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Schulden
Traditionsbank Hottinger ist am Ende

Logo der Bank Hottinger: Das Geldhaus ist pleite. Screentshot

Die Zürcher Privatbank ist pleite. Eine Sanierung konnte nicht zustande gebracht werden. Nun schickt die Finanzmarktaufsicht die Bank Hottinger in den Konkurs. Das Institut hatte auch dubiose Kunden.

Veröffentlicht am 26.10.2015

Die Zürcher Privatbank Hottinger ist am Ende: Die Bank müsse liquidiert werden, teilte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) mit. Wegen drohender Überschuldung hat die Finma den Konkurs über die Bank eröffnet.

Die Aufsichtsbehörde habe vor einiger Zeit festgestellt, dass die Bank Hottinger das per Gesetz erforderliche Mindestkapital unterschritt, heisst es in der Mitteilung. Der Grund seien stetige Verluste und ungelöste Rechtsfälle gewesen.

Schon länger klamm

Bereits im Juli 2014 wurde bekannt, dass die Bank wegen dem Steuerstreit mit den USA Kapital einschiessen musste: Seinerzeit gab Hottinger eine Kapitalerhöhung von 7,5 Millionen Franken bekannt, um die Tätigkeit fortzuführen. Zwei externe Vermögensverwalter der Bank waren in US-Strafverfahren aufgetaucht. Die Bank hat sich selbst in die Gruppe 2 eingereiht und gab damit zu, US-Schwarzgelder verwaltet zu haben, schrieb die «Schweiz am Sonntag».

Das Institut nahm darauf im Jahr 2014 einen Kapitalschnitt vor, um eine Unterdeckung der Bilanz zu beseitigen. 12 Millionen Franken wurden von der beherrschenden Familie und des Managements eingeschossen.

Diskussionen über Sanierung gescheitert

Man habe intensive Diskussionen über eine mögliche Sanierung der Bank geführt, teilte die Finma mit. Die unternommenen Anstrengungen seien aber nicht erfolgreich gewesen. Eine geplante Rekapitalisierung wurde nicht realisiert und das Mindestkapital blieb demnach unterschritten. Ein geeigneter Investor zur Übernahme der Bank liess sich demnach ebenfalls nicht finden. «Somit gab es keine Aussicht auf eine Sanierung der Bank», heisst es in der Mitteilung der Finma.

PEP aus der Ukraine

Der Liquiditätsengpass stehe nicht im Zusammenhang mit dem US-Steuerprogramm, sagte die Finma. Die Bank hatte auf jeden Fall heikle Kunden akzeptiert. So wurde im März bekannt, dass einer der mächtigsten Politiker des ukrainischen Regierungsapparats im Verdacht stehe, über die Zürcher Hottinger-Filiale Schmiergelder in Millionenhöhe erhalten zu haben. Gegen 30 Millionen Franken wurden auf Konten gesperrt. Die Bundesanwaltschaft ermittle gegen Nikolai Martynenko, so die «Sonntagszeitung».

Die Finma erklärte, da die Bank die Anforderungen an das Mindestkapital nicht mehr erfülle und keine Aussicht auf Sanierung bestehe, müsse sie liquidiert werden. Wegen der Liquidationskosten bestehe zudem die Besorgnis einer Überschuldung. Dies führe zur Eröffnung des Konkurses. Auf detailliertere Erklärungen verzichtete die Schweizer Finanzaufsicht.

Kundenguthaben bis 100'000 Franken zurückerstattet

Primäres Ziel sei der Schutz der Einleger, schreibt die Finma. Der Konkursliquidator werde daher in einem ersten Schritt die Kundenguthaben bis 100'000 Franken zurückerstatten. Gemäss heutigen Berechnungen könnten diese privilegierten Einlagen mit den vorhandenen Mitteln vollumfänglich ausbezahlt werden.

Die Bank Hottinger weist eine Bilanzsumme von ungefähr 145 Millionen Franken auf, hat rund 1500 Kunden und etwa 50 Angestellte. Sie ist auf Vermögensverwaltung spezialisiert, hat ihren Sitz in Zürich und eine bedeutende Filiale in Genf.

(sda/dbe/chb)

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