Das anstrengende Werben um Talente fordert Schweizer Unternehmer in den kommenden zwölf Monaten am meisten heraus. Das ergibt die jüngste Trendbarometer-Umfrage der Managerzeitschrift «io new management». 21 Experten aus Wissenschaft und Praxis nennen in der halbjährlich durchgeführten Umfrage die grössten Herausforderung für Unternehmer und zeigen auf, wie diese gemeistert werden können.

Der seit drei Jahren anhaltende globale Wirtschaftsaufschwung hinterlässt immer deutlichere Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen wachsen schnell, bauen ihre Geschäftstätigkeiten aus – und brauchen dafür neues Personal. Verstärkt wird diese Situation, weil einige Branchen auf Wechselwillige während längerer Zeit keinen attraktiven Eindruck machten oder sich zu wenig um das Thema kümmerten. Beispiel Energiesektor: Als in den 80er und 90er Jahren der Ölpreis im Durchschnitt deutlich unter 20 Dollar pro Fass verharrte, hatte niemand mehr Interesse, sich in diesem Gebiet auszubilden. Eine nächste Generation von Geologen und weiteren Energiespezialisten kann nicht von heute auf morgen ausgebildet werden.

Bruno Staffelbach, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Zürich, ist überzeugt davon, dass sich die Lage noch zuspitzen wird, wenn jetzt nicht die notwendigen Schritte eingeleitet werden: «Wer heute die Jungen nicht gewinnen kann, wird dies angesichts der demografischen Entwicklung kaum mehr nachholen können.» Roland-Berger-Chef Schweiz Carsten Henkel empfiehlt Unternehmern, insbesondere Hochschulabsolventen attraktive Arbeitsplätze und Karrierechancen zu bieten. Mittel zum Zweck ist für Kollege Thomas Meyer von Accenture eine aggressive Personalwerbung sowie eine leistungsorientierte Kompensation durch Lohn und Bonus. CEO Hubert Achermann von KPMG Schweiz ergänzt: «Unternehmen müssen sich öffnen und kreative, gebildete und starke Persönlichkeiten aus verschiedenen Kulturen in ihre Arbeitswelt integrieren. Diese Diversität, kombiniert mit multidisziplinären und vielseitigen Aufgaben, schafft ein inspirierendes, innovatives, offenes und internationales Umfeld.» Gemäss mehreren Experten macht ABB vor, wie man als Unternehmen Talente anlockt.

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Der Kampf um qualifizierte Mitarbeiter schafft es auf Anhieb auf den ersten Rang. Ebenfalls erstmals in der Rangliste zu finden sind der Klimawandel (Rang 4), die Verlagerung der Wertschöpfung nach Fernost (5) und das Risikomanagement (10). Um drei Ränge vorgerückt sind im Vergleich zum Januar Mergers & Acquisitions (2).


Die Verliererthemen

In der letzten Umfrage noch Spitzenreiter, ist die wachsende Bedeutung von China und Indien in der aktuellen Rangliste nicht mehr zu finden. Die Globalisierung büsst sechs Plätze ein und rangiert neu auf Platz 8. Ebenfalls zurückgefallen ist die Internationalisierung von Konzernen (minus zwei Ränge auf Platz 6). Unverändert bleiben die Positionen Innovation (3), Standortwettbewerb (7) und Rohstoffpreise (9). Nicht mehr vertreten sind der erhöhte Wettbewerb durch chinesische Firmen, neue Technologien und Geschwindigkeit.

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Weitere Informationen: «io new management» (aus der Verlagsgruppe Handelszeitung), Ausgabe 7/8; www.ionewmanagement.ch

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Umfrage: Hochrangige Expertenrunde

Methode: Wie kommen die Trendaussagen zustande? Das «io new management»-Trendbarometer stützt sich dabei auf die Delphi-Methode. Im ersten Teil der schriftlichen Umfrage nennen die Experten die wichtigsten Einflussfaktoren, mit denen sich Unternehmer in den nächsten zwölf Monaten konfrontiert sehen. Im zweiten Schritt bewerten sie alle Faktoren gemäss einem Punktesystem. Die Summe der einzelnen Bewertungen ergibt die Rangliste.

Expertenteam: Hubert Achermann, CEO KMPG, Zürich; Peter Athanas, CEO Ernst & Young, Zürich; Roman Boutellier, Professor für Technologie- und Innovationsmanagement, ETH Zürich; Leo Brecht, Managing Director Arthur D.Little, Zürich; Manfred Bruhn, Professor für Betriebswirtschaftslehre, Universität Basel; Fritz Fahrni, Professsor für Technologiemanagement und Unternehmensführung, ETH Zürich und Universität St. Gallen; Roland Haag, Geschäftsführender Partner Booz Allen Hamilton, Zürich; Carsten B. Henkel, Managing Partner Roland Berger Consultants, Zürich; Joris D’Incà, Director Mercer Management Consulting, Zürich; Georg von Krogh, Professor für strategisches Management und Innovation, ETH Zürich; Fredmund Malik, Professor und Präsident des Malik Management Zentrums, St. Gallen; Thomas D. Meyer, CEO Accenture, Zürich; Markus R. Neuhaus, Geschäftsführender Partner PricewaterhouseCoopers, Zürich; Hubert Oesterle, Professor für Wirtschaftsinformatik, Universität St. Gallen; Paul Schönsleben, Professor und Leiter des ETH-Zentrums für Unternehmenswissenschaften (BWI), ETH Zürich; Bruno Staffelbach, Professor für Betriebswirtschaftslehre, Universität Zürich; Norbert Thom, Professor für Organisation und Personal, Universität Bern; Torsten Tomczak, Professor für Marketing und Handel, Universität St.Gallen; Hugo Tschirky, Professor am Departement Management, Technology and Economics, ETH Zürich; Elmar Wiederin, Leiter Boston Consulting Group, Zürich; Heinrich Zetlmayer, Country Leader IBM Global Business Services, IBM Schweiz.

Nachfrage: Das Institut für Unternehmensführung, FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, führt eine Untersuchung zum Bildungsmarkt durch: Es erhebt bei den 1600 grössten Unternehmen der Schweiz die Nachfrage nach Weiterbildungsangeboten auf Managementstufe. Die Umfrage gibt Aufschluss über unternehmerische Bedürfnisse in Bezug auf Weiterbildung. Die Ergebnisse werden im September publiziert (www.fhsg.ch/ifu).