Der Tourismus gilt weltweit als eine der wichtigsten Wachstumsbranchen. Nach der World Tourism Organization beträgt das langjährige mittlere Wachstum 3,6% jährlich (www.world-tourism.org). Die Prognose der BAK Basel Economics 2005 für die Entwicklung der Logiernächte in der Schweizer Hotellerie für Sommer 2005 beträgt plus rund 1,7% (www.bfs.admin.ch), wobei von einem bedeutend grösseren Zuwachs der Logienächte von ausländischen als von inländischen Gästen ausgegangen wird. Die Prognose für Winter 2005/2006 beträgt rund plus 0,9%.

Externe Ereignisse wirken sich im Tourismus sofort aus

Prognosen der Entwicklung im Tourismus sind als Planungsannahme für Unternehmen und die Öffentlichkeit wichtig. Gleichzeitig sind sie gerade im Tourismus mit grossen Unsicherheiten behaftet. Externe Ereignisse wie Terroranschläge oder Krankheiten wirken sofort und nachhaltig besonders auf die Nachfrage aus dem Ausland. Das Wetter wirkt über das kurzfristigere Buchungsverhalten auf die Nachfrage der Nahmärkte. Dagegen zeichnen sich deutliche längerfristige Strukturveränderungen ab:

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- Sättigungserscheinunen in den Stammmärkten mit einer weiteren leichten Verlagerung von den ganz langen Reisen zu den Kurzurlauben.

- Zunehmende Bedeutung neuer Marketinginstrumente und damit auch neuer Buchungswege. «One click» wird auch für alpine Reisen immer wichtiger. Die klassischen Tourismusorganisationen, die Verkehrsvereine mit ihren sanften Marketinginstrumenten wie Prospekte und Markenpflege, werden durch neue Marketingkooperationen mit harten Marketinginstrumenten wie aktivem Ver-kauf oder Yield Management ersetzt.

- Die Motivstruktur bleibt weit gehend stabil mit einer starken und leicht zunehmenden Gewichtung von zeitbezogenen Motiven wie «Zeit für sich haben», «Zeit für die Familie haben».

- Bei den Reiseländern verliert aufgrund einer ersten provisorischen Auswertung des Reisemarktes Schweiz 2004 Europa weiterhin zu Gunsten von Interkontinentaldestinationen.

Der Tourismus muss deshalb konjunkturell flexibel sein und gleichzeitig auf die strukturellen Veränderungen reagieren.

Prof. Dr. Thomas BiegerInstitut für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus der Universität St. Gallen (IDT-HSG), St. Gallen