Nutzfahrzeuge sind ein verlässlicher Konjunkturindikator. Gehen die Bestellungen und die Verkäufe zurück, muss mit einer nachfolgenden Konjunkturflaute gerechnet werden. Noch laufen die Geschäfte der Hersteller schwerer wie leichter Nutzfahrzeuge recht gut. Branchenleader Daimler Trucks konnte in den ersten neun Monaten dieses Jahres den Gesamtabsatz noch um 4% steigern, MAN legte gar noch 16% zu. Anders präsentiert sich die Situation mit Blick auf den Auftragseingang, hier sind die Veränderungsraten bereits negativ. Volvo Trucks erhielt im 3. Quartal 2008 55% weniger Bestellungen, bei Scania und MAN waren es 30% weniger.

Nicht nur in West- und Osteuropa gehen die Bestellungen neuer Trucks zurück, auch in den USA – dem grössten Einzelmarkt der Welt – ist die Absatzentwicklung negativ: So verkaufte Daimler Trucks (Freightliner, Western Star, Thomas Built Buses) bis Ende September 22% weniger Trucks in den Vereinigten Staaten von Amerika. Auch in Japan und teilweise in den übrigen asiatischen Ländern ist eine stärkere Zurückhaltung beim Kauf neuer Lastwagen festzustellen.

Für die Hersteller heisst dies Zurückfahren der Produktion und Anpassung an das niedrigere Absatzniveau, welches für das kommende Jahre erwartet wird. Für Andreas Renschler, Chef der weltweit tätigen Daimler Trucks, zählt eine schnelle Umsetzung von Personal-Flexibilisierungsmassnahmen zu den wichtigsten Aktionen. Bereits hat die Marke mit dem Stern die US-Tochter Sterling geschlossen. Volvo Trucks hat Ende Oktober den Abbau von 2800 Stellen bekannt gegeben, und Scania lässt die Verträge der Temporärbeschäftigten in der Produktion auslaufen.

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In diesem Jahr dürften die Immatrikulationen wohl nochmals die Höhe des Vorjahres erreichen, aber 2009 muss mit einer Abschwächung der Nachfrage gerechnet werden. Ein Lichtblick ist allerdings, dass der Absatz von Nutzfahrzeugen längerfristig sich wieder erhöhen wird. In vielen Ländern der Welt ist der Lastwagen praktisch das einzige Verkehrsmittel zur Versorgung der einzelnen Volkswirtschaften. Dies trifft vor allem für Lateinamerika, aber auch für Asien und Afrika zu. Zugleich sind die Hersteller mit hohem Aufwand bemüht, die Effizienz des Nutzfahrzeuges weiter zu steigern. Wenn sich auch das Wachstum in den wichtigsten Regionen der Welt abschwächt, das zu transportierende Gütervolumen weist noch immer respektable Dimensionen auf. Ein nicht geringer Anteil davon wird mit dem Lastwagen befördert. Die positive Losung für die Hersteller heisst also: Transportiert wird immer.