Für den Berner Technologiekonzern wird 2008 als gutes Jahr in die wechselvolle Firmengeschichte eingehen. Die Vorgaben bezüglich Ebit-Margen wurden im 1. Halbjahr 2008 in beiden Kerndivisionen übertroffen, und obwohl aus den Devestitionen hohe Verluste resultieren, bleibt man fürs Gesamtjahr optimistisch.

Trotz Finanzkrise laufen nach Informationen der «Handelszeitung» weiterhin Gespräche mit potenziellen Ascom-Investoren. Im Vordergrund steht dabei noch immer das Anliegen, neue, mittelfristig orientierte Eigentümer für das Aktienpaket der Zürcher Kantonalbank (ZKB) in Höhe von 26% zu finden. Das Paket stammt aus einer ehemaligen Geschäftsbeziehung mit der Victory Holding des Österreichers Ronny Pecik.

Auch Schweizer Interessenten?

Am liebsten sähe die Ascom-Spitze für dieses Paket einen industriellen Investor, auch wenn VR-Präsident Juhani Anttila sagt: «Wir haben uns nie auf einen industriellen Investor festgelegt. Wir begrüssen alle Investoren, welche unsere mittelfristige Strategie unter dem Dach der ?Mission Critical Communication? unterstützen und für Ascoms Stakeholder einen Mehrwert einbringen wollen.» Offenbar gab es in den vergangenen Monaten Gespräche mit Siemens. Doch die Deutschen waren vor allem an Ascoms Perle, dem Bereich Mobile Test Solutions, interessiert. Mit diesem Geschäft ist Ascom Weltmarktführer von Testeinrichtungen für Mobilfunknetze und als Anbieter von Messsystemen. In den vergangenen Wochen hat man drei neue Aufträge im Umfang von über 12 Mio Fr. aus den USA, Ghana und Russland erhalten. Kein Wunder, will Anttila diesen Bereich behalten (siehe «Nachgefragt»).

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Weiter am Laufen sollen dagegen informelle Gespräche mit der ebenfalls deutschen Hörmann-Gruppe sein. Nachdem der Industrielle Giorgio Behr über seine private Beteiligungsgesellschaft BDS mehr als 5% des Aktienkapitals von Georg Fischer (GF) erworben hat (siehe dazu Seite 3), kursieren auch um Ascom wieder Gerüchte, Schweizer Investoren hätten ein Auge auf sie geworfen.

Bei all den Spekulationen ist sicher: Ein Einstieg bei Ascom war selten so günstig.

 

 

NACHGEFRAGT Juhani Anttila, VR-Präsident Ascom


«Wir schauen weitere Kandidaten an»

Wann tätigt Ascom Akquisitionen?

Juhani Anttila: Ascom hat 2008 mit Argogroup und Comarco zwei Zukäufe getätigt, was unterstreicht, dass wir auch anorganisch wachsen können. Akquisitionen sind Teil unserer Strategie. Wir schauen systematisch weitere Kandidaten an, wobei wir sorgfältig prüfen, ob unsere strengen Akquisitionskriterien erfüllt sind.

Offenbar ist Mobile Test Solutions heiss begehrt. Ist es denkbar, einzelne Bereiche zu verkaufen?

Anttila: Mobile Test Solutions steht nicht zum Verkauf. Die im November 2007 angekündigte Portfoliobereinigung mit der Devestition der vier verlustbringenden Einheiten Toll, Traffic, Industrie Schweiz und Payphones ist im Wesentlichen abgeschlossen. Kleinere Be- reinigungen im Rahmen der Strategie sind jedoch weiterhin möglich.

Stehen Wechsel im VR an?

Anttila: Der VR gibt am 11. März seine Anträge bekannt. Die Zusammenarbeit mit dem Management funktioniert ausgezeichnet, wir kommen bei der Strategieumsetzung schnell voran.