Vom Sitzungszimmer haben Besucher freien Blick auf die Produktionshalle. In einer Reihe stehen die noch unbemalten Rohbauten in den verschiedenen Fertigungsstadien: Bei einem Bus werden gerade die Aluminiumprofile miteinander verschraubt. Daneben klebt ein Facharbeiter zwei Alu-Teile zusammen. Bis ein Bus fertig montiert ist, dauert es rund zehn Wochen.

«Heute besteht die Front aus Polyester, nicht mehr aus Blech wie früher», sagt Geschäftsführer Alex Naef. Der Ingenieur verkörpert die dritte Generation Naef, welche die Firma führt. Zuvor haben zwei Generationen Hess sie geprägt. Seit der Gründung haben sich bei Carrosserie Hess nicht nur die Arbeitsabläufe verändert, auch der Standort: 1946 ist das KMU aus Platzgründen aus Solothurn in den Vorort Bellach gezogen.

Ressourcenschonende Methoden

Einem Werkstoff ist man jedoch seit den 1930er Jahren treu geblieben: Aluminium. Damals löste das leichte Metall das Holz als Werkstoff ab. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern, die statt Aluminium Stahl verwenden. Der Vorteil des Materials liegt für Alex Naef auf der Hand: «Aluminium ist nicht nur leichter, sondern korrosionsbeständiger und umweltfreundlicher bei der Produktion.» Ein weiterer Pluspunkt: Weil Alu nicht rostet, hat es eine höhere Lebensdauer. Zudem ist der Anteil an recyceltem Aluminium bei der Produktion der Karosserien hoch.

Anzeige

Das Engagement für die Umwelt war mit ein Grund, weshalb Carrosserie Hess den Solothurner Unternehmerpreis 2008 erhalten hat. Nebst den Materialien wird ebenfalls bei der Herstellung der Busse auf ressourcenschonende Methoden geachtet. Beim Zusammenfügen der Aluminiumprofile setzte man schon früh auf energieschonendes Verschrauben als auf energieaufwendigeres Schweissen.

Umweltfreundlich sind auch die meisten Produkte: Allen voran der energiesparende Trolleybus. Er entspricht, so Alex Naef, einem Trend, der zurzeit beim öffentlichen Verkehr (ÖV) zu beobachten ist: «Ein Trolleybus gehört zur Lebensqualität einer Stadt.» Immer mehr Kunden interessieren sich auch für Hybridbusse mit reduziertem Dieselverbrauch. Diese basieren auf einer Mischung aus Diesel- und Elektroantrieb. Doch am saubersten sind die elektrobetriebenen Trolleybusse. Ihre Räder gewinnen beim Abwärtsfahren und Bremsen sogar Energie zurück, statt sie zu verbrauchen.

Alex Naef ist überzeugt, dass der Bus der Zukunft einen elektrischen Antrieb hat. Der Strom komme je nach technischer Entwicklung aus Oberleitungen, Generatoren oder aus Speichermedien. Die Zeiten für den ÖV seien gut, da manche öffentliche Transportunternehmung nach den sparsameren 1990er Jahren nun wieder investieren. Um die erhöhten Verkehrsfrequenzen zu absorbieren, sind heute auch längere Vehikel gefragt. Alex Naef freut sich, dass seine Firma die einzige ist, die 25-m-Busse auf der Strasse hat: «Wir haben eine gute Position, die wir weiterentwickeln wollen.»

Und die Niederflurbusse entsprechen den gestiegenen Ansprüchen an den ÖV. Sie sind mit einem Gelenk in 18 m oder mit zwei Gelenken in 25 m Länge erhältlich. Mit der grösseren Fläche können sie 30 bis 40% mehr Passagiere transportieren als herkömmliche Busse. Bereits heute prägen die 25-m-Busse in vier Schweizer Städten das Bild des ÖV. Nach Genf, Luzern und Zürich hat sich St. Gallen für die modernste Generation entschieden.

Anzeige

Reduzierte Kinderkrankheiten

Auf eine in Zürich beobachtete «Kinderkrankheit» des Niederflurbusses angesprochen, erklärt Alex Naef: «Bei modernen Bussen sind rund 70% der Störungen bei der Elektronik und den Türen zu beobachten. Wir hatten mit den Vordertüren tatsächlich mehr Ärger als üblich.» Es werde indes alles getan, um Störungen dieser Art auf ein Minimum zu reduzieren.

Neu ist bei den Niederflurbussen der veränderte Innenraum, in der Fachsprache Fahrgastzelle genannt. Der Platz ist einerseits geräumiger, andererseits beeinflusst das hoch in den Raum hineinragende Rad die Gestaltung. Bei den neuen Bussen hat Hess auch einen grossen Schritt in Richtung Design gemacht, etwa bei der Gestaltung der Sessel oder Haltestangen. «Neben dem funktionell Richtigen ist in den letzten Jahren die ästhetische Attraktivität wichtiger geworden», ergänzt Alex Naef.

Anzeige