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Trotz Korruptionsskandal bleibt Blatter Fifa-Präsident

Der Druck konnte eine fünfte Amtszeit des Präsidenten nicht verhindern. Blatters Gegner Prinz Ali gab nach dem ersten Wahlgang auf. Unterstützt wurde der Walliser vor allem von den kleinen Verbänden.

Veröffentlicht am 29.05.2015

Trotz des steigenden Drucks auch aus der Politik hat sich Joseph Blatter eine fünfte Amtszeit als Präsident des mächtigen Weltfussballverbandes Fifa gesichert. Zwei Tage nachdem mehrere führende Funktionäre aus dem Umfeld des Wallisers wegen Bestechungsvorwürfen festgenommen wurden, gaben ihm am Freitag auf dem Fifa-Kongress in Zürich 133 von 209 Delegierten ihre Stimme. Damit verpasste der Fifa-Präsident zwar die Zwei-Drittel-Mehrheit, die im ersten Durchgang nötig war. Sein Herausforderer, Prinz Ali bin al-Hussein, gab aber nach der ersten Runde auf und machte damit den Weg zu Blatters fünfter Amtszeit schneller frei als erwartet. Er hatte 73 Stimmen erhalten.

Blatter dankte seinem Widersacher sowie den Delegierten für seine Wiederwahl. «Ich bin nicht perfekt, niemand ist perfekt. Aber wir können eine gute Arbeit leisten. Auf geht's, Fifa», sagte Blatter. Zuvor hatte ihn der britische Premierminister David Cameron als erster Regierungschef zum Amtsverzicht aufgerufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel ging nicht so weit, forderte aber ein entschiedenes Eintreten der Fifa gegen Korruption.

«Wir brauchen keine Revolution»

Blatter warb in seiner Bewerbungsrede für Einheit in der Fifa und appellierte an den Teamgeist der Mitglieder. «Lasst uns der Welt zeigen, dass wir in der Lage sind, unseren Verband, die Fifa, zu führen, und dass wir es gemeinsam tun können.» Kurz vor Beginn der Wahl wurden die Unterschiede der beiden Kandidaten offensichtlich. Während Prinz Ali einen Neuanfang versprach, setzt Blatter auf Kontinuität. «Wir brauchen keine Revolution, aber wir brauchen eine Evolution», sagte Blatter.

Cameron forderte dagegen den Rücktritt Blatters, der seit 1975 bei der Fifa ist. «Nach meinem Dafürhalten sollte er gehen», sagte der britische Regierungschef in Berlin. «Je früher desto besser.» Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte ein Ende der Korruption und volle Transparenz bei der Fifa. «Die schmutzige Seite, wie David Cameron es gerade gesagt hat, mit der muss aufgeräumt werden.»

Breite Unterstützung aus Asien, Afrika und Lateinamerika

Auch in den eigenen Reihen schwand Blatters Rückhalt im Zuge der jüngsten Korruptionsaffäre. So hatten der neuseeländische und der kanadische Verband vor der Wahl angekündigt, für Prinz Ali zu votieren. Die europäische Uefa hat sich mehrheitlich gegen den Fifa-Präsidenten positioniert. Blatter konnte trotzdem auf breite Unterstützung bauen, insbesondere aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Der 79-Jährige schwor die Delegierten vor dem Wahlgang auf den Kampf gegen Korruption ein. «Der wichtige Punkt ist, wo die Fifa in der Welt steht», sagte Blatter. «Es ist ein Kampf gegen Bestechung, gegen Spielmanipulation, Rassismus und Diskriminierung. Das gibt es noch, und das tut weh.» Sich selbst nahm Blatter abermals aus der Schusslinie.

England droht mit Boykott der Russland-WM

Blatter kritisierte indirekt das Vorgehen der Justizbehörden in den Korruptionsermittlungen gegen Fifa-Funktionäre. «Ich werde das Wort Zufall nicht verwenden, aber es gibt ein kleines Fragezeichen», sagte er. «Es ist nicht gut, dass das alles zwei Tage vor der Fifa-Präsidentenwahl rauskommt.» Blatter erklärte zudem, die Probleme gäbe es wohl nicht, wenn die Fifa die Turniere 2018 und 2022 nicht an Russland und Katar vergeben hätte. Die Schweizer Behörden durchsuchten am Mittwoch die Fifa-Zentrale. Bei den Ermittlungen soll geklärt werden, ob es bei der Vergabe der beiden Weltmeisterschaften Unregelmässigkeiten gab.

Der Chef des englischen Fussballverbandes zeigte sich grundsätzlich für ein Boykott der WM in Russland offen. Eine Absage von ein oder zwei Ländern sei nicht sinnvoll, sagte Greg Dyke der BBC. «Aber wenn die ganze Uefa das sagen würde, und alle Länder willens wären, das zu tun, dann finde ich das richtig.»

(reuters/gku)

 

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