Glas wurde in Ägypten schon um 1400 v. Chr. zu Gefässen verarbeitet und, Jahrhunderte später, von den Römern im grossen Stil produziert. Neben Trinkgefässen waren Glasschmuck und Fibeln sehr beliebt. Nach dem Untergang des römischen Reiches überlebte das Glasbläserhandwerk bei den Germanen, die jedoch mangels geeignetem Rohmaterial nicht den Standard des römischen Glases erreichten. Im Mittelalter waren es die Venezianer, die dank ihren guten Handelsbeziehungen mit Byzanz Glashandwerk und Handel mit Glas lange dominierten. Barockes Schnittglas, vornehmlich aus Böhmen und Schlesien, aber auch aus Nürnberg, Brandenburg und Sachsen verdrängte ab dem 18. Jahrhundert das venezianische Glas. Mit der Entwicklung der Glasindustrie und der Erfindung des ersten industriell nutzbaren Glasofens durch Friedrich Siemens im Jahre 1856 begann der unaufhörliche Triumphzug des Glases zum unabdingbaren Alltagsgegenstand quer durch alle Gesellschaftsschichten.

Glas in der Architektur

Verglaste Gebäude sind in der modernen Architektur besonders beliebt. Unzählige Varianten laden zum Gestalten und Experimentieren ein. Glas ist transparent oder farbig, thermisch verformt, bedruckt, emailliert, sandgestrahlt, mit Relief, Einscheibensicherheitsglas ESG, Verbundsicherheitsglas VSG, hinterleuchtetes, satiniertes, mit LED-Lichtspielen, Solarfassaden mit Hinterlüftung und Isolierverglasungen. Man findet selbst im Aussenbereich Dreifachverglasung mit Variotrans-Beschichtung in einem breiten Farbspektrum. Es gibt fast unsichtbar wirkende Ganz-Glastreppen, auch selbsttragende Treppenkonstruktionen und Treppenstufen in den unterschiedlichsten Dichten und Oberflächen, selbstverständlich auch rutschfrei.

Innovative Gestaltungsmöglichkeiten bieten Verbundglasstützen mit Innenbeschichtung und Beleuchtung, Kristall- und Acrylglas für Mosaikfliesen und Wandverkleidungen, mit grosser Farbauswahl und der Möglichkeit von LED-Lichtakzenten. Photovoltaik mit unterschiedlichen Rastermodulen erlauben, Licht und Schatten zu dosieren. Plexi- oder Acrylglas, der glasähnliche Kunststoff, wird ebenfalls gern im Innenbereich und in der Möbelproduktion verwendet. Überall da, wo Licht- und Farbeffekte erzielt werden sollen und transparentes Wohnen erwünscht ist. Neuartige Druckverfahren auf Glas erlauben auch im Innenausbau verblüffende Gestaltungseffekte ? selbst direkt auf Glas gedruckte, fotorealistische, brillante Bilder.

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Glas in der Küche

Küchenabdeckungen aus Glas, noch vor wenigen Jahren Geheimtipp, werden bereits demnächst das Küchenbild prägen. Glas ist ein perfektes Material dafür, nämlich kratz- und säurefest, pflegeleicht, in verschiedenen Farben transluzid und gefrostet erhältlich, in verschiedenen Stärken. Zudem lassen sich Glasabdeckungen sehr schön mit Massivholzküchen oder mit farbig gebeizten Fronten kombinieren. Die Schweizer Spezialistin für Küchenabdeckungen, die Firma Naku, produziert mit «solid Glas» ein hochwertiges, speziell für Küchenabdeckungen geeignetes Glas, in 19 mm bzw. 10 mm Dicke. «Solid Glas» ist ESG-gehärtet und dadurch sieben Mal stärker als normales Glas. Die Druckfestigkeit auf der Oberfläche des 19-mm-Glases beträgt 3200 kg/cm². Glaskeramik-Herdplatten können problemlos flächenbündig eingepasst werden.

Spezialitäten

Im Vormarsch sind smarte Materialien, dazu gehören auch viele Neuentwicklungen im Bereich Glas. Etwa Glas, das sich von selbst reinigt. Glas dauerhaft vor Umwelteinflüssen zu schützen, ist neuerdings durch die Veredelung mit Nanobeschichtung möglich. Ein wichtiges Einsatzgebiet von Glas sind Wintergärten. Ein heller, offener Raum mit dem Gefühl, vor Wind und Wetter geschützt im Freien zu sitzen und die Natur zu beobachten. Nicht zu verachten sind dabei die Nebeneffekte wie passive Sonnenenergienutzung und eine Erweiterung des Wohnraumes.

Transparentes Wohnen liegt im Trend. Man möchte seine Räume nicht «vermöbeln», dennoch benötigt man Stauraum. Kurt Erni, der Entwerfer bei Team by Wellis, arbeitet seit vielen Jahren mit Glas und präsentiert zeitlos-elegante, formschöne Sideboards und Glasregale. Tische mit Untergestell in rostfreiem Inox-Edelstahl und einer Tischplatte aus farbigem ESG-Glas trotzen draussen jedem Wetter, das ganze Jahr hindurch. In Zusammenarbeit mit dem Designer Martin Schäfer entstand bei Glas Troesch in Steffisburg die ebenso schlichte wie bildschöne Liege «Valeo»: Sie scheint zu schweben, integriert sich in jeden Raum, ist dank ihres Nackenkissens auch wirklich bequem und mit ihren attraktiven Farben fröhlicher Mittelpunkt im Raum. Hannes Wettstein entwarf für Fiam ein Sideboard aus beliebig kombinierbaren Glastablaren und Metallrahmen. Der Gag dabei: Die Tablare gibt es auch mit ovalen oder runden, konkav geformten Aussparungen aus versilbertem Glas oder thermoverformten Plexiglashauben, eine neue Form von Vitrine. Ein neues Herstellungsverfahren mit der Kohlenwasserstoffverbindung Tritan ermöglicht kristallklare und speziell bruchfeste Trinkgläser.

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Glas kommt aus dem Emmental

Es ist schon sehr beeindruckend zu sehen, wie in nur 100 Jahren in einem kleinen Weiler im Emmental ein global tätiges erfolgreiches Unternehmen entstand. Wo kreative Köpfe am ursprünglichen Firmensitz «Im Eggen» ihre Ideen entwickelten und zum Erfolg führten, unter gütiger Mithilfe des in den 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgetretenen Baubooms. Heute ist die Glasproduktion ein perfekt strukturierter Hightech-Prozess, wobei in den modernen Werken Spezialitäten hergestellt werden. Allerdings meint man selbst heute noch etwas von der Alchemie vergangener Zeiten zu spüren, wenn man in der riesigen Halle steht, wo im Innern der Schmelzwanne bei einer Temperatur von 1560 °C der Quarzsand zu Glas geschmolzen wird. So vielfältig wie die Wünsche der Kunden sind die Glasspezialitäten ? deshalb wird persönliche Beratung bei der Lösung besonders anspruchsvoller Aufgaben gross geschrieben.

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NACHGEFRAGT


«Glas ist ein perfektes Material für Küchen»

Stefan Senn, Wohngeist GmbH, Basel.

Man kennt Sie als absolut «massivhölzigen Kreativen»: Was bringt Sie dazu, jetzt Glas in Ihre Küchen zu integrieren?

Stefan Senn: Ich glaube an Küchenabdeckungen aus Glas ? noch vor wenigen Jahren ein Geheimtipp. Glasfronten und Abdeckungen werden bis in zirka drei bis vier Jahren in den meisten Küchen zu finden sein.

Was macht Sie so sicher?

Senn: Glas ist ein perfektes Material dafür: Kratz- und säurefest, pflegeleicht, in verschiedenen Stärken und Farben und gefrostet erhältlich.

Wie wenden Sie Glas in Verbindung mit Holz an?

Senn: In unserem Fall kombinieren sich Glasabdeckungen sehr schön mit unseren Massivholzküchen, eigentlich mit allen Naturtönen und auch mit Glas.