Angetrieben durch die globale Finanzkrise und die Rezession in den USA suchen viele nordamerikanische Fluggesellschaften ihr Heil in der Lancierung von scheinbar lukrativen Interkontinentalverbindungen. Davon profitiert für den kommenden Sommerflugplan (Ende März 2009 bis Ende Oktober 2009) auch die Schweiz: Vier zusätzliche Nordamerika-Routen – drei Neu- und eine Wiederaufnahme – zeichnen sich bisher ab (siehe Tabelle).

Dadurch erhöht sich die Zahl der täglichen Nordamerika-Flüge ab der Schweiz auf bis zu 19, davon 16 in die USA (plus drei) und drei nach Kanada (plus eins). Anders gesagt: In der Woche gilt es spätestens ab Mitte des nächsten Jahres gegen 27 500 Sitzplätze zu verkaufen. Im Winterflugplan (Ende Oktober 2008 bis Ende März 2009) sind es derzeit knapp 22 000 Sitzplätze. Stellt sich die Frage, ob das neue Angebot wirklich der Nachfrage entspricht, was zugunsten der Kunden zu einem erneuten Preiskampf führen könnte.

Konkurrenz gibt sich gelassen

Nicht alle nordamerikanischen Fluggesellschaften bauen ihr Angebot aus. Gianni Tronza, Regional Director Switzerland von American Airlines, sagt: «Die Schweiz ist seit 22 Jahren eine Schlüsseldestination in unserem Streckennetz. Wachstumsmöglichkeiten sehen wir in nächster Zeit jedoch nicht.» Im Gegenteil: «Mit total 16 Nonstop-Verbindungen zwischen der Schweiz und den USA ist das An-gebot weit über der Nachfrage, die für 2009 prognostiziert wird.» Und sollte der Ölpreis wieder rasant ansteigen, «wird wohl keine Fluggesellschaft mehr mit Gewinn fliegen». Das werde zur Folge haben, «dass eben diese neuen Anbieter ihre Flüge sehr schnell wieder aus dem Markt abziehen werden».

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Ebenfalls keine Aufstockung erwägt Continental Airlines ab der Schweiz: «Aber sicher wird es zu mehr Wettbewerb kommen», sagt Sylvie Frateschi, Senior Country Director Switzerland von Continental, «aber wir sind überzeugt, dass wir weiter erfolgreich sein werden.» Ihre täglichen Flüge von Zürich oder Genf nach New York seien derzeit mit einer Auslastung von mehr als 75% unterwegs.

Auch Swiss gibt sich trotz der wachsenden Konkurrenz gelassen, obwohl der Home Carrier bis zu neunmal täglich nach Nordamerika fliegt: «Insbesondere während der Sommerzeit erwarten wir eine weitere Zunahme der Nachfrage», sagt Swiss-Pressesprecher Jean-Claude Donzel.

New York besonders umkämpft

Donzel gibt zu verstehen, dass die Kunden durchaus von Sonderaktionen profitieren könnten, dies eher in der Vor- und Nachsaison.

Besonders umkämpft wird New York. Der Big Apple wird momentan bis zu siebenmal täglich bedient. Verschärft wird der Wettbewerb für die aufkommensstärkste Interkontinentalstrecke ab der Schweiz nächstes Jahr durch den Eintritt von Delta Air Lines zwischen Zürich und New York. Thomas Brandt, Sales Manager von Delta, gibt sich optimistisch: «Wir sind überzeugt, diesen zunächst saisonalen Service erfolgreich und profitabel durchführen zu können. Wir folgen mit diesem neuen Flug der erhöhten Nachfrage, die wir 2008 feststellen konnten.»

Zu einer Verdoppelung des Angebots kommt es in Genf, von zwei auf vier tägliche Nordamerika-Verbindungen. Zur Lancierung der Flüge nach Washington DC sagt Thorsten Lettnin, General Manager Sales von United Airlines: «Wir versprechen uns auf Anhieb einen wirtschaftlichen Erfolg.» Bis vor kurzem wurde diese Route von Qatar Airways bedient, doch die arabische Fluggesellschaft verkehrt mittlerweile ohne Stopp in Genf zwischen Doha und Washington DC. Lettnin ist übrigens sicher: «Das Marktpotenzial für Nonstop-Flüge ab der Schweiz in die USA ist noch nicht ausgeschöpft.»

Isabelle Knoblauch, General Manager Switzerland von Air Canada, sagt zum neuen Flug zwischen Genf und Montreal: «Wir sehen im Markt Genf ein sehr hohes Potenzial, vor allem im Bereich Geschäftsreisen, obwohl die Wirtschaftslage nicht optimal ist. Natürlich rechnen wir auch mit einem hohen Aufkommen von Reisenden der Rhone-Alpes-Region in Frankreich.» Parallel dazu stockt Air Canada ihre Frequenzen zwischen Zürich und Toronto im Sommerflugplan 2009 von fünfmal wöchentlich wieder auf einmal täglich auf.

Ein Comeback gibt US Airways für die nächste Sommersaison zwischen Zürich und Philadelphia. «Der Ausstieg in der Wintersaison lag am hohen Ölpreis, dieser hätte uns keine Möglichkeit gegeben, profitabel zu fliegen», sagt Joachim Tietz, Sales Manager von US Airways. Für die Wiederaufnahme ist er zuversichtlich, da man bei der Premiere in diesem Jahr Geld verdient habe. Weiter meint Tietz: «Überkapazitäten hin oder her, solange Geld verdient wird, ist die Schweiz für Airlines interessant.»

Swiss nimmt keine Strecken auf

Und wie steht es bei Swiss mit neuen Nordamerika-Flügen? Dazu Jean-Claude Donzel: «In der aktuellen Phase der Konjunkturabkühlung gehen wir sehr, sehr zurückhaltend mit Wachstum um. Selbstverständlich haben wir eine Wunschliste, die unter anderem auch San Francisco enthält.» Auch die Flughäfen hegen solche Träume: «Oben auf der Wunschliste stehen San Francisco und Vancouver. Das sind die Nordamerika-Destinationen mit dem grössten Passagieraufkommen in Zürich, die nicht direkt angeflogen werden», sagt Marc Rauch, Pressesprecher des Flughafens Zürich.