Im Sommer soll es endlich aufwärts gehen. Davon ist Jürg Schmid überzeugt. «Die touristischen Logiernächte in der Schweiz werden gegenüber dem Vorjahr um 1% zunehmen», sagt der Direktor von Schweiz Tourismus voraus. Für den lange ersehnten Aufschwung sollen die Japaner, Amerikaner und Deutschen sorgen. Diese drei Länder hätten für zwei Drittel der Rückgänge im vergangenen Jahr gesorgt, erklärt Schmid. 2003 haben schweizweit die Logiernächte in den Hotels um 2,4% abgenommen, wie beim Verband Hotelleriesuisse zu vernehmen ist. Das ist im Vergleich zum grenznahen Ausland ernüchternd. In Deutschland betrug der Rückgang im ausserordentlich schlechten Tourismusjahr nur 0,7%. Österreich konnte sogar um 1% zulegen.

Signale stehen auf Grün

Jetzt soll alles besser werden. Schmids Optimismus wirkt auch auf die einzelnen Ferienregionen ansteckend. «Alle Signale stehen auf Grün», sagt etwa der Interlakner Tourismusdirektor Stefan Otz. Von der wiedererwachten Reiselust der Amerikaner und Asiaten würde der Berner Oberländer Kurort ganz besonders profitieren. Genau wie die Zentralschweiz. Ein markantes Wachstum erwartet auch Frank Bumann von Zürich Tourismus. Nach dem Tiefpunkt im vergangenen Oktober erwartet der Direktor im kommenden Sommer viel mehr Deutsche, Engländer und Asiaten. Sein Optimismus ist begründet. In der Region um den Flughafen haben die Logiernächte in den ersten Monaten des Jahres um 7% zugenommen.

Zurückhaltender tönt es allerdings in den wichtigsten Tourismuskantonen, Graubünden und Wallis. Die Zahlen aus dem letztjährigen Sommers dürften dieses Jahr kaum zu erreichen sein, glaubt Gieri Spescha, Sprecher von Graubünden Ferien. «Das Sommergeschäft ist sehr kurzfristig und schwierig vorauszusagen», sagt der Walliser Tourismusdirektor Urs Zenhäusern. Er hofft, dass «erfrischende Bergferien» in den Augen der Konsumenten dem klassischen Strandurlaub mehr und mehr den Rang ablaufen.

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Die mehrheitlich positiven Prognosen aus den Ferienregionen bestärken ST-Direktor Jürg Schmid in seinem Optimismus. «Sämtliche Frühbucherindikatoren sehen für den Schweizer Tourismus für diesen Sommer ein Plus voraus», ist er überzeugt. Doch seine Prophezeiungen sind mit Vorsicht zu geniessen. Schon für die mit dem April zu Ende gehende Wintersaison hatte der Direktor im letzten Herbst ein Nachfragewachstum von einem halben Prozent vorausgesagt. Dieses positive Denken ist lobenswert. Genützt hat es allerdings wenig. Die Logiernächtezahlen haben erneut abgenommen, wie Thomas Allemann von Hotelleriesuisse vermutet. Zwar sind die Zahlen für den April noch nicht bekannt, doch der Leiter Wirtschaftspolitik beim Branchenverband rechnet mit einem Rückgang um 0,5%. In Zusammenarbeit mit der Basler Konjunkturforschungsstelle (BAK) hatte Hotelleriesuisse diesen Wert schon im Dezember vorausgesagt.

Angebot spezialisieren und besser vermarkten

Obwohl damit der Negativtrend der letzten Jahre fast gestoppt werden konnte, stellt das Resultat einen neuen Minusrekord dar. Im Vergleich zum Hauptkonkurrenten Österreich steht die Schweiz schlecht da. In der Alpenrepublik wird derzeit zum wiederholten Mal ein Rekordwinter mit rund 4% höheren Tourismusumsätzen gefeiert. Bemerkenswert ist vor allem die grosse Beliebtheit des östlichen Nachbarn bei den Schweizern. Fast 6% mehr als im Vorjahr fuhren für die Winterferien über die Grenze nach Tirol und Vorarlberg. Die günstigeren Preise sind das Hauptargument dafür.

Die Sensibilität in diesem Bereich hat vor allem aus Deutschland für markante Gästerückgänge in der Schweiz gesorgt. Das stellt auch Thomas Allemann von Hotelleriesuisse fest. «Der deutsche möchte einen klaren Preis ohne diverse Zuschläge vorgesetzt bekommen», so der Ökonom. Um diesem Nachfragetrend Rechnung zu tragen, bieten immer mehr Schweizer Hoteliers die Ferienform All Inclusive an, bei der im Preis alles inbegriffen ist. Preissenkungen stehen für Allemann gleichwohl nicht im Vordergrund, um die Schweizer Hotellerie wieder konkurrenzfähiger zu machen. Vielmehr müsse das Angebot weiterentwickelt und spezialisiert werden. «Erfolg können nur Hotels mit klarer Ausrichtung haben», so Allemann. Wichtig sei auch die verstärkte Vermarktung des Schweizer Tourismus im Ausland.

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In diesem Punkt stimmt Jürg Schmid überein. Kürzlich hat nämlich eine Studie nachgewiesen, dass nur die wenigsten Schweizer Feriendestinationen im Ausland bekannt sind. Ein Grund für den Direktor, dass die «unübertreffbar starke Marke Schweiz» stärker gefördert werden müsse. Er verlangt deshalb eine starke finanzielle Unterstützung für Schweiz Tourismus. Der Bund soll also tatkräftig mithelfen, dass Schmids optimistische Prophezeiungen dereinst wahr werden können. An eine Änderung der Vermarktung, die die Studie einem nahelegen könnte, denkt er dabei nicht.