Fast zehn Jahre ging, respektive fuhr Chrysler mit dem deutschen Konzern Daimler zusammen. Jürgen Schrempp, der frühere Chef der deutsch-amerikanischen Firmenkonstruktion, hatte diese «Verheiratung» einst euphorisch als «Welt AG» gepriesen.

Das alles ist Vergangenheit. Seit der US-Investor Cerberus letztes Jahr 80,1% der Chrysler-Anteile von den Deutschen kaufte, glaubt das Management des US-Autoherstellers wieder stärker als bisher an die Zukunft. Allerdings drängt der neue Besitzer deutlich auf Effizienz. Als jüngste Massnahme sind zweiwöchige «Zwangsferien» im Juni zu sehen, die für Chryslers Werke angesetzt worden sind, um die Überproduktion zu bremsen. Schon zu Jahresbeginn hatte das Management bekannt gegeben, dass das Fahrzeugprogramm gestrafft werde. Die Produktion der Modelle PT Cruiser Cabriolet, des Sportcoupés Crossfire sowie des ausschliesslich für den US-Markt bestimmten Pacifica wird eingestellt.

Absatzprobleme spüren die Amerikaner, die neu unter dem Firmennamen Chrysler LLC mit ihren drei Marken Chrysler, Jeep und Dodge auftreten, vor allem auf dem Heimmarkt, während die Geschäfte ausserhalb Nordamerikas recht gut laufen, wie Thomas Hausch, Vice President International Sales bei Chrysler in Detroit, erklärt. Nicht zuletzt hierzulande konnte 2007 nach Firmenangaben ein Absatzplus von 3,8% auf 3368 immatrikulierte Neuwagen ausgewiesen werden. Die Chrysler Switzerland GmbH meldet, was die Auftragseingänge betrifft, erfreuliche Zahl.

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Jeep: Verbrauch deutlich gesenkt

Um für die Zukunft gewappnet zu sein, hat Chrysler ? noch zu den Zeiten der Welt AG ? verschiedene neue Modelle aufgelegt. Sie zeichnen sich durch ein gewisses Downsizing aus, sind also nicht mehr auf Grösse und überstarke Motoren fokussiert, wie das weit gehend heute noch zur Strategie amerikanischer Hersteller gehört. Allerdings macht Hausch klar, «dass Chrysler das Segment grosser Geländewagen und Sport Utility Vehicle (SUV) nicht aufgibt», ein Segment, in dem die Amerikaner mit der Marke Jeep, trotz hoher Benzinpreise, nach wie vor gut vertreten seien.

Die Schweiz sei zwar ein kleiner, aber ein durchaus wichtiger Markt. Fahrzeuge wie der neu aufgelegte Jeep Grand Cherokee oder der vor zwei Jahren eingeführte Jeep Commander sind gemäss Hausch Beweis für die besonders auf unsere Regionen ausgerichtete, starke Palette. Allerdings setzt Chrysler nicht allein auf die grossen «Brocken». Gut im Rennen um die Gunst der Jeep-Kundschaft liegt weiterhin der klassische Jeep, der Wrangler. Und für die Zukunft machen sich die Chrysler-Manager Gedanken über einen noch kompakteren, sportlichen Jeep, der in Genf als Jeep Concept Renegade zu sehen war. Ein Ergebnis des aktuellen Downsizing ist der Jeep Compass. Hausch weist darauf hin, dass dieses Fahrzeug mit Dieselmotor während Testfahrten bessere Verbrauchsergebnisse erzielt habe als vergleichbare Fahrzeuge der deutschen Konkurrenz. Gemessen wurden 6,4 l für 100 km.

Dodge: In Mittelklasse zuhause

Ausserdem positioniert sich Chrysler in der Mittelklasse mit seiner Marke Dodge. Erst kürzlich wurde die Limousine Avenger lanciert, mit der die Amerikaner gegen den Ford Mondeo anfahren wollen. In der Golf-Klasse ist Dodge mit dem Caliber präsent.

Chrysler: Familie nicht vergessen

Ergänzt wird das Angebot durch die Hausmarke Chrysler. Auch sie hat international und damit auch in der Schweiz Erfolge zu verzeichnen. Gut bei den Kunden kommen der kompakte 300C, eine mächtige amerikanische Limousine, sowie der bei Familien beliebte Voyager an. Neu aufgelegt wurde sodann der Sebring. Das Auto ist sowohl als viertürige Limousine als auch als zweitüriges Cabriolet lieferbar.

Mit diesem Modellmix, so ist Thomas Hausch überzeugt, werde Chrysler auf dem internationalen Parkett seinen Erfolgskurs fortsetzen. 2007 wurden ausserhalb Nordamerikas 238000 Fahrzeuge verkauft, ein Plus von stolzen 15% gegenüber 2006.

 

 

NACHGEFRAGT


«Vieles läuft einfacher ab»

Der Deutsche Thomas Hausch ist Vice President International Sales bei Chrysler in Detroit.

Was hat sich geändert, seit der Investor Cerberus 80,1% der Chrysler-Aktien übernommen hat?

Thomas Hausch: Die Eigentümerverhältnisse haben sich grundlegend geändert. Chrysler gehört jetzt einer Gesellschaft und ist nicht mehr an der Börse kotiert. Das hat den Vorteil, dass wir nicht jedes Vierteljahr auf das Ergebnis schielen müssen und gezielter und ausgeprägter langfristig planen können.

Ein Investor will Gewinne sehen. Zudem stellt sich die Frage, was das Cerberus-Management vom Autogeschäft versteht?

Hausch: Ich kann versichern, dass im Cerberus-Management Leute sitzen, die vom Autogeschäft einiges verstehen. Natürlich will ein Investor Gewinne sehen. Aber die Leute verstehen sehr wohl, dass ohne Investitionen in neue Modelle kein Geld verdient werden kann. Dementsprechend stehen finanzielle Mittel für Neuentwicklungen bereit.

Chrysler sieht sich also bei Cerberus besser aufgehoben als früher bei Daimler?

Hausch: Es liegt mir fern, unsere frühere Muttergesellschaft zu kritisieren. Doch heute läuft einiges einfacher ab. Dafür ein Beispiel: Wenn wir, wie kürzlich geschehen, ein Joint Venture mit einer chinesischen Firma abschliessen, müssen wir nicht mehr auch noch deutsche Arbeitnehmervertreter um Erlaubnis fragen.

Nachgefragt Thomas Hausch, Chrysler

?Vieles läuft einfacher ab?

Thomas Hausch ist Vice President International Sales bei Chrysler.

Was hat sich geändert, seit der Investor Cerberus 80,1% der Chrysler-Aktien übernommen hat?

Thomas Hausch: Die Eigentümerverhältnisse haben sich grundlegend geändert. Chrysler gehört jetzt einer Gesellschaft und ist nicht mehr an der Börse kotiert. Das hat den Vorteil, dass wir nicht jedes Vierteljahr auf das Ergebnis schielen müssen und gezielter und ausgeprägter er langfristig planen können.

Ein Investor will Gewinne sehen. Zudem stellt sich die Frage, was das Cerberus-Management vom Autogeschäft versteht?

Hausch: Ich kann versichern, dass im Cerberus-Management Leute sitzen, die vom Autogeschäft einiges verstehen. Natürlich will ein Investor Gewinne sehen. Aber die Leute verstehen sehr wohl, dass ohne Investitionen in neue Modelle kein Geld verdient werden kann. Dementsprechend stehen finanzielle Mittel für Neuentwicklungen bereit.

Chrysler sieht sich also bei Cerberus besser aufgehoben als früher bei Daimler?

Hausch: Es liegt mir fern, unsere frühere Muttergesellschaft zu kritisieren. Doch heute läuft einiges einfacher ab. Dafür ein Beispiel: Wenn wir, wie kürzlich geschehen, ein Joint Venture mit einer chinesischen Firma abschliessen, müssen wir nicht mehr auch noch deutsche Arbeitnehmer-Vertreter um Erlaubnis fragen. Interview: Michael Rehsche