Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Wildhaus Bergbahnen, ist die Festlaune vergangen. Dabei hätte er zum Festen genügend Zeit gehabt. Nur die Hälfte der 19 Liftanlagen konnten die Wildhaus Bergbahnen über die Weihnachtstage in Betrieb nehmen. Die Skilifte im unteren Teil des Toggenburger Wintersportgebiets blieben wegen Schneemangel geschlossen. Die genauen Besucherzahlen liegen ihm zwar noch nicht vor, wie er sagt. Die Umsatzeinbussen gegenüber dem Vorjahr sind jedoch happig. Empfindlich aus Ergebnis drücken vor allem die ausbleibenden Tagestouristen. Mit ihnen generieren die Wildhaus Bergbahnen zwischen Weihnachten und Neujahr normalerweise einen Drittel des Umsatzes. Fehlt der Schnee, bleiben die Tagesausflügler zuhause.
Das Ausbleiben der weissen Pracht hat in niedrig gelegenen Skistationen nicht nur für grüne Pisten, sondern bei den touristischen Leistungsträgern auch für rote Zahlen gesorgt. Unter 1500 Metern über Meer mussten sich Skifahrer über die Festtage in der Schweiz den Weg an Wiese und Dreck vorbeibahnen. Die Bergbahnbetriebe sind davon am schwersten betroffen. Die Bergbahnbetriebe generieren über die Festtage zwischen 25 und 30% des gesamten Winterumsatzes. «Wer in dieser Zeit Verluste schreibt, kann diese nur schwer aufholen», weiss Felix Mauerhofer, Presseverantwortlicher bei der Branchenorganisation Seilbahnen Schweiz.
*Tagestouristen fehlen*
Neben dem Toggenburg gehört auch das Berner Oberland zu den betroffenen Regionen. Frank Huber von der Vereinigung der Bergbahnen von Gstaad und Umgebung spricht bereits von markanten Einbussen. Die in der Vereinigung zusammengefassten 63 Transportanlagen von 15 Bergbahnbetrieben haben über die Festtage bei den Mehrtageskarten einen Umsatzeinbruch von 6% erlitten. «Bei den Tageskarten sind die Verluste noch grösser», so Huber. Der Schneemangel erlaubte auch in Gstaad lediglich den Betrieb von rund der Hälfte aller Transportanlagen.
Im Bündnerland gibt es grosse regionale Unterschiede. «Während Bergbahnbetriebe im Engadin über die Festtage Umsatzsteigerungen erzielten, erlitt die Weisse Arena AG in Flims/Laax gegenüber dem Vorjahr einen Einbruch um 5%», sagt Gieri Spescha von Graubünden Ferien. Schlechte Witterungsverhältnisse hielten auch hier die wichtigen Tagestouristen fern. «Mit ihnen generiert die Destination an Weihnachten normalerweise 20% des Umsatzes», erklärt Spescha. Einzig im Wallis liegen die Bergbahnbetriebe gemäss Urs Zenhäusern zahlenmässig auf Vorjahresniveau. «Nach den frühen Schneefällen im Herbst wurden vor Weihnachten sehr viele Saisonkarten abgesetzt», so der Direktor von Wallis Tourismus.
Die Festtagsbilanz in der Hotellerie sieht etwas positiver aus. Die Auslastungen etwa in Gstaad waren gemäss Kurdirektor Roger Seifritz über Weihnachten gewohnt gut. Auch im Toggenburg sind die Hotelbetriebe mit den Auslastungen über die Weihnachtsfeiertage zufrieden. «Es gab wenige kurzfristige Annullationen in den Hotels», weiss Dominik Hasler von Wildhaus Tourismus. Mit Alternativangeboten wie Curling oder Wandern wurden die Feriengäste bei Laune gehalten.
*Berner bös im Minus*
Im Berner Oberland sieht es allerdings in der Zwischensaison ziemlich düster aus. Vor allem der anhaltende Rückgang bei den deutschen Gästen, die 12% der Kundschaft ausmachen, bereitet der Region Sorgen. «Falls sich dieser Negativtrend akzentuiert, hat das Berner Oberland einen schwierigen Winter vor sich», räumt Beat Anneler vom regionalen Hotelierverein ein. Zumal bei einem Irak-Krieg auch die wichtige Überseekundschaft aus den USA und Japan ausbleiben dürfte.
Die Abhängigkeit von der deutschen Kundschaft ist im Wallis und in Graubünden gar noch grösser. «Ein Fünftel unserer Gäste sind Deutsche», bestätigt Urs Zenhäusern von Wallis Tourismus. Der ungünstige Wechselkurs sorge bei den Eurogästen für ein noch grösseres Preisbewusstsein, sagt der Bündner Touristiker Spescha. Ein Drittel der Bündner Gäste kommt aus Deutschland. Dennoch legten die Bündner Hoteliers während den Festtagen zu. Je nach Region melden sie ein Plus von 2 bis 5% gegenüber dem Vorjahr. Die Einbussen aus dem Nachbarland konnten dabei vor allem mit mehr Schweizer Gästen wettgemacht werden. Zahlenmässig auf Vorjahresniveau befindet sich die Walliser Hotellerie.
*Auch Österreich mit Problemen*
Von einem erfolgreichen Saisonstart kann indes nicht gesprochen werden. Dafür liegen die Zahlen der Vergleichsperiode vor einem Jahr auf einem zu tiefen Niveau. Und die Zahl der arbeitsfreien Tage war so hoch wie schon lange nicht mehr. Das dürfte auch den Zustrom von Schweizer Gästen erklären.
Die widrigen Schnee- und Wetterverhältnisse machten nicht nur der Schweizer Tourismusbranche zu schaffen. Auch die zuletzt so erfolgsverwöhnten Österreicher kamen über die Festtage nicht recht voran. Die Gästezahlen konnten über die Festtage zwar auf dem Niveau des vergangenen Rekordjahres gehalten werden. Die widrigen Wetterverhältnisse machten aber auch den österreichischen Bergbahnen zu schaffen. In mittleren und tiefen Lagen erlitten Seilbahnunternehmen über die Festtage Umsatzeinbussen von bis zu 80%.

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