Auf Schweizer Seite nannte man sie «tough cookie»: An Kathryn Keneally hatten die Credit-Suisse-Juristen heftig zu beissen. Die US-Staatsanwältin unterzeichnete als «Assistant Attorney General, Tax Division» die Klage gegen die Credit Suisse mit, welche die CS zu einer Busse von insgesamt 2,8 Milliarden Dollar zwang (siehe Downloads).

Keneally ist ein zäher Hund, wenn es darum geht, die Interessen ihrer Auftraggeber zu verteidigen. Dabei gibt sie sich oft unscheinbar – während der Pressekonferenz am Montag in Washington reihte sie sich noch so gerne hinter Chefstaatsanwalt Eric Holder ein.

Hat sie das Rampenlicht, wird sie aber deutlich. Im März trat sie etwa vor einer Schar Steueranwälte in Washington auf. Die «NZZ am Sonntag» berichtete von einem deutlichen Hinweis, den sie den Experten mit auf den Weg gab: «Falls Leute zu euch kommen, die nur irgendetwas anderes vorhaben, als sich regelkonform zu verhalten, werde ich die Angaben dieser Leute auch noch bekommen.»

Ausgezeichneter Ruf

Keneally kennt diese Klientel – sie verteidigte selbst als Anwältin Steuerhinterzieher. 25 Jahre lang war sie im Privatsektor unterwegs, vertrat Kunden zivil- und strafrechtlich. Erst vor knapp zwei Jahren trat sie in den Staatsdienst ein. Sie kennt damit Bankenseite aus dem Effeff und bringt das nötige Verständnis darüber auf, wie die Verteidigung reagieren wird.

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In der Szene hat sie einen ausgezeichneten Ruf, schloss ihren Bachelor an der Prestige-Universität Cornell ab und spezialisierte sich dann auf Steuerrecht an der New York University. Sie erhielt diverse Auszeichnungen, für «Law & Politics» gilt sie als «Super-Anwältin» im Wirtschaftsstrafrecht.

Nach den Banken die Einzelmasken

Nun hat sich für sie der Fall Credit Suisse erledigt. Fertig ist sie mit dem Thema Steuerflucht aber noch lange nicht. Nun stünden für sie Bankmitarbeiter und externe Berater im Fokus, war noch im März zu lesen.

Dass sie es ernst meint, ist auch im Fall CS zu spüren: Bankmitarbeitern wird ein Arbeitsverbot beim Institut auferlegt, ehemalige Steuerflucht-Experten, die seit längerem in den USA angeklagt sind, melden sich plötzlich in den Staaten und machen reinen Tisch.