Wer sein Objekt bei Marc Wolf platziert, zieht die persönliche Geschäftsabwicklung der Massenabfertigung vor. Der Unternehmer betreibt die Website fewo.ch und spricht Ferienwohnungsbesitzer an, die zwar vermieten, aber keinesfalls die Kontrolle über das Wer, Wann und Wie verlieren wollen. Die Eigentümer selbst schliessen die Verträge mit Interessenten ab, treffen sie in der Regel persönlich und können bei einem unguten Gefühl die Handbremse ziehen. Wolfs fewo.ch bietet für eine Lizenzgebühr von 150 Fr. und jährlich weitere 130 Fr. lediglich eine Plattform, sozusagen die Kontaktbörse zwischen Vermieter und Mieter. 1220 Objekt-Eigentümer, vorwiegend aus Graubünden und vereinzelt dem Wallis, schliessen so durchschnittlich zehn Mietverträge pro Jahr ab. Tendenz steigend.

Was Wolfs fewo.ch im bescheidenen Rahmen macht, hat Schweiz Tourismus (ST) jetzt im grossen Stil lanciert: Eine professionellere Vermarktung der Ferienwohnungen (Fewo), die im Schweizer Tourismus seit Jahren ein Mauerblümchendasein fristen. Begründen lässt sich diese Vernachlässigung eigentlich nicht, schlafen doch mehr als die Hälfte aller Schweiz-Touristen (2003: 50,6%) in Fewo-Betten. Vor gut zehn Jahren lag der Wert sogar bei fast 55%, ist dann aber gesunken. Eine neue elektronische Fewo-Buchungsplattform auf der ST-Website myswitzerland.com soll jetzt für die Trendwende sorgen. Sprecherin Daniela Bär hofft, dass zu den heute 16000 mit Sternen klassifizierten Ferienwohnungen dank der Plattform viele dazukommen werden. Für einen begehrten Platz auf der ST-Website ist nämlich eine Klassifizierung nach den Richtlinien des Schweizer Tourismus-Verbands (STV) Voraussetzung. Die meisten der über 80000 privaten Fewo-Besitzer haben aus Kostengründen und Bequemlichkeit bisher darauf verzichtet.

In Konkurrenz zu Österreich

Dass die Schweizer Tourismusbehörden die Fewo-Angelegenheit zur Chefsache erklärt haben, erstaunt nicht. Die Konkurrenz im Ausland ist nämlich ebenfalls mit grossem Aufwand daran, ihr entsprechendes Angebot zu verbessern. Mit EU-Subventionen haben sich jüngst zum Beispiel Tirol, die Region Salzburg und Oberbayern zu einer länderübergreifenden Qualitäts- und Vermarktungsoffensive für Ferienwohnungen zusammengerauft. Hauptgrund: Budget schonende Ferien in Appartements sind europaweit ein wachsendes Bedürfnis. Diesem sich akzentuierenden Wettbewerb um niederländische, englische, italienische oder spanische Familien darf sich die Schweiz nicht verschliessen. Sie muss ein übersichtliches, qualitativ konkurrenzfähiges Fewo-Angebot auf die Beine stellen und dieses vor allem gekonnt vermarkten.

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Dass vor allem attraktive Angebote für die Ankurbelung des Fewo-Marktes notwendig sind, haben auch organisierte Anbieter realisiert. So lanciert etwa die erfolgreiche Schweizer Reisekasse (Reka) zusammen mit Hapimag in Sörenberg ein neues Familienangebot mit Gratisleistungen wie Kinderbetreuung. Ziel: Bessere Fewo-Auslastungen in der Zentralschweizer Feriendestination.

Fewo-Gäste anwerben ist das eine, sie gastfreundlich empfangen ein anderes. Auch hier hält ST den Finger drauf. In verschiedenen Ferienorten werden Wohnungsvermieter im Rahmen des Projekts «Enjoy Switzerland» auf freundliche Umgangsformen getrimmt.