Die Angst vor der Datenkrake Facebook war gross: Vor genau einem Monat machte der kalifornische Tech-Konzern publik, den Nachrichtendienst Whatsapp übernehmen zu wollen. Was passiert mit meinen persönlichen Daten, fragten sich viele Whatsapp-Nutzer in der Schweiz nach Bekanntgabe des Mega-Deals. Immerhin sammelt Facebook massenhaft Informationen – und wer alles Zugang dazu erlangt, weiss niemand so genau. 

Entsprechend grossen Zulauf erhielten die Alternativen von Whatsapp in den darauffolgenden Tagen: Binnen weniger Stunden verdreifachten sich etwa die Downloads von iO, dem Nachrichtendienst der Swisscom. Die Zahl der neu registrierten Nutzer des Schweizer Messengers Threema verdoppelten sich. Entsprechend bemüht ist Whatsapp seitdem, die Bedenken der Nutzer zu zerstreuen.

«Persönliche Angelegenheit»

Erst in dieser Woche beteuerte Gründer Jan Koum, das Thema Datenschutz sei für ihn eine persönliche Angelegenheit. «Ich wurde in der Ukraine geboren und wuchs in der UdSSR während der 1980er Jahre auf.» Entsprechend gross sei der Respekt gegenüber der Privatsphäre der Nutzer, dieser sei sogar «in unserer DNA kodiert», schrieb Whatsapp-Gründer Koum in einem Blogbeitrag. Nach der Übernahme durch Facebook würde Whatsapp Nutzerdaten auch künftig weder erfassen noch speichern.

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Spricht aus diesen Worten die Furcht, Whatsapp-Nutzer könnten dem Messenger im grossen Stil den Rücken kehren? Gut möglich. Mit Blick auf die Schweizer Kunden jedoch scheint die Sorge allenfalls begrenzt angebracht: Keine Alternative kann Whatsapp bislang nur ansatzweise die Rolle als Platzhirsch unter den Nachrichtendiensten streitig machen. Die Empörung in den Tagen nach dem Facebook-Deal erweist sich als Strohfeuer.

Nur noch wenig Interesse an Threema, iO und Telegram

Darauf gibt es diverse Hinweise. Internetnutzer in der Schweiz haben einen Monat nach der Übernahme kaum noch ein Interesse an Whatsapp-Alternativen, wie eine Auswertung von Suchanfragen bei Google zeigt: Explodierte das Interesse an Threema, iO, der russischen Alternative Telegram und anderen Anbietern in den Tagen nach dem 20. Februar, hat die Beliebtheit nach diesen Suchbegriffen inzwischen wieder stark abgenommen. Die gestellten Suchanfragen sind so gering, dass Google nicht mehr genügend Daten findet, um sie im Chart anzuzeigen. Deshalb wird für Threema, iO und Telegram inzwischen nur noch ein Null ausgewiesen.

Diesen Abwärtstrend bestätigt eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Link, die das Vergleichsportal Comparis.ch nun veröffentlichte. Dafür wurden kürzlich 1200 Personen schweizweit telefonisch befragt. Ein zentrales Ergebnis: Trotz zweifelhafter Datensicherheit und umstrittener Übernahme durch Facebook bleibt Whatsapp unangefochtener Marktführer.

Nur fünf Prozent haben gewechselt

Vier von fünf Schweizer nutzen Whatsapp weiter. Lediglich fünf Prozent haben bereits gewechselt, nur jeder zehnte Kunde erwägt in Zukunft einen Wechsel. Doch was ist mit dem kräftigen Anstieg der Downloads bei der Whatsapp-Konkurrenz? «Nur weil eine App geladen wird, heisst das noch nicht, dass sie auch genutzt wird», sagt Telecom-Experte Ralf Beyeler von Comparis.

Tatsächlich scheinen die Schweizerinnen und Schweizer Whatsapp noch immer massenhaft zu nutzen. Laut Umfrage schreiben 91 von 100 Messenger-Nutzern ihre Nachrichten über diesen Anbieter. Nicht einmal jeder Vierte verwendet demnach auch das Angebot von Facebook. Und die Schweizer Alternativen kommen auf einen noch viel geringeren Anteil: Threema verwenden vier Prozent der Nutzer, die Alternative iO der Swisscom sogar lediglich drei Prozent.

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Fünf Prozent nutzen iMessage von Apple

Fünf Prozent geben demnach an, iMessage fürs iPhone zu verwenden. Allerdings dürfte dieser Wert in der Realität höher sein, weil dieser Dienst oft unbewusst gebraucht wird. «Offenbar ist der Aufwand, die Freunde zum Wechsel zu bewegen, zu gross», sagt Beyeler. Da blieben viele Nutzer lieber bei Whatsapp – Datenschutz hin oder her.