Noch sind die letzten Details der Sanktionen der Europäischen Union (EU) gegen Russland nicht bekannt. Doch die Unsicherheit in einigen Branchen ist hoch, etwa bei den Autobauern. Branchenvertreter befürchten, dass die Sanktionen auch europäische Unternehmen belasten werden. Das Car Institut in Düsseldorf hat nun untersucht, wie stark die deutschen Autobauer betroffen sind. Wie andere Automärkte verläuft auch der russische sehr zyklisch und reagiert empfindlich auf politische und wirtschaftliche Einflüsse – deshalb ist die Entwicklung auf diesem Markt ein gutes Barometer für die gesamte Investitionsstimmung.

Fakt ist: Die Autoverkäufe in Russland gingen im Juni deutlich zurück. Im gesamten ersten Halbjahr wurden in Russland 1,23 Millionen Fahrzeuge verkauft. Dies sind 7,8 Prozent weniger als noch in der Vorjahresperiode. Nun rechnet das Car Institut auch für die zweite Hälfte des Jahres mit einem verstärkten Absatzrückgang. Insgesamt dürften in Russland  2014 nur noch 2,2 Millionen Autos verkauft werden – das wäre ein Minus von über 20 Prozent gegenüber 2013, und über 25 Prozent im Vergleich zu 2012 (siehe Grafik unten). Diese Entwicklung dürfte Volumenhersteller wie Opel härter treffen als Premiumhersteller als Porsche oder BMW. Entsprechend besorgt dürfte auch Schweizer Zulieferer sein.

Volumenhersteller sind eher betroffen

Doch Russland ist für die europäischen Autobauer nur ein kleiner Markt. Zwar verkauft etwa Skoda als Mitglied der Volkswagen-Gruppe 12,2 Prozent seiner Fahrzeuge nach Russland. Skoda stellt jedoch nur einen kleinen Teil der VW-Gruppe da. Der Einfluss ist nun etwas grösser, da VW  die Produktionskapazitäten in Russland ausgebaut hat.

Anzeige

Laut Car Institut verkauft Landrover relativ betrachtet am meisten nach Russland und würde demnach – selbst bei einem deutlichen Absatzeinbruch – nur einen Volumenrückgang von ein bis zwei Prozent verzeichnen. Obwohl die Fahrzeuge in der Regel deutlich höherwertig ausgestattet sind, schätzt das Car Institut den Ertragsausfall für die Hersteller daher als «überschaubar» ein. Sofern der Ukraine-Konflikt keine grösseren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hat – dürfte es bei kleineren Umsatz- und Gewinneinbussen bleiben. Andernfalls würden die Automobilhersteller erneut von einer Krise getroffen.

Schweizer Exporte nach Russland sind gering

Gleiches dürfte übrigens für die Schweiz insgesamt gelten. Für einige Branchen wie den Finanzsektor oder den Rohstoffhandel dürften die schärferen Sanktionen vor Herausforderungen stellen. Doch davon abgesehen spielt Russland für die Gesamtwirtschaft nur eine untergeordnete Rolle: Im ersten Halbjahr 2014 gingen gerade einmal 1,2 Prozent aller Schweizer Güterexporte nach Russland. Der Wert der Ausfuhren nach Russland belief sich auf 1,28 Milliarden Franken – gegenüber knapp 103 Milliarden Franken insgesamt.

Bleibt die Ukraine-Krise also ein regionales Problem und eskaliert nicht zu einer weltweiten Bedrohung, dürften die Auswirkungen also auch für die Schweiz begrenzt bleiben.