Die Bank Julius Bär ist 2014 weiter gewachsen, hat die Kundenvermögen auf Rekordhöhe gesteigert und beim Gewinn deutlich zugelegt. Wegen der starken Frankenaufwertung tritt die Bank nun aber auf die Kostenbremse.

Julius Bär lanciert ein Programm zur Reduktion der Kostenbasis um rund 100 Millionen Franken, wie die Bank mitteilte. Die Hälfte der Einsparungen soll bereits im laufenden Jahr realisiert werden.

Die Anleger reagierten positiv: An der Schweizer Börse legte die Aktie von Julius Bär im frühen Handel um mehr als 7 Prozent zu.

Stellenabbau mehrheitlich in der Schweiz

Konkret werden Personalkosten gesenkt durch Restriktionen bei Neuanstellungen, die Umverteilung von Ressourcen sowie die Streichung von rund 200 Stellen. Betroffen seien hauptsächlich Mid- und Back-Office-Funktionen, erklärte die Bank. Dies werde zum Teil auch das integrierte Vermögensverwaltungsgeschäft (IWM-Geschäft) tangieren.

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Die Stellenkürzungen werden laut Finanzchef Dieter Enkelmann zur Mehrheit Arbeitsplätze in der Schweiz betreffen. So weit wie möglich sollen natürliche Abgänge genutzt werden, es werde aber auch zu Entlassungen kommen.

Begründung: Frankenstärke

Möglich seien zudem Verlagerungen von Arbeitsplätzen aus der Schweiz ins Ausland, sagte Enkelmann am Montag in einer Telefonkonferenz. Ob neben dem kurzfristig zusammengestellten Sparprogramm zu einem späteren Zeitpunkt zusätzliche Massnahmen notwendig würden, werde man sehen, ergänzte Konzernchef Boris Collardi. Weltweit zählt Julius Bär derzeit 5250 Vollzeitstellen, davon knapp 3100 in der Schweiz.

Julius Bär begründete den jüngsten Abbauentscheid explizit mit der Frankenstärke: «Auf Grund des weiterhin bestehenden Ungleichgewichts und der starken Aufwertung des Schweizer Frankens im Januar 2015 müssen weitere Massnahmen zur Wahrung der Profitabilität der Gruppe ergriffen werden.»

Netto 398 Vollzeitstellen gestrichen

Julius Bär hatte IWM-Geschäft von Merrill Lynch ausserhalb der USA übernommen. Der Prozess sei 2014 weitgehend abgeschlossen worden, hiess es. Es bleibe lediglich die Übertragung des Geschäfts in Indien, die nach aktuellem Stand voraussichtlich gegen Mitte 2015 durchgeführt werde. Während 2014 weitere 166 Mitarbeitende von IWM zu Julius Bär wechselten, führte die mit der Integration verbundene Restrukturierung dazu, dass 564 Mitarbeitende die Gruppe verliessen. Netto wurden also 398 Vollzeitstellen gestrichen.

Die IWM-Geschäfte trugen weiter zum Wachstum von Julius Bär bei. Die verwalteten Vermögen stiegen um 14 Prozent auf 291 Milliarden Franken. Basierend auf Marktwerten vom Jahresende stammen davon 60 Milliarden Franken von IWM. Zum Anstieg trug ein Netto-Neugeldzufluss von 13 Milliarden Franken bei.

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Gewinn und Dividende steigen

Der um Integrations- und Restrukturierungskosten adjustierte Konzerngewinn legte um 22 Prozent auf 586 Millionen Franken zu, wie die Vermögensverwalterin mitteilte. Der IFRS-Konzerngewinn lag mit 367 Millionen Franken sogar um 96 Prozent über dem Vorjahr. IRFS ist der internationale Finanzstandard, der einen Vergleich des Konzerngergebnisses über die Landesgrenze erlaubt.

Den Gewinnsprung erklärte Julius Bär mit tieferen Kosten für die IWM-Integration als im Vorjahr sowie mit dem Wegfall einer Rückstellung im Zusammenhang mit dem Quellensteuerabkommen der Schweiz mit Grossbritannien. Die Dividende will Julius Bär von 0.60 Franken im Vorjahr auf nun 1.00 Franken pro Aktie erhöhen.

«Sehr interessante Möglichkeiten» für Übernahmen

Die Frankenstärke werde im laufenden Jahr allerdings sicherlich noch zu «sehr interessanten Möglichkeiten» für Übernahmen führen, hielt Collardi fest. Bei vielen Instituten in der Schweiz fielen 90 Prozent oder mehr der Kosten in Franken an: Das werde zu einer verstärkten Konsolidierung bei den Schweizer Privatbanken führen.

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Derzeit kein Thema ist für Julius Bär die Weitergabe von Negativzinsen an die Kundschaft, wie Collardi weiter sagte. Zum US-Steuerstreit gab er sich Collardi einmal mehr überzeugt, diesen bald abschliessen zu können. Er erwarte, dass es 2015 bei den Banken der Kategorie 1 - zu denen Julius Bär gehört - wie auch denen der Kategorie 2 zu einer Einigung mit den US-Steuerbehörden kommen werde.

Temenos beauftragt

Handlungsbedarf sieht die Bank bei den IT-Plattformen, die erneuert werden sollen. Julius Bär hat die Genfer Bankensoftware-Herstellerin Temenos beauftragt, mit den Planungen für den Ersatz ihrer Core-Banking-Plattform zu beginnen.

(sda/reuters/tno/me/ama)