Mehr und mehr Anleger wollen den «Fünfer» und das «Weggli»: Sie erwarten eine finanzielle Rendite, die sozial verträglich ist. Seit der Gründer der Grameen Bank, Muhammad Yunus, 2006 für seinen Einsatz für Mikrokredite den Friedensnobelpreis erhielt, boomen Anlagen in Mikrokredite – kommt hinzu, dass sich ihre Rendite unabhängig von den Finanzmärkten entwickelt. Auch die Credit Suisse und die Deutsche Bank sind in dem Markt tätig. Weltweit verfügen die Mikrofinanzinstitutionen über ein Kreditportfolio von 25 Mrd Dollar, 2001 waren es erst 4 Mrd Dollar.

Doch selbst wenn die Anleger, wie etwa jene der Schweizer responsAbility Social Investments, wissen, in welche der weltweit rund tausend Mikrofinanzinstitutionen ihr Geld fliesst: Sie könnten kaum herausfinden, zu welchem Zins der Endkunde im Entwicklungsland einen Kredit erhält.

Das soll sich nun ändern: Elf grosse Mikrofinanzhäuser, darunter Yunus Grameen Bank, haben Ende Juli entschieden, dass sie ihre jährlichen Zinsraten via die neugegründete US-Nichtregierungsorganisation (NGO) Microfinance Transparency offen legen wollen. Ab Oktober sollen die Daten unter mftransparency.org aufgeschaltet werden.

Anleger tappen im Dunkeln

Yunus und NGO kritisieren seit Jahren die Intransparenz in diesem Geschäft. Seit dem Einstieg von Grossbanken und der Kommerzialisierung werden Profite auf Kosten der Armen befürchtet – für die Mikrokredite oft der einzige Weg sind, ohne Wucherzinse von Maklern an Geld zu kommen. Die 20 bis 80%, welche als Bandbreite für mögliche Zinsraten angegeben werden, sind kein brauchbarer Indikator. Die Grameen Bank vergibt Kredite mit einer Zinsrate von durchschnittlich 20%. Gemäss der Mikrofinance-Abteilung der Weltbank (CGAP) lag der Durchschnittszins 2006 weltweit bei 28% (siehe Grafik).

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Und wie steht es um die Endzinsen der Mikrokredite, die Schweizer Anleger mitermöglichen? Das Genfer Unternehmen Blue Orchard kann wenig Konkretes liefern. Die Firma (co)verwaltet diverse Mirkofinanz-Anlageinstrumente, darunter den Dexia Micro-Credit Fund, der 101 Mikrokreditinstitutionen 544 Mio Dollar ausleiht und 2007 in Dollar eine Rendite von 6,21% abwarf. «Wir haben sehr unterschiedliche Zinsraten je nach Anlageinstrument», sagt Sprecherin Antonella Notari. Blue Orchard verfolge aber systematisch, welche Zinsen die Mikrofinanzinstitute von ihren Endkunden verlangten, um sicherzustellen, dass diese den lokalen Märkten angepasst seien. In anderen Worten – die Anleger tappen im Dunkeln.Konkreter sind die Angaben der von Credit Suisse und weiteren Finanzdienstleistern lancierten responsAbility Social Investments AG, deren Microfinanzfonds ein Volumen von 310 Mio Dollar hat und 2007 in Dollar eine Rendite von 7,7% erzielte. Patrik Huber von der responsAbility-Geschäftsleitung betont, dass die Zinssätze der Mikrofinanzinstitutionen, mit denen responsAbility zusammenarbeite, stark variieren, von der Kreditgrösse abhängen und in reiferen Märkten mit mehr Wettbewerbern wie Peru tendenziell tiefer seien. «Der Durchschnitt aller Mikrofinanzinstitutionen in unseren Portfolios beträgt rund 30% und liegt somit im weltweiten Schnitt», sagt Huber. responsAbility weiss um die Brisanz des Themas und hat in einem Diskussionspapier erläutert, warum die Kreditzinsen von Mikrofinanzinstitutionen gerechtfertigt sind. So ermöglichen Mikrokredite oft einen Effizienzgewinn, der für die Kreditnehmer so hoch ist, dass die Zinsen dabei eine untergeordnete Rolle spielen.

ResponsAbility macht nicht an der Initiative von MF Transparency mit. Aber Huber betont, Transparenz sei ein wichtiges Thema und man nehme deshalb an der CGAP-Initiative «Responsible Finance» teil, einer Initiative der wichtigsten Finanzierer von Mikrofinanzinstitutionen.

Branche erst am Durchstarten

Experten gehen davon aus, dass bis 2010 rund 20 Mrd Dollar weltweit in Mikrokrediten angelegt werden, letztes Jahr waren es 4,4 Mrd Dollar. Zunehmend interessant sind Mikrofinanzanlagen nicht nur wegen des Trends der sozialen Investments, sondern auch, weil die Ausfallrisiken viel geringer sind als bei konventionellen Krediten. Die Ausfallrate liegt durchschnittlich bei nur 1%.