Schon letzte Woche liessen Gerüchte über ein mögliches Zusammengehen des Medizinalkonzerns Synthes mit dem amerikanischen Konsumgüter- und Pharmakonzern Johnson & Johnson die Synthes-Papiere in die Höhe schnellen. Nun hat Synthes bestätigt: Ja, es werden Gespräche geführt. Und zwar als Reaktion auf die Spekulationen am Markt.

Weitere Erklärungen will das Unternehmen erst abgeben, wenn eine Einigung erzielt oder die Verhandlungen abgebrochen sind. Die Börse kümmert das vorerst nicht: Die Synthes-Aktien haben zu einem Höhenflug angesetzt. Schon am Freitag hatten sie um 6,2 Prozent zugelegt, am Montag ging die Rally weiter.

Die grosse Frage aber ist: Will Synthes-Hauptaktionär Hansjörg Wyss sein Lebenswerk tatsächlich versilbern? ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger ist skeptisch: „Warum soll Wyss, der nie etwas von einem Verkauf wissen wollte, seine Meinung plötzlich geändert haben?“ Das sei zwar nicht völlig auszuschliessen, aber es gebe noch ein weiteres Problem: Zusammen kämen Synthes und Johnson & Johnson im Bereich Trauma auf 55 Prozent Marktanteil. Dies könnte zu Problemen mit den Wettbewerbsbehörden führen.

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Wie auch immer: Zentrale Figur in einem allfälligen Deal bleibt ohnehin Hansjörg Wyss. Er ist Verwaltungsratspräsident und besitzt 47,8 Prozent der Aktien. Und deswegen, sagt Bischofberger, sei auch - wenn überhaupt - nur eine freundliche Übernahme denkbar.

Eine Erfolgsgeschichte

Wyss ist es auch, der die Firma erst zu dem gemacht hat, was sie heute ist: Ein Milliardenunternehmen mit 10'000 Mitarbeitern, einem Jahresumsatz von 3,7 Milliarden Dollar und einem Börsenwert von mindestens 20 Milliarden.

Angefangen hat die Geschichte sehr bescheiden: Die Ursprünge des Unternehmen gehen auf das 1954 gegründete Institut Straumann in Waldenburg (BL) zurück. 20 Jahre später wurde das Amerika-Geschäft von Straumann unter dem Namen Synthes verselbständigt. Hansjörg Wyss übernahm die Geschäftsleitung und eroberte in der Folge mit Knochennägeln und Schrauben den amerikanischen Gesundheitsmarkt.

1990 kaufte Wyss in einem Management-Buy-out dem Institut Straumann das ganze Medtechgeschäft ab und ging damit (noch unter dem Namen Stratec) 1996 an die Börse. Drei Jahre später erfolgte die Fusion mit Synthes - und der Aufstieg zum Star in der Medtech-Branche.

Sicherung des Lebenswerks?

Hansjörg Wyss, inzwischen Mitte 70, hat Fragen nach seiner Nachfolge immer unbeantwortet gelassen. Erst vor vier Jahren gab der öffentlichkeitsscheue Berner die operative Leitung ab. Aber als VR-Präsident ist er immer noch die prägende Figur von Synthes.

Zwar sitzt seit 2008 auch seine einzige Tochter im Verwaltungsrat, Beobachter erachten es aber als unwahrscheinlich, dass sie in die Fussstapfen ihres Vaters tritt. Ob nun Wyss, um sein Lebenswerk zu sichern, plötzlich auch einen Zusammenschluss oder Verkauf nicht mehr ausschliesst? Die Frage bleibt offen.

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Informieren will Synthes erst wieder, wenn konkrete Resultat vorliegen – oder die Gespräche abgebrochen sind. Hansjörg Wyss selbst äussert sich ohnehin nie öffentlich.

(cms/rcv)