Der derzeitige Audi-Chef Rupert Stadler sitzt seit Juni in Haft. Heute Freitag hätte der Volkswagen-Aufsichtsrat über seine Zukunft im Konzern entscheiden sollen. Offenbar konnte er sich nicht einigen, wie das «Handelsblatt» schreibt. Der Entscheid sei vertagt worden. Damit behält Rupert vorläufig seinen Posten und bleibt lediglich beurlaubt. 

Noch immer stellt sich jedoch die Frage, ob er abberufen oder abgelöst werden soll. Ein klares Votum in der Frage sei nicht zu erzielen gewesen, hiess es im Anschluss an die Sitzung, wie die Zeitung schreibt. VW äusserte sich nicht dazu.

Behinderung der Ermittlungen

Insidern zufolge sei die Auflösung von Stadlers Vertrag angestrebt worden. Volkswagen versucht schon seit einigen Wochen, mit den Anwälten eine Einigung herbeizuführen. Dadurch soll ein langwieriger Rechtsstreit vermieden werden.

Über Stadlers Zukunft wurde schon mehrfach im Aufsichtsrat beraten, zuletzt Mitte September. Der Manager sitzt seit mehr als drei Monaten in Untersuchungshaft, weil ihm die Staatsanwaltschaft München Behinderung der Dieselermittlungen vorwirft. Der Audi-Chef soll versucht haben, Zeugen zu beeinflussen. Stadler bestreitet das. Audi wird zurzeit kommissarisch von Vertriebschef Bram Schot geführt.

Stadlers Vertrag als Mitglied des VW-Konzernvorstands läuft Ende 2019 aus. Bei einer vorzeitigen Auflösung könnte der Manager aber möglicherweise schon im Oktober auf Haftentlassung hoffen. Seine Haftbeschwerde liegt dem Oberlandesgericht zur Entscheidung vor. Gibt er seine Ämter auf, könnte die Frage möglicher Einflussnahme oder Verdunkelungsgefahr neu bewertet werden.

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Neuer Chef im Gespräch

Auf der anderen Seite ist der bisherige BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann als neuer Audi-Chef im Gespräch. VW und Duesmann haben im Juli einen Wechsel in den VW-Vorstand angekündigt. BMW kann Duesmanns Abgang zum Konkurrenten wegen des Vertrags zwar noch zwei Jahre blockieren. Die Münchner Autobauer haben aber am Mittwoch schon einen Nachfolger für Duesmann in ihren Vorstand berufen.

Der VW-Aufsichtsrat hatte schon vor zwei Wochen über den Fall Stadler beraten. Dessen Bestellung durch den Audi-Aufsichtsrat zum Audi-Chef läuft zwar noch bis 2022, entscheidend ist aber der Dienstvertrag mit dem VW-Konzern.

(bsh/reuters/awp/mlo)