Als sich der 1957 in Basel geborene Bernhard Burgener 1983 selbstständig machte und mit der Rainbow Video in Pratteln seine erste Firma gründete, hätte ihm niemand zugetraut, dass er Jahre später Chef eines der wichtigsten Unternehmen Europas im Bereich Sportrechtevermarktung und Film wird. Doch genau dies wird jetzt durch die Zusammenführung der von ihm geleiteten Highlight Communications, die in der Herstellung von Kinofilmen und TV-Serien sowie im Sport- und Eventmarketing tätig ist, mit der EM.Sport Media und der Constantin Realität. Zuvor schon hatte sich die Highlight über die zu ihr gehörende Sportmarketing-Agentur TEAM bis 2012 die TV-Vermarktungsrechte für die Uefa Champions League gesichert. Darüber hinaus kontrolliert Highlight knapp 98% an der namhaften Filmfirma Constantin, die bekannte Streifen wie «Der Schuh des Manitu», «Das Parfum», den Hitler-Film «Der Untergang», «Die weisse Massai» und zuletzt «Der Baader Meinhof Komplex» produzierte.

Leo Kirch im Hintergrund

Bereits im September 2007 war die Münchner EM.Sport Media, an welcher der Medienunternehmer Leo Kirch einen Anteil von 17% besitzt, als Grossaktionärin bei der an der Deutschen Börse in Frankfurt kotierten Highlight eingestiegen. Alle drei Firmen sind bereits über ein Geflecht von gegenseitigen Beteiligungen miteinander verbunden. Nun werden sie unter dem Dach der EM.Sport Media vereint, die in Constantin Medien umbenannt wird.

Noch vor der Geburt der neuen Constantin Medien hat die Gruppe allerdings «marktbedingte Wertberichtigungen» von bis zu 135 Mio Euro bekanntgegeben, die im Gesamtjahr 2008 zu einem Verlust führen werden. Offensichtlich wurde in den Bilanzen der beteiligten Firmen reiner Tisch gemacht. Dass die bisherigen Aktionäre, darunter Highlight-Chef Bernhard Burgener und Leo Kirch, an das Potenzial der Constantin Medien glauben, unterstreichen sie, indem sie selbst im Rahmen einer geplanten Kapitalerhöhung zusätzliche Aktien übernehmen wollen.

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Vorstandsvorsitzender des neuen Film- und Sportrechte-Riesen Constantin Medien wird Bernhard Burgener, der wenig bekannte Selfmade-Unternehmer aus Basel, der als kleiner Knabe einst davon träumte, im internationalen Filmgeschäft eine grosse Rolle zu spielen.

 

 

nachgefragt


«Zuversichtlich für Sportrechte-Vermarktung»

Highlight- und EM.Sport-Media-Chef Bernhard Burgener über die Dreierallianz mit Constantin-Film.

EM.Sport möchte mit der Highlight Communications und der Filmfirma Constantin eine Dreier-Allianz schmieden: Welchen Mehrwert bringt das den Aktionären?

Bernhard Burgener: Wir glauben an die Zukunft des neuen Medienkonzerns mit seinen erfolgreichen Beteiligungsgesellschaften. Dank kurzen Entscheidungswegen können Chancen unverzüglich genutzt und Risiken rasch eliminiert werden. Dabei legen wir gegenüber unseren Kunden Wert auf Kontinuität und schaffen Transparenz für die Kapitalmarktteilnehmer.

Welchen Anteil werden Sie an der künftigen Gesellschaft halten? Wie viel halten übrige Grossaktionäre?

Burgener: Ich halte derzeit Anteile von 4% an der EM.Sport Media AG und plane, diese Beteiligung zeitnah auf 10% auszubauen. Die KF 15 hält 17%, Highlight hält 8%, Erwin Conradi, der frühere Metro-Manager, hält 6,7%, MarCap, ein Investmentfonds, hält 5%. Im Streubesitz sind rund 60%.

Wie sollen die verbleibenden freien Aktionäre der drei Unternehmen entgolten werden?

Burgener: Bei der EM.Sport Media planen wir eine Kapitalerhöhung von 10% unter Wahrung der Bezugsrechte. Darüber hinaus sind derzeit keine Massnahmen geplant, aus welchen eine Abgeltung gegenüber den Aktionären der drei börsenkotierten Unternehmen Highlight, Constantin und EM.Sport Media resultieren würde.

Inwiefern bekommen Highlight und Constantin die Konjunkturabschwächung in Deutschland und generell in Europa zu spüren?

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Burgener: Die Lage an den Finanzmärkten und die Einschätzung der künftigen Marktentwicklung führen zu ausserplanmässigen Wertberichtigungen und Fair-Value-Anpassungen. Die Businesspläne müssen wie bei den meisten Unternehmen nun überarbeitet werden.

Welche Erwartungen haben Sie für die Umsatz- und Gewinnentwicklung bis Ende Jahr?

Burgener: EM.Sport Media wird als Konzern im Geschäftsjahr 2008 einen deutlichen Verlust ausweisen. Mehr können wir derzeit nicht sagen. Die Zahlen für das 3. Quartal 2008 werden am 27. November 2008 veröffentlicht.

Welche Prognosen machen Sie für 2009?

Burgener: Wir müssen die weitere Entwicklung und die Zahlen des laufenden Geschäftsjahres abwarten. Eine Prognose für 2009 ist derzeit nicht möglich.

Wie entwickelt sich angesichts der schlechteren Wirtschaftsaussichten die Vermarktung der Rechte an der Uefa Champions League?

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Burgener: Unsere Vermarktungsgesellschaft TEAM hat uns Zufriedenheit mit den bisher erzielten Ergebnissen signalisiert.

Ist bei TEAM die Wirtschaftsabschwächung spürbar?

Burgener: Wir können nicht ausschliessen, dass sich die Konjunkturabschwächung, insoweit sie mit einer Reduktion der Werbeausgaben einhergeht, auch für TEAM spürbar werden wird. Grundsätzlich sind wir aber, was das TEAM-Geschäft anbelangt, sehr zuversichtlich. Wir haben ein hochprofessionelles Management, das die Marktsituation laufend beobachtet und rasch auf Veränderungen reagieren kann.