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Betrug
Topbanker gefeuert – weil er jahrelang schwarz fuhr

Zugstation in London: Schwarzfahrer Burrows muss 66'000 Franken zahlen.   Bloomberg

Fünf Jahre lang bezahlte Jonathan Burrows seine Zugfahrten von Sussex nach London nicht. Nun gilt der reiche Assetmanager als grösster Schwarzfahrer überhaupt – und ist seinen Job bei Blackrock los.

Veröffentlicht am 07.08.2014

Das Bild des gierigen Bankers wurde in der Finanzkrise zu Genüge strapaziert. Für neuen Unmut in der britischen Bevölkerung sorgt nun Jonathan Burrows. Fünf Jahre lang zahlte der 44-Jährige viel zu wenig für seine täglichen Fahrten in die Londoner City und zurück – insgesamt umging er in dieser Zeit Zugkosten von umgerechnet fast 66'000 Franken, wie die britische Zeitung «Daily Mail» berichtet.

Statt umgerechnet knapp 33 Franken löhnte der Millionär für sein tägliches Ticket nur elf Franken. Demnach kaufte er nie eine Fahrkarte für die gesamte Strecke von seinem Wohnort im südenglischen Sussex in die Londoner City, sondern bezahlte lediglich für ein kleines Teilstück am Ende seiner Route.

Schwarzfahrer besitzt zwei Landhäuser 

Auf der Insel schlägt der Vorfall in diesen Tagen hohe Wellen. Die Rede ist vom grössten Schwarzfahrer aller Zeiten. Und Burrows war bis zu dem Vorfall ein erfolgreicher Investmentbanker, der laut Medien täglich mit Summen in dreistelliger Millionenhöhe jonglierte. Er selbst ist ebenfalls vermögend und besitzt offenbar zwei hypothekenfreie Landhäuser im Wert von umgerechnet über 6 Millionen Franken.

Auf ein stattliches Jahressalär von rund 1,5 Millionen Franken muss er vorerst verzichten. Denn inzwischen ist der Banker von seinem Job frei gestellt. Das teilte sein ehemaliger Arbeitgeber, das weltgrösste Investmenthaus Blackrock, mit.

Doch wie kamen die Behörden dem dreisten Schwarzfahrer auf die Schliche? Zunächst stellten Kontrolleure im vergangenen November fest, dass Burrows keinen Fahrschein besass. Weitere Ermittlungen ergaben, dass er 2008 seine Saisonkarte für die ganze Strecke kündigte, aber dennoch regelmässig mit dem Elf-Franken-Ticket in die City fuhr. Die daraufhin geforderte Strafe von rund 66'000 Franken zahlte Burrows im April anstandslos – vermutlich aus Angst, sein Fall könne für Schlagzeilen sorgen. Der Bahnlinie Southeastern sagte er, sein Name solle geheim bleiben.

Burrows arbeitet nicht mehr für Blackrock

Wegen erster Medienberichte begannen die Behörden im April jedoch zu ermitteln. Die Londoner Finanzaufsicht FCA startete eine Untersuchung, weil sie ungebührliches Verhalten bei dem Manager vermutete. So wurde der Name von Burrows nun publik – und der Topbanker seinen Job los.

(moh)

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