Ein Job im Reisebüro verspricht Abwechslung. Dafür sorgt nicht nur der permanente Kundenkontakt, sondern auch das wöchentlich erscheinende Branchenblatt «Travel Inside». Unlängst publizierte es seine traditionelle Charterbeilage mit allen Flugplänen für den Feriensommer. Blickfang für die Angestellten hinter den Verkaufsschaltern sind jedoch weniger die unzähligen Airline-Codes und Daten, sondern ein Inserat des Flughafen-Reisebüros Startklar.

Mit Erotik besonders günstig

Eine barbusige Schönheit hält darauf via Fernrohr nach geeigneten Ferienzielen Ausschau. «Nicht lange suchen, gleich bei Startklar buchen», wird die freizügige Badenixe vom Slogan aufgefordert.

Angesprochen fühlen sollen sich die Reiseverkäufer. Mit dem erotischen Inserat will Startklar sie von den günstigen Charterangeboten für Badeorte in Ibiza, Mallorca, Sardinien, Tunesien usw. überzeugen. Geflogen wird mit Helvetic Airways. Die Airline von Financier Martin Ebner hat ihre Flugzeuge für diverse Ferienflüge an Startklar untervermietet. Das Reisebüro gehört zum Glarner Ferienveranstalter und Warenhändler Castell Reisen, der mit organisierten Verkaufsanlässen an Reisezielen seit Jahren günstige Preise für die Kundschaft subventioniert. Dass Helvetic die gesteckten Ziele bisher nicht erreichen konnte und nach wie vor in der Verlustzone fliegt, ist hinlänglich bekannt. Soll das Inserat deshalb ein Versuch sein, mit unkonventionellen Mitteln Aufmerksamkeit zu erregen? «Nein», sagt Helvetic-Sprecher Reto Gasser. Das Inserat von Startklar in «Travel Inside» sei der Airline vor dem Druck gar nicht vorgelegt worden. «Es liegt absolut nicht in der Philosophie von Helvetic, das weibliche Geschlecht in der Werbung derart offen zu zeigen», hält Gasser fest. Startklar habe man dies so deutlich kommuniziert, wolle aber aus der Angelegenheit keine grosse Sache machen.

Helvetic bleibt jugendfrei

Als Beleg für ihre seriösen Werbepraktiken hat Helvetic das gleiche Inserat im Bordmagazin in einer jugendfreien Version, ohne nackte Frauenbrüste, abgedruckt.

Startklar/Castell ist hingegen nicht für halbe Sachen, hat aber bei der barbusigen Werbeoffensive eines nicht bedacht. In den Reisebüros, speziell an den Verkaufsschaltern, arbeiten überwiegend junge Frauen. Und die wären für einen regen Verkauf der «Helvetickets» wohl eher mit einem muskulösen Herrenoberkörper zu motivieren gewesen. Nackt hätte er aber schon sein müssen.

Anzeige