Etienne Jornod bleibt Verwaltungsratspräsident der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ). Er wurde am Samstag an der Generalversammlung in Zürich mit deutlicher Mehrheit für weitere vier Jahre gewählt - trotz massiver Kritik an seiner Amtsführung.

Der Lächerlichkeit preisgegeben

Einen ungewöhnlichen Empfang haben am Samstagmorgen die Aktionärinnen und Aktionäre der «Neuen Zürcher Zeitung» erlebt: Sie wurden von ehemaligen Redaktionsmitgliedern aufgefordert, Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod und CEO Veit Dengler das Vertrauen zu entziehen.

Auf einem vor dem Kongresshaus in Zürich verteilten Flugblatt wurden ungewohnt harte Töne angeschlagen. Verwaltungsrat und Unternehmensleitung wurde vorgeworfen, sie hätten das einstige Flaggschiff der Schweizer Presse in eine Krise geführt, es der Lächerlichkeit preisgegeben und unverantwortbaren Risiken ausgesetzt.

Die Aktionäre wurden deshalb aufgefordert, an der anschliessenden Generalversammlung den beiden Führungsgremien die Entlastung zu verweigern, die Wiederwahl des Verwaltungsratspräsidenten zu verhindern und eine ausserordentliche Generalversammlung zu beauftragen, einen neuen Verwaltungsrat zu wählen.

Bei der NZZ herrscht seit dem vergangenen November Unruhe, nachdem bekannt wurde, dass die Druckerei in Schlieren geschlossen wird. 125 Angestellte verlieren damit Mitte Jahr ihren Job.

Blocher-Lakaie Somm

Für noch negativere Schlagzeilen sorgte der Verwaltungsrat um Jornod im Dezember, als NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann gehen musste und bekannt wurde, dass dieser durch den Chefredaktor der «Basler Zeitung» und Christoph Blocher nahe stehenden Markus Somm ersetzt werden sollte. Kritisiert wurde vor allem Jornods Rolle bei der Ernennung des neuen Chefredaktors. Ex-NZZ-Redaktor Meier bezeichnete das Manöver mit «Blocher-Mann Somm» als Anschlag auf die Seele der NZZ und als «schrecklichen Mangel politischer Urteilsfähigkeit».

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Aufgrund des öffentlichen Drucks und Protesten wurde schliesslich vor einem Monat eine interne Lösung getroffen. Als Chefredaktor ernannt wurde Auslandchef Eric Gujer.

Weil die Amtsdauer der Verwaltungsräte vier Jahre dauert, mussten sich nur drei der neun Mitglieder der Wiederwahl stellen: Neben Präsident Jornod waren dies Christoph Schmid und Bernd Kundrun. Beide Verwaltungsratsmitglieder wurden klar bestätigt.

Kampf um VR-Mandatsdauer

Die Verwaltungsratsmitglieder der NZZ bleiben weiterhin für vier Jahre gewählt. Ein Antrag, die Wahl auf ein Jahr zu beschränken, wurde an der Generalversammlung in Zürich abgelehnt, wie die NZZ über Twitter meldete.

Eine einjährige Amtszeit gefordert hatte die Aktionärsgruppe «Freunde der NZZ» um Erhard Lee, Oliver Benz und Edwin van der Geest. Sie warf dem Verwaltungsrat vor, es fehle ihm an verlegerischem und publizistischem Know-how. Der Antrag auf eine Statutenänderung wurde jedoch mit 8919 gegen 16'610 Aktionärsstimmen deutlich abgelehnt.

(sda/awp)