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Manager in einem internationalen Umfeld erfolgreiche Arbeit leisten können.

Wesentlich zum guten Ruf einer MBA-Schule tragen renommierte Dozierende bei. Können Sie in diesem Punkt international mithalten?

Fischer: Wir arbeiten seit vielen Jahren mit Dozierenden der Insead zusammen. Und über die Kooperation mit Yale und Fudan können wir auf weitere Lehrpersönlichkeiten zählen, die in ihren Ländern eng mit der Wirtschaft und Politik in Verbindung stehen. Ein Beispiel ist Paul Braken in Yale, der als ehemaliger Berater von Bill Clinton über ein riesiges Wissen verfügt.