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Tourismus: Vor einem harten Winter

In der Schweiz bleiben die Gäste aus. In den Kassen von Hotels, Restaurants und Bergbahnen klaffen Löcher. Sie dürften im Winter grösser werden.

Von Rüdi Steiner
am 26.11.2002

Für die Schatzalp in Davos ist der Winter gelaufen, bevor er begonnen hat. Die Lifte werden stillstehen. Grund der radikalen Massnahme: Der Winterbetrieb rentiert nicht mehr. Mit ihrem Entscheid ist die Betreiberin allein auf weiter Flur ? dabei hätten viele touristische Leistungserbringer einen wirtschaftlichen Grund, den Betrieb einzustellen. So etwa auch die Seilbahn in Airolo. Sie hat den letzten Winter wegen Geldmangels frühzeitig abbrechen müssen und befindet sich in Nachlassstundung. Das hindert sie nicht daran, in ein paar Wochen wieder an den Start zu gehen. Private Geldgeber und viel Politik machen es möglich.
Die Schweizer Touristiker üben sich stattdessen im Wehklagen. Dieses ist bei Bergbahnen, Hotels und Restaurants zurzeit besonders gross. In den ersten acht Monaten 2002 mussten sie deutliche Einbussen in Kauf nehmen. Die Zahl der Übernachtungen nahm schweizweit um 6,3% ab. In den wichtigen Sommermonaten waren es teilweise noch mehr. Die Bergbahnen in Crans Montana und am San Salvatore beispielsweise verzeichnen Einbussen von 20%. Entsprechend rot präsentieren sich die Zahlen. Als Gründe für den Einbruch nennen die Anbieter wahlweise die Expo, die schlechte Konjunktur und den starken Franken oder gleich alle Faktoren zusammen. Dem ist entgegenzuhalten, dass im Nachbarland Österreich die Zahl der Übernachtungen dieses Jahr auf neue Rekordwerte geklettert ist ? und dies trotz misslicher Konjunktur im Primärmarkt Deutschland. Die wahren Ursachen für den touristischen Kriechgang in der Schweiz liegen woanders. Es wurde in den letzten Jahren zu wenig verdient und zu wenig investiert. «Wir sind nicht zu teuer, sondern zu wenig gut», bilanziert André Zimmermann, Direktor der Pilatusbahnen.
Im kommenden Winter wird sich die Situation weiter zuspitzen. Eine Belebung des Marktes ist bis Mitte 2003 nicht in Sicht. «Es geht nur über den Preis», sagt Urs Kessler, Marketingverantwortlicher der Jungfrauregion. Fünf Nächte sollen im Berner Oberland daher ab 345 Fr. zu bekommen sein. Die Ertragslage wird sich dadurch nicht bessern, sondern wohl dazu führen, dass der Gesundschrumpfungsprozess in Gang kommt. Genau dies ist nötig, damit die Schweizer Tourismuswirtschaft wieder Tritt findet.

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