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Trotz Flügelproblem: Airbus rechnet mit A380-Auftragsschub

A380: beliebter Flieger. (Bild: Keystone)

Der Flugzeugbauer Airbus rechnet trotz des Imageschadens bei seinem rissgeplagten Flaggschiff A380 mit einem neuen Auftragsschub.

Veröffentlicht am 24.05.2012

«Es wird nicht einfach, aber wir wollen in diesem Jahr Bestellungen für 30 A380 einsammeln», sagte Airbus-Verkaufschef John Leahy am Donnerstag in Toulouse - gut sechs Wochen vor der grossen Luftfahrtmesse im britischen Farnborough. Auch beim neuen Langstreckenjet A350 hält Leahy diese Grössenordnung für realistisch. Auf dem Massenmarkt der Mittelstreckenflieger sieht er die Macht des Rivalen Boeing gebrochen: 60 Prozent Marktanteil für Airbus seien dauerhaft möglich.

Woher die neuen Aufträge für die doppelstöckige A380 kommen sollen, sagte Leahy nicht. Die Fluglinie Emirates, die 90 Exemplare bestellt und teilweise bereits in Betrieb hat, hatte schon im Dezember eine weitere Order in Aussicht gestellt. A380-Marketingchef Richard Carcaillet deutete zudem an, dass die Fluggesellschaft Cathay Pacific eine Bestellung unterschreiben könnte. Mit dem Unternehmen aus Hongkong verhandelt Airbus schon seit mehreren Jahren. Für die A380 hat der Hersteller noch 180 Aufträge in den Büchern. In diesem Jahr sollen 30 der doppelstöckigen Flugzeuge die Werkshallen verlassen. Allerdings bremsen Risse an Flügelteilen die Produktion.

Mehr als 570 Flieger

Insgesamt will Airbus in diesem Jahr brutto Aufträge für über 570 Flugzeuge einsammeln - mehr als in diesem Jahr gebaut werden. Davon waren nach den ersten vier Monaten erst 112 erreicht - und kassierte zugleich 17 Stornierungen. Typischerweise werden viele Abschlüsse auf den grossen Luftfahrtmessen verkündet. Nahe London steht ab dem 9. Juli die Farnborough Air Show an.

Erst ab 2013 sollen die rissanfälligen Befestigungsklammern in den Tragflächen der bislang 74 ausgelieferten A380-Flieger durch neuentwickelte Teile aus einer anderen Metalllegierung ersetzt werden. Laut Programmchef Tom Williams machen sie jeden Jet um rund 90 Kilogramm schwerer.

In neue Maschinen werden die neuen Teile erst ab 2014 eingebaut - alle anderen müssen nach der Auslieferung noch einmal zur Nachbesserung. Alleine im laufenden Jahr kostet das Problem den Konzern voraussichtlich 260 Millionen Euro - zuzüglich 105 Millionen aus dem vergangenen Jahr und weiteren Belastungen 2013.

Aus Problemen gelernt

«Wir dachten, wir hätten die Technik im Griff», sagte Airbus-Chef Tom Enders. Jetzt koste das Problem Airbus Geld und Reputation, sagte der Manager, der in Kürze an die Spitze des Mutterkonzerns EADS aufrückt. Aus den Problemen der A380 habe man viel gelernt - vor allem über die Kombination herkömmlicher und neuartiger Materialien. Dies solle auch der Entwicklung der A350 zugutekommen.

Bei dem neuen Hightechflieger sollen solche Fehler keinesfalls passieren. Die A350 besteht zu 53 Prozent aus Karbonfaser-Verbundstoffen. 2013 soll die erste A350-Maschine abheben, für spätestens Mitte 2014 ist die Auslieferung des ersten Jets vorgesehen. Der Zeitplan sei weiterhin «anspruchsvoll», hatte EADS-Finanzchef Hans Peter Ring erst vor wenigen Tagen betont. Wie schnell die Produktion hochläuft, will Airbus noch nicht sagen. 548 Bestellungen liegen bereits vor, ab 2018 sollen jeden Monat zehn Exemplare die Werkshallen verlassen.

Zugleich baut Airbus die Produktion des ähnlich grossen, herkömmlichen Langstreckenjets A330 weiter aus. Beide Flugzeuge konkurrieren mit den Boeing-Modellen 777 und der 787, die den Beinamen "Dreamliner" trägt und wie die A350 zu grossen Teilen aus Verbundstoffen besteht. "Seit der Ankündigung der 787 im Jahr 2004 haben wir mehr A330 verkauft als je zuvor", sagte Leahy. Der kommende Airbus-Chef Fabrice Brégier verspricht sich von dem Modell auch im kommenden Jahrzehnt noch gute Geschäfte.

Karten neu gemischt

Bei den Mittelstreckenfliegern sieht Leahy nach dem Erfolg des Airbus A320neo die Karten im Wettbewerb zum Rivalen Boeing 737 neu gemischt: «Boeing kann die bisherige Marktaufteilung von 50 zu 50 nur halten, wenn sie ihre 737 mit kräftigen Rabatten verschleudern.»

Im vergangenen Jahr hatte Airbus den US-Rivalen mit der A320neo unter Zugzwang gesetzt: Erst als den Europäern binnen weniger Monate Aufträge für mehr als 1000 Exemplare der auf Spritsparen getrimmten «neo» winkten, entschied sich Boeing, die 737 unter dem Namen 737-MAX ebenfalls mit neuen Triebwerken sparsamer zu machen. Jeder der Hersteller behauptet nun, sein erneuertes Modell habe die niedrigsten Betriebskosten.

Bei den Bestellungen liegt Airbus bislang weit vorne, 2011 lag der Marktanteil der Europäer in dem Segment bei 70 Prozent. Die Mittelstreckenjets bringen zwar die geringsten Gewinnspannen, machen jedoch weltweit rund 70 Prozent des Flugzeugmarkts aus. Leahy rechnet damit, dass sich der Auftragsreigen für die A320-Familie fortsetzt. Alleine aus China erwartet der Manager in diesem Jahr Bestellungen für mehr als 100 Mittelstreckenjets.

(laf/sda/awp)

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