Vor zwei Jahren mussten die börsenkotierten Gesellschaften erstmals die Gesamtbezüge der Konzernleitungen offen legen. Ein Blick in die Geschäftsberichte für 2003 zeigt nun: Die Topkader in den gewichtigsten Schweizer Unternehmen haben ihre Löhne durchschnittlich um 15% auf 1,4 Mio Fr. aufgebessert. Im Vergleich zu den Saläranpassungen bei den übrigen Mitarbeitern, die sich im tiefen einstelligen Prozentbereich bewegten, kommt das einem Quantensprung gleich. Speziell die Grossbanken, ebenso wie einzelne Versicherungen und Industriebetriebe, haben das Durchschnittsgehalt kräftig angehoben.
Spitzenreiter ist die Swiss Life, mit einer knappen Vervierfachung des Gehalts. Immerhin ist es dem zuvor verlustgeplagten Lebensversicherer gelungen, sich wieder in die Gewinnzone vorzuarbeiten. Gleiches gilt für die CS Group, bei der ein Konzernleitungsmitglied mit über 60% mehr entschädigt wurde. Deutliche Einkommenssteigerungen, allerdings auf einem niedrigeren Niveau, gab es auch in der Industrie. Bei Saurer hat sich der Verdienst fast verdoppelt, und bei Sulzer stieg die Vergütung um rund 50%.
*Banken an der Spitze*
Die Finanzdienstleister stehen bei den Toplöhnen gemeinsam mit den Pharmafirmen an der Spitze. Es gibt bei den Banken jedoch auch Ausschläge nach unten. Die Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel haben den Durchschnittsverdienst ihrer obersten Kader um 21% respektive 38% gekürzt. Niedrigere Kommissionseinnahmen im Gefolge der Börsenbaisse sorgten für verminderte variable Lohnanteile. Die beiden Zürcher Geldinstitute zählen damit zu jenem Fünftel unter den grössten Schweizer Firmen, die ihre Entschädigungen für das oberste Management zurückgenommen haben. Wegen den gedrückten Ertragszahlen mussten sich etwa die Topmanager von SIG, Lonza und Clariant mit weniger bescheiden. Beim Rückversicherer Swiss Re hat sich das Durchschnittsgehalt um einen knappen Viertel reduziert, während es beim Nahrungsmittelkonzern Nestlé 10% weniger waren.
Wie im Vorjahr beziehen die Manager von 18 ausgewerteten Unternehmen ein Millionengehalt. Unterhalb der Millionengrenze finden sich vor allem Industrie- und Technologiefirmen. Einzig bei ABB und Schindler wurden die Führungskräfte mit einem siebenstelligen Betrag entschädigt. Nachdem der schweizerisch-schwedische Elek-trokonzern die Gewinnschwelle erreichte, drückte dies die Löhne in der Konzernleitung um über 50% nach oben. Anders beim Luzerner Liftbauer: Verwaltungsratspräsident Alfred N. Schindler, der über ein Aktienpaket der Familien die Mehrheit hält, sorgte im Aufsichtsgremium für eine Mässigung beim Saläranstieg (+1,5%).
Die Rolle der Entschädigungsausschüsse im Verwaltungsrat ist vorderhand noch wenig transparent. Oft müssen Aufsichtsmitglieder über Saläre von Geschäftsleitungsmitgliedern entscheiden, mit denen sie anderswo gemeinsam im Verwaltungsrat sitzen. Dominique Biedermann, der über die Stiftung Ethos als Aktionärsvertreter seinen Einfluss auf den Verwaltungsrat geltend macht, bemängelt zudem die fehlenden Hinweise auf den Arbeitsvertrag eines Konzernchefs: «Nicht einmal die Dauer der Vereinbarung ist bekannt.» Immerhin weiss man von Novartis-Lenker Daniel Vasella, dass er über einen dreijährigen Vertrag verfügt, der sich im Fall einer Fusion auf fünf Jahre verlängert.
*Rätseln um CEO-Gehälter*
Erste Fortschritte lassen sich bei der Offenlegung sämtlicher Gehälter in der Führungsetage erkennen. So schaffen etwa ABB, Roche und Novartis mit der detaillierten Darstellung der Löhne für jedes Mitglied der Konzernleitung weitestgehende Transparenz. Momentan verlangt die Corporate-Governance-Richtlinie der Schweizer Börse SWX nur die Gesamtsumme für Geschäftsleitung und Verwaltungsrat und dazu das höchste Salär innerhalb des Aufsichtsgremiums.
Der Genfer Warenprüfkonzern SGS publizierte vor Jahresfrist lediglich das Honorar für den meistverdienenden, nicht exekutiv tätigen Verwaltungsrat, womit das Salär des CEO und VR-Delegierten Sergio Marchionne verschleiert blieb. Das wurde jetzt mit den Angaben für beide Jahre vorbildlich nachgeholt. Demgegenüber darf man immer noch darüber rätseln, was Konzernchef James Schiro bei der Zurich Financial Services, Peter Wuffli bei der UBS oder Oswald Grübel und John Mack bei der CS Group verdienen.

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