Die Deutsche Bank will den Rechtsstreit mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch nach über einem Jahrzehnt beendet wissen. Doch noch ist die Sache nicht ausgestanden. Auch der ehemalige Schweizer Chef des grössten deutschen Finanzinstituts muss weiter zittern: Die Staatsanwaltschaft München ermittelt unbeirrt weiter gegen Josef Ackermann wegen versuchtem Betrug vor Gericht.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Deutsche Bank und die Erben des Medien-Unternehmers sich auf einen Vergleich geeinigt haben: Über 775 Millionen Euro Schadensersatz zahlt das Geldhaus. Die Auseinandersetzungen zwischen den Parteien seien damit vom Tisch, teilten die Frankfurter in einer Meldung mit: Mit der «Vereinbarung legen wir einen altbekannten und langjährigen Rechtsstreit bei», werden die Konzernchefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain zitiert.

Münchner Staatsanwaltschaft: Ermittlungen wegen versuchtem Betrug

Engültig geklärt ist die Angelegenheit damit jedoch nicht. Die Staatsanwaltschaft München geht trotz der 800-Millionen-Einigung aktuell davon aus, dass der ehemalige Bank-Chef Ackermann in einem früheren Kirch-Verfahren falsch vor Gericht aussagte, um die Bank vor einer Verurteilung zu Schadensersatz zu schützen. Auch der aktuelle Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen steht dem Vernehmen nach noch immer im Visier der Ermittler.

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Der Vergleich zwischen der Deutschen Bank und den Kirch-Erben habe «zunächst keine Auswirkung auf unser strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des versuchten Betruges», bestätigte der Münchner Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch auf Nachfrage von handelszeitung.ch. Noch ist das Ermittlungsverfahren gegen Ackermann und die anderen Verdächtigen nicht abgeschlossen.

Prozess gegen Ackermann möglich

Es bleibt also vorerst ungewiss, ob es zu einem Prozess gegen den ehemaligen Zurich-Präsidenten wegen Betrugs kommt. Insidern zufolge gibt es allerdings einige Belege dafür, dass Ackermann vor dem Oberlandesgericht falsch aussagt. Das macht einen Prozess möglich. So soll ein internes Mail von Anfang 2002 ein Geheimprojekt bestätigen, das vorsah, den Film- und TV-Konzern von Kirch aufzuspalten. Gut möglich, dass Ackermann von dem Projekt mit dem Namen «Barolo» wusste.

Nur wenige Tage nach dem Mail zweifelte der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer in einem Fernsehinterview öffentlich an der Zahlungsfähigkeit des Medienmoguls. In der Folge kam es zur Insolvenz Kirchs, worauhin dieser den Klagemarathon startete. Nach Kirchs Tod im Jahr 2011 führten seine Angehörigen den juristischen Kampf gegen die Deutsche Bank weiter. Ackermann war zur Zeit des entscheidenden Interviews bereits als Nachfolger von Breuer bestätigt. Auch gegen Breuer ermittelt die Münchner Justiz.

Kirch-Vergleich könnte strafmildernd wirken

Immerhin hat der nun mit den Kirch-Erben geschlossene Vergleich für Ackermann etwas Gutes, sollte es bei einem Strafprozess gegen ihn zu einer Verurteilung kommen. Dann könnte «dies strafrechtlich als Schadenswiedergutmachung gewertet werden», so Oberstaatsanwalt Steinkraus-Koch – und damit am Ende strafmildernd für Ackermann wirken. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Schweizer – wie auch den anderen Verdächtigen – nach deutschem Recht bis zu fünf Jahre Haft.

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