Weshalb hat Tornos die Ziele für 2008 nach unten korrigiert?

Philippe Maquelin: Bis Ende 2007 hatten wir keine Auswirkungen der Finanzkrise in den Zahlen und Auftragseingängen festgestellt. Im 1. Quartal hat sich die Situation nun verändert. Unsere Abnehmer scheinen wegen der anhaltenden Krise verunsichert zu sein, was meines Erachtens psychologisch begründet ist: Wenn der Chef eines kleinen Familienunternehmens regelmässig von seinem Kundenberater kontaktiert wird, der ihm sagt, dass sein persönliches Vermögen schmilzt, ist er weniger bereit, neue Investitionen zu tätigen.

Andere Industriefirmen spüren die Krise aber deutlich weniger.

Maquelin: Im Unterschied zu ihnen verfügen wir über viel kürzere Bestellungszeiten. Wir sind sehr reaktiv und erhöhen oder senken unsere Kapazitäten kurzfristig, um die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Bei uns besteht kein Puffer, so dass wir es sofort spüren, wenn die Kunden mehr oder weniger kaufen. Bei anderen Industriefirmen sind die Auftragsbücher über Monate voll, sodass Schwankungen kaum Auswirkungen zeigen. Aber auch sie spüren die Baisse.

Welche Massnahmen werden Sie nun treffen?

Maquelin: In den ersten drei Monaten 2008 waren die Produktionskapazitäten nur zu 85% ausgelastet. Wir haben die Produktion sofort angepasst.

Wird ein Personalabbau nötig?

Maquelin: Dies wäre verfrüht. Man spricht zwar von einer Baisse, diese ist aber nicht ausgeprägt und dürfte nicht allzu lange dauern. Ein Umsatzrückgang um 10% in drei Monaten ist zudem noch nicht dramatisch.

Es gibt also keine Personalmassnahmen?

Maquelin: Wir haben flexible Arbeitszeiten. Im 1. Quartal 2008 wurde wegen der Produktionsanpassung entsprechend weniger als 40 Stunden gearbeitet.

Warum bezeichnen Sie das Quartalsergebnis als befriedigend?

Maquelin: Das Resultat ist insofern befriedigend, als wir bei sinkenden Umsätzen eine Ebit-Marge von 7,6% erzielten. Hinzu kommt, dass wir im 2. Halbjahr zusätzliche Maschinen speziell für die Uhrenindustrie anbieten werden, von denen wir uns mehr Umsatz und eine höhere Profitabilität erhoffen.

Ein Rückgang in der Uhrenindustrie ist aber nicht ausgeschlossen.

Maquelin: Ich höre von der Uhrenindustrie, dass es nach wie vor rund läuft.

Haben Sie bereits Bestellungen für diese Maschinen?

Maquelin: Ja, aber nur kleine Volumina, da wir erst am Anfang sind.

Wie wird sich die Industriebranche Ihrer Ansicht nach in Zukunft weiterentwickeln?

Maquelin: Ich gehe von einem Softlanding aus. 2008 wird bestimmt nicht fantastisch und man muss wahrscheinlich bis 2010 warten, um erneut ein starkes Wachstum zu sehen.

Im April war der Auftragseingang aber unter den Planvorgaben.

Maquelin: Bei uns ist der Auftragseingang äusserst volatil, weshalb es sehr schwierig ist, daraus Schlüsse zu ziehen. Der April hat aber keine Trendwende gebracht.

Wie wollen Sie zukünftige Währungsverluste vermeiden?

Maquelin: Wir haben ein Hedging, das gut funktioniert. Der Verlust ist auf einen ausserordentlichen Liegenschaftenverkauf in den USA zurückzuführen, der zu einem hohen Dollarbestand geführt hat. Im Laufe des Jahres erwarten wir, dass sich der Verlust wieder reduziert, denn er wurde ja nicht realisiert.

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Werden Sie Ihren Anteil an Ihrem Partner Tsugami erhöhen?

Maquelin: Wir haben uns verpflichtet, 1 Mio Aktien zu kaufen. Damit hat es sich.

Tsugami hält auf der anderen Seite 3% an Tornos. Werden sie noch ausbauen?

Maquelin: Ja, bis rund 6,7%.

Sind weitere Veränderungen im Aktionariat von Tornos geplant?

Maquelin: Wahrscheinlich nicht, aber wir sind eine börsenkotierte Firma. Wir wollen den höchstmöglichen Freefloat haben und suchen keinen Mehrheitsaktionär.

Planen Sie Akquisitionen?

Maquelin: Wir haben keine konkreten Ziele.